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Warum ein Umdenken hin zu nachhaltiger und ressourcenschonender Logistik notwendig ist

Logistik ist ein wesentlicher Motor für den Welthandel, das Wirtschaftswachstum und den individuellen Wohlstand – hat aber auch enorme Auswirkungen auf die Umwelt. Wie die Umstellung zu einem klimaneutralen Transportsektor und einer grünen Logistik gelingen kann und welche politischen Rahmenbedingungen dafür notwendig sind, erklärt Volker Ratzmann, Executive Vice President Corporate Public Affairs, Deutsche Post DHL Group.

Warum ist ein Umdenken hin zu nachhaltiger und ressourcenschonender Logistik notwendig?

Wir leben in einer vernetzten Welt. Unser Wohlstandsmodell lebt von dem Austausch von Waren – nach wie vor. Und das wird auch so bleiben. Der weltweite Transport verursacht 17 Prozent der globalen Emissionen. Die Pariser Klimaziele sind nur erreichbar, wenn wir den Transport und Logistiksektor klimaneutral machen. Als global operierendes Unternehmen mit Kunden in allen Ländern dieser Welt, sehen wir uns da in der Verantwortung. Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Politische Gestaltung, unternehmerisches Investment und gesellschaftliche Initiative müssen Hand in Hand gehen, um die notwendigen Veränderungen auf allen Ebenen zu erreichen.

Was macht die Deutsche Post DHL Group für die Umstellung hin zu einer grünen Logistik?

Wir nehmen alle Sektoren, in denen wir operieren ins Visier: den Luftverkehr (mit 60 Prozent der größte Emittent in unserem Unternehmen), den Transport auf der Straße und unsere Gebäude. Für alle Sektoren haben wir konkrete Maßnahmen und Ziele entsprechend den Vorgaben der Science-Based-Targets Initiative (SBTI) definiert, die wir bereits 2030 erreichen wollen. Insgesamt werden wir bis 2030 sieben Milliarden Euro investieren, um den Anteil nachhaltiger Kraftstoffe in unseren Flugzeugen und Fahrzeugen zu erhöhen, den Anteil von E-Fahrzeugen in unserer Zustellflotte weltweit auf 60 Prozent zu steigern, alle neuen Gebäude klimaneutral zu gestalten und den Kunden ein wachsendes Portfolio grüner Produkte zu bieten. Unsere Mission ist es, alle Emissionen bis 2050 netto auf null zu reduzieren.

Grüne Logistik mit E-Fahrzeugen bei Deutsche Post und DHL

Welche alternativen Transportmöglichkeiten nutzt die Deutsche Post DHL Group bereits?

Kein anderer Logistikdienstleister investiert so viel in Elektromobilität, klimaneutrale Zustellung und innovative Lösungen wie wir. Derzeit haben wir in Deutschland bereits 20.000 Elektrotransporter und 12.400 E-Trikes im Einsatz. Bis 2025 wird die E-Flotte auf 38.000 E-Nutzfahrzeuge anwachsen. Bis 2030 sollen weltweit 60 Prozent der Flotte elektrifiziert werden. 

Außerdem werden wir den Pakettransport auf der Schiene deutlich steigern. Schon jetzt nutzen wir alle Kapazitäten, die uns die Bahn zur Verfügung stellen kann. Millionen Pakete jährlich werden per Bahn transportiert derzeit rund sechs Prozent der Paketmenge; langfristig sollen es 20 Prozent werden. Unsere Kunden können auf ausgewählten Strecken per App selbst wählen, ob ihr Paket über die Straße oder – geringfügig langsamer – über die Schiene transportiert werden soll – ohne Aufpreis.

Wie sieht die Zukunft aus? Welche klimafreundlichen Lösungen sind noch geplant?

Natürlich sind wir immer auf der Suche nach weiteren innovativen und nachhaltigen logistischen Konzepten. Die Dekarbonisierung des Flugverkehrs ist dabei ein ganz entscheidender Stellhebel für eine emissionsfreie Logistik. Unsere Express-Division hat als erstes Unternehmen der Welt zwölf Elektroflugzeuge des Typs „Alice“ bestellt. Klar ein Pilotprojekt im wahrsten Sinne des Wortes, aber ohne innovative Pioniere, die mal was ausprobieren, geht es halt nicht. Wir haben außerdem bereits 800 Millionen Liter von derzeit noch sehr knappem, teurem und nachhaltigem Kerosin für unsere Flugzeuge bestellt. Für uns ist das ein entscheidender Schlüssel, um den Luftverkehr zu dekarbonisieren. Hier brauchen wir einen schnellen Markthochlauf, um den fossilen Treibstoff zu ersetzen. 

Grüne Logistik – Klimaschutz mit Deutsche Post und DHL

Stellt die Politik aktuell die richtigen Weichen, um das Ziel einer klimaneutralen Logistik zu unterstützen?

In vielerlei Hinsicht sind wir in Deutschland auf einem guten Weg. Mit15 Millionen E-Fahrzeugen auf deutschen Straßen und einer Million Ladepunkten bis 2030 hat sich die Bundesregierung ambitionierte Ziele gesetzt, die wir ausdrücklich unterstützen. Jetzt muss die Ladeinfrastruktur schnell ausgebaut werden, insbesondere schnelle Megawattladesäulen für schwere LKW. Diese Ladesäulen brauchen allerdings einen Anschluss an das Mittelspannungsnetz. Der Netzausbau ist auch für diesen Bereich entscheidend. Und wir brauchen ein klares Committment, Produktionskapazitäten für synthetische Flugkraftstoffe zu fördern – in Deutschland und weltweit.

Generell ist es wichtig, dass die Bundesregierung klare klimapolitische Prioritäten und Ziele vorgibt und verlässliche Rahmenbedingungen setzt, um die notwendigen Investitionen anzureizen. Bei der Realisierung dieser Ziele, dürfen wir uns dann aber nicht in ideologischen Debatten verlieren, sondern müssen zu Kompromissen bereit sein.

Welche Kompromisse meinen Sie damit?

Ich denke hier etwa an die große Bedeutung, die der Einsatz von nachhaltigen Biokraftstoffen und Gas-LKWs für die Dekarbonisierung im Verkehrssektor hat. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren in neue LNG-LKWs für die Langstrecke investiert. Deren Technologie ist zwar nicht so klimaschonend wie eine rein elektrische, aber gegenüber dem herkömmlichen fossilen Verbrenner wird wesentlich weniger CO2 ausgestoßen. Diese Investitionen wurden in Deutschland, etwa im Rahmen des Flottenerneuerungsprogramms, staatlich gefördert. Solch eine Förderung war richtig und ist auch weiterhin notwendig, denn ohne Transformationstechnologien wie Bio-LNG auf der Langstrecke und Bio-CNG auf der Kurz- und Mittelstrecke werden wir die Sektorziele für den Verkehr in dieser Dekade nicht erreichen können. Sie sind letztlich ein notwendiger Kompromiss und Zwischenschritt zur Dekarbonisierung des Straßenverkehrs. 

Was wir brauchen, ist entschlossenes politisches Handeln und die Bereitschaft, das technologisch und wirtschaftlich Mögliche mitzunehmen, ohne das Ziel der Klimaneutralität aus den Augen zu verlieren.

Volker Ratzmann ist Executive Vice President, Corporate Public Affairs bei Deutsche Post DHL Group. Zuvor war der studierte Jurist Staatssekretär im Staatsministerium und Bevollmächtigter des Landes Baden-Württemberg und Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus für Bündnis 90/Die Grünen. © Deutsche Post DHL Group