Aktuelle Meldungen des BDI e.V.https://bdi.eu/de-deBDIThu, 18 Apr 2019 12:22:36 +0200Thu, 18 Apr 2019 12:22:36 +0200TYPO3 EXT:newsnews-6461Forschung zu 100 Jahre Dachverband der deutschen Industrie präsentierthttps://bdi.eu/artikel/news/100-jahre-dachverband-der-gesamten-deutschen-industrie/Die Historiker Johannes Bähr und Christopher Kopper stellen zum Jubiläum des ersten Verbandes der deutschen Industrie ein Werk zur Geschichte des BDI und seiner Vorgänger vor. Das Wissen über die Historie des BDI schärfe den Blick für heutige Entscheidungen, sagt BDI-Präsident Dieter Kempf.Am 12. April 1919, am Freitag vor genau 100 Jahren, wurde in Berlin der erste Dachverband der gesamten deutschen Industrie und Vorgänger des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) gegründet. „Das Jubiläum, die Frage nach Kontinuitäten und Brüchen, die fehlende Langzeitbetrachtung waren für den BDI Grund, ein historisches Forschungsprojekt anzustoßen“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf am Donnerstag in Berlin anlässlich der Vorstellung des Buches „Industrie, Politik, Gesellschaft. Der BDI und seine Vorgänger 1919-1990“. 

„Ich freue mich sehr, dass die Historiker Johannes Bähr und Christopher Kopper pünktlich zu diesem Jahrestag ein Gesamtwerk vorlegen können, das die Geschichte des BDI und seiner Vorgänger unabhängig und in all seinen Facetten präsentiert“, sagte Kempf. Das Buch reicht epochenübergreifend von den Anfängen nach dem Ersten Weltkrieg und der Rolle der Reichsgruppe Industrie in der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg über die Neugründung des BDI 1949 bis zur Wiedervereinigung 1990.

Johannes Bähr: „Die wichtigsten Einschnitte in der 100-jährigen Geschichte des Spitzenverbands der deutschen Industrie waren stets politisch bedingt. Schon die Gründung des Reichsverbands der Deutschen Industrie (RDI) war eine unmittelbare Reaktion auf den Übergang von der konstitutionellen Monarchie hin zur Parlamentarischen Demokratie. Die Leitung des Verbands bekannte sich lange zur Weimarer Verfassung und lehnte eine Regierungsbeteiligung der NSDAP ab. Mit der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur wurde die Selbstverwaltung der Wirtschaft beseitigt. Der Verband kooperierte bereitwillig bei der Überführung des RDI in den im Juni 1933 gegründeten Reichsstand der Deutschen Industrie, eine staatlich gelenkte Organisation, die Anfang 1935 durch die Reichsgruppe Industrie abgelöst wurde. Die Reichsgruppe beruhte auf Zwangsmitgliedschaft und wurde nach dem Führerprinzip geleitet. Trotz ihrer politischen Bedeutungslosigkeit war die Reichsgruppe eine wichtige Stütze der NS-Wirtschaft, da ihr immer weitere Aufgaben im Rahmen der Wirtschaftslenkung übertragen wurden. Nach Kriegsende musste die Reichsgruppe ihre Tätigkeit einstellen.“

Christopher Kopper: „Im Unterschied zur Weimarer Republik waren sich die Mitgliedsverbände des 1949 gegründeten BDI in grundsätzlichen politischen Fragen einig. In den 1950er Jahren fremdelte der BDI noch mit der Sozialen Marktwirtschaft. Aufgrund der Erfahrungen aus der Vorkriegszeit zweifelte der BDI an der Stabilität einer Wettbewerbsordnung, in der Kartelle verboten waren. Das Kartellverbot bewährte sich am Ende aus der Sicht der Industrie als eine funktionierende Kompromisslösung. Seit den späten 1950er Jahren verfolgte der BDI konsequent das Ziel einer möglichst großen europäischen Wirtschafts­gemeinschaft, die mehr als nur ein gemeinsamer Markt ohne Zollgrenzen sein sollte. Schon 1970 strebte der BDI eine politische Union mit einer handlungsfähigen europäischen Exekutive und einer Währungs- und Wirtschaftsunion an, die erst 1992 durch den Vertrag von Maastricht Wirklichkeit wurde.“

