Spürbare Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Energiesektor

© Unsplash

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Energiesektor zeichnen sich schrittweise ab. Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit rücken in den Fokus, doch es gilt auch für den Energiemarkt der Zukunft gewappnet zu sein. Welche Implikationen ergeben sich heute und zukünftig für den Energiesektor und darüber hinaus? Der World Energy Council hat globale Umfragen zu dieser Thematik durchgeführt. Wie in jeder Krise, wird es nicht nur Verlierer geben.

Mit der andauernden Corona-Pandemie bzw. der Beschränkung des öffentlichen Lebens werden die Auswirkungen auf den Energiesektor zunehmend klarer. Zu Beginn der Krise lag der Fokus bei zahlreichen Unternehmen des Energiesektors auf der Versorgungssicherheit. Mit abfallender Nachfrage und sinkenden Preisen stellt sich bei vielen Firmen auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Welche Implikationen ergeben sich heute und zukünftig für den Energiesektor und darüber hinaus? Eine erste Analyse des BDI zeigte die Auswirkungen auf die Öl- und Gasmärkte. Der World Energy Council hat darüber hinaus auf globaler Ebene im April zwei Umfragen durchgeführt.

Als entscheidende Faktoren, wie sich die Zukunft nach COVID-19 gestaltet, wird von den meisten Experten die Entwicklung der Weltwirtschaft, die Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften sowie die weitere Verbreitung oder Eindämmung gefährlicher Viren gesehen. Schon im April 2020 erwarteten die wenigsten einen schnellen Rückgang zur alten Normalität. Die meisten Experten glauben, dass die „neue Normalität“ in der Zukunft geprägt sein wird von Arbeitslosigkeit und einer Einschränkung der persönlichen Freiheiten.

Gewinner und Verlierer der Krise zeichnen sich ab

Für den Energiesektor wird eine dauerhafte Verschiebung in der Nachfrage erwartet: Während die Energienachfrage aufgrund der Einschränkungen im öffentlichen Leben und im Handel insgesamt sinkt, insbesondere im Industriesektor, steigt sie jedoch bei Haushalten. Durch zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung – damit verbundenen Cyber-Angriffen – wird die Widerstandsfähigkeit des Energiesystems zunehmend in Frage gestellt werden. Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach Öl und Kohle in der Energieversorgung zurückgeht. Wo wird perspektivisch noch investiert? Vor allem in Technologien, die Energie über längere Zeit speichern können, um so die Stabilität eines Energiesystem zu garantieren. 

Im Vergleich zu Gewinnern (u. a. Telekommunikation, Pharma) und Verlierern (u. a. Flugverkehr, Hotel und Gastronomie) der Krise gruppieren sich die Energiebranche weltweit im Mittelfeld. Wie einzelne Teile der Branche und Unternehmen aufgestellt sind, lässt sich heute nur bedingt absehen. Gerade international agierende Unternehmen, die von grenzüberschreitendem Handel abhängen, werden perspektivisch ihre Lieferketten überdenken. 

Die politische Ebene wird widersprüchlich bewertet: Zum einen wird man weiterhin eine Dominanz des Nationalstaates sehen –­ das Vertrauen zwischen den Staaten wird als gering bewertet. Zugleich erwartet man aber eine erhöhte Relevanz der internationalen Zusammenarbeit, wie beispielsweise in der EU. Geopolitisch wird der klassische Blick auf den Öl- und Gassektor erweitert auf Datenhoheit, Klimawandel und medizinische Produkte wie Impfstoffe. 

Klar ist, dass sich Erkenntnisse aus der Corona-Krise und seiner Auswirkungen in sehr kurzer Zeit weiterentwickeln, ohne dass es eine klare Vision der Zukunft gibt. Der World Energy Council plant daher in Kürze eine zweite Umfrage zum Thema. Eine Beteiligung an der Umfrage (auf Englisch) ist möglich.