Vom Nutzen junger Gründungen: Startups treiben Innovationen voran

Motto eines Startups, Schild auf dem Regal einer Küche © BDI

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Deutsche Industrieunternehmen haben einen guten Ruf in der Welt. Sie verfügen über Spitzentechnologie, ausgezeichnet ausgebildete Mitarbeiter und sind global vernetzt. Was den etablierten Unternehmen (Corporates) jedoch oftmals fehlt, ist die Agilität und das Tempo, mit denen junge Gründungen (Startups) Innovationen vorantreiben können. In der Zusammenarbeit von Corporates und Startups liegt daher großes Potenzial für die deutsche Wirtschaft.

Die Industrie verändert sich wie kein anderer Wirtschaftsbereich durch das Neue – es ist ihr Antriebskraft und Auswahlverfahren zugleich. Dafür braucht es immer wieder neue Produkte und Prozesse, originelle Vertriebswege und disruptive Geschäftsmodelle. Vorreiter für solche Innovationen sind Startups. Existenzgründungen sind Grundlage dafür, dass Deutschland zukunftsfähig bleibt.

Herausforderung: Wenig Gründungen und Wagniskapital

Im Jahr 2017 wagten 557.000 Personen in Deutschland eine Gründung. Das sind so wenige wie noch nie, berichtet die KfW Bankengruppe in ihrem Gründungsmonitor 2018. Die gute Nachricht aus dem Bericht ist allerdings: Die strukturelle Qualität der realisierten Gründungen hat sich deutlich verbessert und die Zahl innovativer Gründer, digitaler Gründer und Wachstumsgründer stieg. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland mit seiner Gründungsquote (Total Early-stage Entrepreneurial Activity, kurz TEA) von lediglich 5,3 Prozent jedoch weiter hinterher: Nach dem Länderbericht vom Global Entrepreneurship Monitor (GEM) des RKW Kompetenzzentrums belegt Deutschland unter den innovationsbasierten Ländern lediglich den fünftletzten Rang. Demnach ist die TEA-Quote in den meisten analysierten Ländern zwei- bis dreimal so hoch wie in Deutschland.

Eine geringe Risikobereitschaft der Deutschen wird als ein Grund genannt, warum hierzulande wenige eine Gründung wagen. Doch es gibt auch handfestere Gründe. Der Deutsche Startup Monitor vom Bundesverband Deutsche Startups fragt Gründer regelmäßig, was ihre wichtigsten Erwartungen an die Politik sind. Die drei häufigsten Antworten: Der Abbau von regulatorischen und bürokratischen Hürden (21 Prozent), Steuersenkungen beziehungsweise -vergünstigungen (14,1 Prozent) und die Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung (11,1 Prozent).

Tatsächlich fließt – gerade im Vergleich zu den USA, wo die großen digitalen Player sitzen – immer noch wenig Wagniskapital in deutsche Startups. Während 2017 in den USA Venture Capital in Höhe von 63,8 Milliarden Euro investiert wurde, waren es in Deutschland lediglich gut 1,1 Milliarden Euro. Das entspricht laut einer Studie der Strategieberatung Roland Berger 0,035 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) während es in den USA 0,371 Prozent des dortigen BIP ausmachen. Doch gerade für Industriegründungen, die einen überproportional hohen Finanzbedarf für Forschung und Entwicklung besitzen, spielt Wagniskapital eine zentrale Rolle.

Potential: Zusammenarbeit von Old und New Economy

Deutschlands Chance liegt in der Zusammenarbeit von Corporates mit Startups. Etablierte Unternehmen können hier ihre Industriekompetenz und ihr weltweites Netzwerk an Vertriebspartnern und Kunden einbringen. Startups zeigen im Gegenzug, wie man Prozesse neu denken, neue Technologien einsetzen und Innovationen vorantreiben kann. Es gibt bereits eine Vielzahl von Beispielen für die Zusammenarbeit von Corporates mit Startups. Über einige davon berichtet zum Beispiel das Berliner Gründermagazin the Hundert.

Auch mittelständische Unternehmen setzen auf Kooperationen mit jungen Gründern. Eine Umfrage des BDI und der Deutschen Bank zeigt: Fast jedes zweite große Familienunternehmen kooperiert mit Startups, insbesondere um neue Technologien zu erschließen und Digitalisierung zu gestalten. Zudem gibt es Initiativen, wie die Digital Hub-Initiative der Bundesregierung, die zum Ziel haben, die Kooperation von Startups und etablierten Unternehmen zu fördern. Die Zahl der erfolgreichen Kooperationen muss steigen, damit die stetige Transformation der deutschen Industrie gelingen kann.