Nach Ansicht von BDI-Präsident Kempf ist der BDI in seiner Zusammensetzung heute kaum weniger heterogen als der RDI vor 100 Jahren – und trotzdem haben die Interessendivergenzen an Schärfe verloren. „Tragfähigen Ausgleich schaffen, konstruktiv mit politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen umgehen – das sind Merkmale eines großen, erfahrenen Verbandes in einer Demokratie. Diese Qualitäten dürfen nicht verloren gehen, wenn Pinselstriche in den Vordergrund drängen statt des größeren Bilds“, forderte der BDI-Präsident. „Das Wissen über die Geschichte des BDI schärft den Blick für heutige Entscheidungen.“

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news-6425Bundesregierung muss in der Klimapolitik endlich Farbe bekennen https://bdi.eu/artikel/news/bundesregierung-muss-in-der-klimapolitik-endlich-farbe-bekennen/BDI-Präsident Dieter Kempf fordert eine gründliche Debatte über die CO2-Bepreisung statt eines Schnellschusses. Ein CO2-Reduktionsziel von 80 Prozent bis 2050 wären mit der heutigen Technik machbar und verkraftbar, anders als die vorgesehenen 95 Prozent der Bundesregierung.„Die Bundesregierung muss in der Klimapolitik endlich Farbe bekennen.“ Das sagte BDI-Präsident Dieter Kempf am Donnerstag in Berlin auf dem BDI-Klimakongress. „Ein Reduktionsziel von 95 Prozent bis 2050 geht komplett an der Wirklichkeit vorbei. Dagegen ist eine CO2-Minderung von 80 Prozent – bei optimaler politischer Steuerung – nach heutigem Stand der Technik verkraftbar. Mit Investitionen von rund 1,5 Billionen Euro bis 2050 wäre dieser Umbau erreichbar.“

Die Chance auf mehr als 80 Prozent CO2-Einsparungen bis 2050 knüpfte der BDI-Präsident an drei Voraussetzungen, die er „80 Prozent + X“ nannte: „Wir brauchen Durchbrüche bei der Erforschung neuer Klimaschutztechnologien und deren Akzeptanz in der Gesellschaft. Erforderlich sind vergleichbare Klimaschutzanstrengungen im Ausland und die Möglichkeit, Minderungen im Ausland zu finanzieren und im Inland anzurechnen.“ Dies solle bei der diesjährigen UN-Klimakonferenz in Chile festgelegt werden.

„In den Unternehmen herrscht mittlerweile eine große Ungeduld angesichts der Widersprüchlichkeit in der Klimaschutzpolitik“, sagte Kempf.

Die CO2-Preise seien seit gut zwei Jahren um das Vierfache gestiegen, bei den Industrie-Strompreisen sei Deutschland weltweit fast Spitzenreiter. „Hier rangieren wir auf Rang 113 von 115 Staaten“, warnte der BDI-Präsident.

„Hochambitionierte Klimaschutzziele lassen sich nicht mit dem Kopf durch die Wand erreichen, sondern nur im Einklang mit Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit“, sagte der BDI-Präsident. Die Bundesregierung sei in der Pflicht, jetzt eine gründliche Debatte über die Ausgestaltung einer CO2-Bepreisung für die nicht im europäischen Emissionshandel organisierten Sektoren zu beginnen. Es sei höchste Zeit, die Wirkungen und Verteilungseffekte eines solchen Steuerungsinstruments zu diskutieren, um künftige gesetzliche Regelungen vorzubereiten.

Das Thema tauge nicht für Schnellschüsse: Die konkrete Umsetzung sei nicht so einfach, wie es viele Wunder-Konzepte versprächen. „Ergebnis sollte ein intelligentes, sozial vertretbares und wettbewerbsneutrales System sein. Es muss CO2-orientierte Preissignale für die noch nicht im EU-Emissionshandel organisierten Sektoren in Kombination mit anderen Lenkungssystemen vorsehen.“

Bei der Gebäudesanierung kritisierte Kempf, dass die Politik selbst die einfachsten und effizientesten Maßnahmen auf die lange Bank schiebe: „Die Bundesregierung muss die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung noch in diesem Jahr auf den Weg bringen und dafür schnell den Dialog mit den Bundesländern aufnehmen.“  Um das 80-Prozent-Ziel zu erreichen, müsste der Anteil der pro Jahr sanierten Gebäude unmittelbar verdoppelt werden.

