Container am Hafen

Rohstofflieferketten © AdobeStock/chungking

Rohstofflieferketten – Initiativen für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit

Deutschland ist auf eine sichere und nachhaltige Versorgung mit Rohstoffen angewiesen. Die Abhängigkeit von rohstoffreichen Ländern nimmt weiter zu. Die deutsche Industrie unternimmt bereits freiwillig große Anstrengungen für einen verantwortungsvollen Rohstoffbezug, jedoch kann sie die strukturellen Herausforderungen vor Ort nicht allein lösen. Hierfür bedarf es der Politik.

Energiewende, Elektromobilität, Digitalisierung, Bauwesen, Infrastrukturausbau und Industrie 4.0 werden den Bedarf nach Rohstoffen in den nächsten Jahren global erheblich erhöhen. Dadurch steigt auch die Abhängigkeit von rohstoffreichen Ländern. Viele dieser Entwicklungs- und Schwellenländer erfüllen häufig nicht die deutschen oder europäischen Sozial-, Umwelt-, Menschenrechts- und Governance-Standards bei der Gewinnung von Rohstoffen. Die deutsche Industrie ist sich ihrer Verantwortung beim Rohstoffbezug bewusst. Deutsches Know-how zum sozial- und umweltverträglichen Rohstoffabbau leistet einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Rohstoffbezug. Die hohen Sicherheitsstandards und die erfolgreichen Rekultivierungs- und Renaturierungsmaßnahmen im deutschen Bergbau sowie in der Steine- und Erdenindustrie sind weltweit anerkannt und gefragt.

Unternehmerischer Beitrag zu den Sustainable Development Goals

Der Beitrag deutscher Unternehmen ist dabei weniger die direkte Rohstoffexploration vor Ort. Vielmehr unterstützt die deutsche Energie- und Rohstofftechnik in anderen Ländern den umweltgerechten und sicheren Abbau von Rohstoffen. Der Sektor reicht dabei von der Informationstechnologie bis zum Maschinenbau. Ebenfalls leistet deutsches Know-how Hilfe beim Aufbau der Raffination vor Ort. Dabei kommt den Unternehmen ihre

hohe Wirtschaftskraft zugute, die dazu beiträgt deutsche Standards zu implementieren. So werden illegalem Rohstoffabbau und Umweltverschmutzung entgegengewirkt und Arbeitsplätze vor Ort geschaffen. Damit leisten deutsche Unternehmen einen Beitrag zur Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs). All dies führt zu stabileren Märkten für einen sicheren und nachhaltigen Rohstoffbezug.

Steigende Anforderungen und verbindliche unternehmerische Sorgfaltspflichten

Durch zunehmend längere und komplexere Wertschöpfungsketten gingen Verluste bei der Transparenz und Nachverfolgbarkeit der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung einher. Gleichzeitig wuchsen insbesondere seit der Verabschiedung der VN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte in 2011 die Anforderungen an Unternehmen, ihre Lieferketten transparenter zu gestalten und die Herkunft ihrer Rohstoffe nachzuweisen. Viele Unternehmen engagieren sich in Branchen- und Multi-Stakeholder-Initiativen und haben Risikomanagementsysteme etabliert, um Menschenrechtsrisiken in ihrem Einflussbereich zu ermitteln, vorzubeugen und im konkreten Fall Abhilfe zu schaffen. 

Einen ersten rechtlichen Rahmen für die Erfüllung unternehmerischer Sorgfaltspflichten in der Lieferkette liefert seit Juni 2017 die so genannte EU-Konfliktmineralienverordnung. Sie hat das Ziel, die Finanzierung bewaffneter Gruppen und Sicherheitskräfte durch den Handel mit Zinn, Tantal, Wolfram oder Gold zu unterbinden. Dabei zielt die Verordnung auf Transparenz und Sicherheit bei Bergbauunternehmen, Importeuren, Hütten und Raffinerien ab, die Rohstoffe aus Konflikt- und Hochrisikogebieten beziehen.

Einen übergreifenden Ansatz verfolgt das im Juni 2021 verabschiedete und ab 2023 geltende deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Es definiert sanktionsbewährte unternehmerische menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfalts- und Berichtspflichten für den eigenen Geschäftsbereich und die gesamte Lieferkette. Aufgrund großer Rechtsunsicherheit und Herausforderungen bei der Umsetzbarkeit sieht die deutsche Industrie jedoch die Gefahr, dass das LkSG es Unternehmen erschwert, ihre Bezugsquellen zu diversifizieren.

Signalwirkung: Teilnahme Deutschlands an Rohstofftransparenzinitiative EITI

Für einen nachhaltigen Rohstoffabbau sind zudem transparente Finanzströme in den Förderländern wichtig. Die deutsche Rohstoffindustrie beteiligt sich deshalb aktiv an der Umsetzung der freiwilligen Initiative für mehr Transparenz im Rohstoffsektor, der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI). Der erste deutsche Bericht wurde im August 2017 veröffentlicht. EITI setzt Standards für Finanztransparenz und Regierungsverantwortung. Die

Umsetzung in Deutschland soll Signalwirkung entfalten. Mit der Fortführung des 2020 gestarteten Pilotprojekts als Alternative zur bisherigen Überprüfung der Zahlungsströme durch einen Zahlungsabgleich verbindet die deutsche Industrie die Hoffnung, noch mehr Länder zur Mitwirkung in der EITI zu bewegen und damit weltweit zu noch mehr Transparenz im rohstoffgewinnenden Sektor beizutragen.

Großes Potenzial bei Recyclingrohstoffen

Auch die Gewinnung von Recyclingrohstoffen spielt für die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle in Deutschland. Sie verringert den Primärrohstoffeinsatz, schont die Ressourcen und verringert die Importabhängigkeit der deutschen Industrie bei Rohstoffen. Zudem ist die Verwendung von Recyclingrohstoffen oftmals weniger energieintensiv als die Aufbereitung von Primärrohstoffen. Auf diese Weise wird weniger CO2 emittiert und ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Schon heute werden

Recyclingrohstoffe in erheblichem Maße bei der Metallverarbeitung eingesetzt und tragen damit zur Rohstoffsicherheit bei. Bei vielen Rohstoffen gestaltet sich die Rückgewinnung jedoch derzeit noch als schwierig. Zur Optimierung und Erforschung von Recyclingprozessen sollten Pilotprojekte in geeigneten Wirtschaftszweigen in enger Abstimmung mit den Unternehmen stärker politisch unterstützt werden.

Handlungsempfehlungen an die Politik: Unternehmen nicht allein lassen

Die Politik darf Unternehmen mit Blick auf eine sichere und nachhaltige Rohstoffversorgung nicht allein lassen. Die politischen Herausforderungen in anderen rohstoffreichen Ländern kann die Industrie nicht allein lösen. Durch eine stärkere Verzahnung der Entwicklungszusammenarbeit mit konkreten Projekten der Rohstoffförderung sollte die Politik Einfluss auf die Rahmenbedingungen vor Ort nehmen und die Einhaltung von Menschenrechten einfordern. So kann der Aufbau einer nachhaltigen Weiterverarbeitungs- und Zulieferindustrie befördert und hohe Standards in der Exploration implementiert werden. Regulierungen zu unternehmerischen Sorgfaltspflichten in der Lieferkette sollten die notwendige Sicherung von kritischen Rohstoffen auch aus schwierigen Kontexten berücksichtigen und Transformationspfade hin zu nachhaltigeren Lieferketten durch industrie-, innovations-, außenwirtschafts- und entwicklungspolitische Maßnahmen unterstützen.