„Unter Tage“ im Kalibergwerk Zielitz

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Henry von Klencke und Katharina Will, Referenten für Sicherheit und Rohstoffe, befinden sich im Kalibergwerk Zielitz in Sachsen-Anhalt. Die Türen des Förderkorbs schließen sich mit einem lauten Krachen. Es ist dunkel. Ihre Lampen machen zum Glück ein wenig Licht.

„Bergmann hast Du Dein Licht dabei?“, stand auf einem großen Schild am Eingang. „Hab ich, dachte ich mir beim Gang über die große Brücke hin zu diesem riesen Aufzug, der uns nun 700 Meter in die Tiefe befördert.

Wir sind im Kalibergwerk Zielitz in Sachsen-Anhalt. Hier in der Nähe von Magdeburg werden jedes Jahr zwölf Millionen Tonnen Rohsalz gefördert. Aus dem Rohsalz wird anschließend über Tage, also an der Erdoberfläche, in modernsten Verfahren das lebenswichtige Kali gewonnen. Ein Rohstoff, der essentiell ist für viele Bereiche unseres Alltags: Kali befindet sich in medizinischen Infusionen, in Dünger und Futtermitteln oder in der Lebensmittelindustrie als Festigungsmittel.

Für viele der Bergmänner und wenigen Bergfrauen ist die Fahrt in die Tiefe Routine. Einige lehnen an der Wand und dösen bei der knapp dreiminütigen Fahrt. Und doch ist es für die Kumpel jedes Mal ein besonderer Moment, wenn sie die Erdoberfläche verlassen und in den Schacht einfahren.

Unten angekommen verstehe ich, warum das mitgebrachte Licht so wichtig ist. Dort, wohin die Scheinwerfer des Dodge Ram Trucks mit V8-Motor nicht reichen, ist es stockdunkel. Dort, wo das Licht hinfällt, ist das Bild umso schöner: glitzernde Salzkristallgewölbe, wohin das Auge blickt.

Hier unten dreht sich alles um Kali. Modernste Maschinen gewinnen unter höchsten Sicherheitsstandards daraus den lebenswichtigen Rohstoff. Nach der Sprengung wird das Rohsalz in einem ersten Schritt zerkleinert und über 85 Kilometer lange Förderbänder zum Schacht befördert. Von dort kommt das Salz ans Tageslicht, wird in einer Halle zwischengelagert und vor Ort weiterverarbeitet.

Der Dodge fährt uns durch kilometerlange Gänge. Insgesamt könnte man im „Grubengebäude“, wie das weitverzweigte Netz an Gängen unter der Erde auch genannt wird, eine Strecke von 250 Kilometern zurücklegen. Das entspricht in etwa einer Fahrt von Berlin nach Chemnitz.

Es ist heiß, häufig über 40 Grad. Trotz der Hitze ist die Luft frisch. Die salzige Luft fühlt sich sogar gut in den Lungen an. „Wetter“ wird die Regulierung der Luft unter Tage genannt, denn sie ist mindestens so komplex wie das Wetter auf der Erde. Bergbauingenieure arbeiten stetig daran, das System zu verbessern. Grenzwerte müssen eingehalten werden. „Häufig liegen die Vorstellungen des Machbaren weit auseinander“, sagt Christoph Wehner, Geschäftsführer des Verbandes der Kali- und Salzindustrie. „Wir kommunizieren das sehr transparent und laden jeden Entscheider ein, sich selbst unter Tage ein Bild zu machen.“

Ermöglicht wird die Kaligewinnung durch den Einsatz von 1800 Menschen, die über und unter Tage arbeiten. Die Bedingungen unter Tage sind besonders. Dunkelheit, kein Handyempfang, Hitze. Das schweißt zusammen. Wie ein perfekt aufeinander abgestimmtes Getriebe geht jeder hier seiner Arbeit nach. Alle Abläufe sind geplant und jeder weiß, was er zu tun hat. Es ist eine besondere Stimmung.

Nach zwei Stunden unter Tage schmecken die Lippen salzig und mir ist warm. Den Weg nach oben ist gleichzeitig die letzte Grubenfahrt für einen Kumpel. Heute leuchtet sein Helm verziert mit kleinen Leuchtioden. Wieder ist es still bis zu dem Moment, an dem uns der Förderkorb wohlbehalten auf die Erde entlässt.“