Das Klimaziel für den Verkehrssektor bis 2030 ist aus Sicht des BDI nur unter idealtypischen Bedingungen und größten Anstrengungen durch Einsatz aller technisch machbaren Hebel erreichbar. „Die Einhaltung des 2030er-Klimaziels im Verkehr wäre mit rund 250 Milliarden Euro Mehrinvestitionen für Staat und Gesellschaft besonders teuer. Das liegt daran, dass die benötigten Technologien voraussichtlich erst in den letzten Jahren vor Zielerfüllung zur Marktreife gelangen und ihre Wirkung entfalten.“

Die Bundesregierung sollte sich ernsthaft fragen, ob sie nicht anstelle einer extrem teuren und ineffizienten Punktlandung im Jahr 2030 lieber das Gesamtreduktionsziel vor Augen haben sollte – und dem Markthochlauf der Technologien mehr Zeit geben sollte. Mit tonnenscharfen und kleinteiligen Sektorzielen verbaue die Politik unnötig Chancen und steigere die Kosten für Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger.

 

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news-6417Industrieproduktion nur noch mit schwarzer Nullhttps://bdi.eu/artikel/news/industrieproduktion-nur-noch-mit-schwarzer-null/Im Falle eines ungeordneten Brexits droht das BIP-Wachstum sich auf 0,7 Prozent in diesem Jahr reduzieren, warnt BDI-Präsident Dieter Kempf auf der Hannover Messe. Die Bundesregierung müsse jetzt Investitionen und Innovationen ankurbeln.Im Angesicht des Brexits stehen der deutschen Konjunktur bereits in diesem Jahr heftige Turbulenzen ins Haus, warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). „Wir können froh sein, wenn sich das aktuelle Niveau der Industrieproduktion in Deutschland aufrechterhalten lässt“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf am Montag auf der Hannover-Messe. Der Verband rechnet gerade noch mit einer schwarzen Null bei diesem fürs Industrieland Deutschland richtungweisenden Wert.

„Im Falle des ungeordneten Ausstiegs der Briten aus der EU droht im laufenden Jahr ein Rückfall auf nur noch 0,7 Prozent Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts“, betonte der BDI-Präsident. Zuletzt hatte der BDI 1,2 Prozent Wachstum für 2019 prognostiziert.

Bei den deutschen Waren- und Dienstleistungsausfuhren rechnet der BDI für das laufende Jahr mit einem realen Plus von nur noch 1,5 Prozent. Zum wiederholten Mal wachsen die heimischen Importe rascher als die Exporte, was die Konjunktur bremst.

Der Brexit halte die deutsche Industrie unter Anspannung. „Mit der Fristverlängerung für den selbstgewählten Abschied der Briten aus der EU setzt sich die kraftraubende Unsicherheit für unsere Unternehmen fort“, sagte Kempf. Ob die kommenden Tage zu einem geordneten Ausstieg führen, dürfe bezweifelt werden. „Es besteht die Gefahr, dass die britische Politik ein weiteres Mal auf Kosten der Wirtschaft teuer Zeit erkauft – ohne die Rechnung verantworten zu wollen“, kritisierte der BDI-Präsident.

„Wenig hilfreich ist es bei diesem außenwirtschaftlichen Aprilwetter, wenn die Bundesregierung permanent nur an den letzten Sommer denkt“, sagte Kempf. „Es wird höchste Zeit für eine Wirtschaftspolitik, die Deutschlands Zukunft im Blick hat. Sie muss zugleich europäische und internationale Wetterumschwünge frühzeitig erkennen.“

Die Bundesregierung müsse Investitionen und Innovationen ankurbeln, anstatt sie in den aktuellen Haushaltsplanungen zurückzufahren. Für die Förderung der künstlichen Intelligenz wolle die Koalition zusätzlich nur eine Milliarde Euro bis 2023 investieren. Dies sei das falsche Signal, kritisierte Kempf. „Jede vierte Maschine ist bereits mit dem Internet verbunden“, erklärte der BDI-Präsident. „Mit den Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz wird die nächste Stufe von Industrie 4.0 gezündet.“

Die Bundesregierung entferne sich jedoch weiter vom Ziel, dreieinhalb Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung zu investieren. „Unser Fazit lautet: Die Große Koalition gibt das Geld falsch aus“, sagte Kempf weiter.

Der BDI-Präsident forderte die EU-27 zu mehr Zusammenarbeit auf. „Nur wenn die Mitgliedstaaten ihre Kräfte zur Entwicklung von Systemen zur künstlichen Intelligenz bündeln, bleibt Europa international wettbewerbsfähig“, erklärte Kempf. Die EU müsse ihre Hausaufgaben machen: Mehr Förderung von Forschung und Entwicklung sei nötig, eine gesamteuropäische Infrastruktur für Verkehr, Energie und digitale Netze müsse vorankommen. „Die Institutionen der Europäischen Union müssen sich wieder um mehr kümmern als nur um den Abschied der Briten“, verlangte der BDI-Präsident.

