Subsahara-Afrika: Zwischen Anspruch und Realität

Regionale Wirtschaftsintegration ist von zentraler Bedeutung für die Entwicklung Afrikas. Ein freier Verkehr von Waren, Kapital und Dienstleistungen sowie die Freizügigkeit von Arbeitnehmern erhöhen die Attraktivität afrikanischer Märkte für Investoren. Protektionistische Tendenzen gefährden diese Bemühungen.

Auf dem German-African Business Summit (GABS) in Nairobi Anfang Februar diskutierten hochrangige afrikanische und deutsche Vertreter aus Wirtschaft und Politik mit Stefan Mair, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, über regionale Wirtschaftsintegration in den Ländern Subsahara-Afrikas und deren Bedeutung für Unternehmen.

Marktgröße entscheidend für Investitionen

Die nationalen Märkte der meisten afrikanischen Staaten sind für größere Investitionen der verarbeitenden Industrie zu klein. Größere Märkte mit Freizügigkeit für Beschäftigte, Waren, Dienstleistungen und Kapital erhöhen die Attraktivität für lokale und ausländische Investoren. Zudem führt ein vermehrter und grenzüberschreitender Handel zu mehr Wettbewerb auf den heimischen Märkten, was die Produktionskosten senkt, die Produktvielfalt erhöht und somit mehr wirtschaftliche Aktivität generiert. Deshalb ist die regionale Integration nationaler Märkte und deren besserer Anschluss an internationale Wertschöpfungsketten so bedeutend für die wirtschaftliche Entwicklung der afrikanischen Staaten. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnership Agreements, EPAs) zwischen der EU und den Gruppen der afrikanischen, Staaten. EPAs unterstützen die Regionen und fördern den freien Handel innerhalb der Regionen und mit der EU. Zu dem Schluss kam das Panel „Integrated Africa: Regional Economic Integration and Emerging Business Opportunities“ beim GABS. Dennis Awori, Vorsitzender von Toyota Tsusho East Africa Ltd, betonte die große Bedeutung der Ostafrikanischen Gemeinschaft (East African Community, EAC) für das Geschäft in der Region. Inzwischen stelle die EAC einen attraktiven Markt mit 170 Millionen potenziellen Konsumenten dar. Die Abwicklung von Geschäften mit Ländern in der Region, die nicht zur EAC gehörten, erschwere hingegen das Geschäft, so Awori weiter.

Nichttarifäre Handelshemmnisse und Protektionismus als Herausforderung

Trotz positiver Entwicklungen in mehreren Regionalorganisationen in Subsahara-Afrika, allen voran die EAC, darf nicht über die noch bestehenden Herausforderungen hinweggesehen werden. So verhindern nichttarifäre Handelshemmnisse sowie protektionistische Tendenzen regionale Integrationsprozesse. Betty Maina, Generalsekretärin für Integration in der Ostafrikanischen Gemeinschaft im kenianischen Ministerium für Arbeit und ostafrikanische Angelegenheiten, warnte vor der Gefahr des in einigen Ländern aufflammenden Protektionismus. Dem Widerstand gegen regionale Wirtschaftsintegration müssen Wirtschaft und Politik gemeinsam entgegentreten. Darin waren sich die Diskussionsteilnehmer einig.