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news-6409Bundesumweltministerium schreibt Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt aushttps://bdi.eu/artikel/news/bundesumweltministerium-schreibt-deutschen-innovationspreis-fuer-klima-und-umwelt-aus/BMU und BDI prämieren herausragende Innovationen im Klima- und Umweltschutz mit 175.000 Euro.Am 27. März 2019 startet die Bewerbungsphase für den Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU). Mit insgesamt 175.000 Euro werden innovative klima- und umweltfreundliche Prozesse, Produkte und Dienstleistungen sowie Technologietransferlösungen für Schwellen- und Entwicklungsländer prämiert. Gesucht werden außerdem nachhaltige Lösungen für biologische Vielfalt und für den Sonderpreis „Digitaler Wandel“. Bis zum 28. Juni 2019 können sich deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen um den bereits zum siebten Mal ausgeschriebenen Preis bewerben.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Im Umwelt- und Klimaschutz und für den Erhalt der Biologischen Vielfalt brauchen wir das geballte technische und kreative Potential von Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Ich ermuntere daher alle Akteure, sich um den Innovationspreis für Klima und Umwelt 2020 zu bewerben und bin gespannt auf die diesjährigen Vorschläge.“

BDI-Präsident Dieter Kempf: „Wirksamer Klima- und Ressourcenschutz gelingt nur, wenn die Innovationskraft unserer Unternehmen in Einklang mit dem Forschungsdrang der Wissenschaft steht. Ein Signal zur Förderung von Innovationen in Deutschland ist dringend notwendig, um Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Arbeitsplätze zu sichern. Der Einstieg in eine steuerliche Forschungsförderung unabhängig von der Unternehmensgröße ist ein erster wichtiger Schritt. Die Ausschreibung zum Innovationspreis für Klima und Umwelt bietet neue Chancen, um die Vorreiterrolle der deutschen Industrie bei innovativen Umwelt- und Klimaschutztechnologien zu stärken.“

Der Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU) ist eine renommierte Auszeichnung, die gemeinsam vom Bundesumweltministerium und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) e.V. vergeben wird. Auf Grundlage einer wissenschaftlichen Bewertung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung wählt eine hochrangige Jury die innovativsten Projekte des Landes aus folgenden sieben Kategorien aus:

Prozessinnovationen für den Klimaschutz / Produkt- und Dienstleistungsinnovationen für den Klimaschutz / Umweltfreundliche Technologien / Umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen / Klima- und Umweltschutz-Technologietransfer in Entwicklungs- und Schwellenländer und in Staaten Osteuropas / Innovation und biologische Vielfalt / Nutzung des digitalen Wandels für klima- und umweltfreundliche Innovationen.

Die Gewinnerinnen und Gewinner werden im Rahmen einer festlichen Preisverleihung im März 2020 geehrt. Jeder Gewinner erhält eine persönliche Auszeichnung und ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro. Der IKU wird mit Mitteln aus der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums gefördert.

Bis zum 28. Juni 2019 können deutsche Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Einzelpersonen ihre Bewerbungen um den IKU 2020 einreichen. Auf der Website des IKU (www.iku-innovationspreis.de) sind die Bewerbungsunterlagen sowie weitere Informationen rund um den Innovationspreis für Klima und Umwelt zu finden. Die Bewerbung ist online, per E-Mail oder postalisch möglich. Zusätzlich steht unter der Hotline 0611 – 60 93 90 11 ein Ansprechpartner für alle Fragen rund um den IKU zur Verfügung.

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news-6378Deutsche Wirtschaft für weltoffenes Deutschlandhttps://bdi.eu/artikel/news/deutsche-wirtschaft-fuer-weltoffenes-deutschland/Die Wirtschaftsverbände BDI, BDA, DIHK, ZDH fordern in einer gemeinsamen Erklärung zum Münchener Spitzengespräch mehr Anstrengungen der Bundesregierung für einen besseren Wirtschaftsstandort Deutschland.Die Deutsche Wirtschaft bekennt sich zu einem weltoffenen Deutschland. Wir unterstützen die intensiven Anstrengungen der Bundesregierung und persönlich der Bundeskanzlerin für einen internationalen Ausgleich auf allen Ebenen. Offene Märkte, internationale Arbeitsteilung, der europäische Binnenmarkt und ein regelbasierter internationaler Wirtschaftsverkehr tragen maßgeblich zur Stabilität unseres Landes bei. Die Wirtschaft weiß um ihre Verantwortung, Deutschland auch künftig einen Spitzenplatz unter den stärksten Exportnationen dieser Welt zu sichern.

Mit Sorge sehen wir daher die zunehmenden protektionistischen und abschottenden Entwicklungen auf internationalem Parkett, wie den Brexit, internationale Handelskonflikte und die Erosion der Welthandelsorganisation WTO. Heute schon haben diese Entwicklungen zu einer Abkühlung der Konjunktur in Deutschland geführt. Umso wichtiger ist, konsequent die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Strukturwandel in der Digitalisierung

Neue Technologien bleiben Antriebsmotor internationaler Arbeitsteilung. Große Konzerne ebenso wie der Mittelstand und das Handwerk setzen entschieden auf Innovationen, um sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. Die Bundesregierung muss dafür ein deutlich verbessertes Innovationsklima, technologiefreundlichere Regeln und einen fairen Wettbewerbsrahmen für die Datenökonomie schaffen. Erforderlich ist ein staatlich unterstützter besserer Transfer von Wissen aus den Universitäten und Forschungseinrichtungen in die Unternehmenspraxis. Essentiell für den Standort Deutschland ist eine belastbare digitale Infrastruktur aus Glasfaser- und 5G-Netzen.

Bildung

Längst ist international der Wettbewerb um die klügsten Köpfe und besten Fachkräfte entbrannt. Bildungspolitik ist daher Standortpolitik – gerade mit Blick auf die Digitalisierung. Allgemeinbildende Schulen müssen mit der Vermittlung digitaler Inhalte und Kompetenzen einen wichtigen Grundstein für die Ausbildungsreife legen. Dazu ist der Digitalpakt der Bundesregierung jetzt zügig in den Ländern umzusetzen – auch mit Blick auf die Modernisierung der Berufsschulen. Dies gilt ebenso für den geplanten Bildungspakt – zur Stärkung der beruflichen Bildung.

Arbeitszeit

Die Digitalisierung ändert weltweit die Abläufe in den Unternehmen und erweitert den Spielraum, Arbeitszeiten neu zu gestalten. Dies spiegelt sich jedoch nicht in den geltenden Vorschriften wider. Insofern sollten diese überprüft und dabei flexiblere Gestaltungsoptionen entsprechend der betrieblichen Notwendigkeiten einbezogen werden: Gesetzgeber und Tarifparteien sind hier gefordert.

Steuern

Deutschland muss auf den internationalen Standortwettbewerb reagieren und die steuerlichen Rahmenbedingungen für mehr Investitionen anpassen und damit mehr Raum für Innovationen schaffen. Dazu gehört die Senkung der Steuerbelastung für Unternehmen und Betriebe auf 25 Prozent. Kürzere Aufbewahrungsfristen und schnellere Betriebsprüfungen sollten zudem einen Beitrag zum Bürokratieabbau leisten. Die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags muss ebenfalls auf der Tagesordnung bleiben.

Soziale Sicherung

Unverzichtbar für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist aus Sicht der Arbeitgeber die dauerhafte Begrenzung der lohnbezogenen Belastung durch Sozialversicherungsbeiträge auf unter 40 Prozent, abgesichert durch Festschreibung im Grundgesetz. Ohne Strukturreformen in den Sozialversicherungen droht sonst auf Basis des geltenden Rechts ein Anstieg der Beitragssätze auf rund 50 Prozent bis 2040.

Klimaschutz

Klimaschutz ist eine globale Aufgabe, der sich jedes Land stellen muss. Mit der Kohle wird in Deutschland ein kostengünstiger Energieträger aus der Erzeugung herausfallen. Als Folge werden die Strompreise steigen. Kompensationen der zu erwartenden Preissteigerungen sind im beschlossenen Maßnahmenpaket der Kommission enthalten. Der gefundene Kompromiss dient als Gesamtpaket dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und dem Klimaschutz und sollte vollständig umgesetzt werden.

Wirtschaftsstandort Deutschland

Unser Land braucht ein wettbewerbsfähiges Steuersystem, bezahlbare Energie und eine steuerliche Forschungsförderung. Wir teilen daher die Zielsetzung der Bundesregierung, den Industriestandort Deutschland zu stärken. Im Rahmen einer Nationalen Industriestrategie sind auch die Anliegen von Mittelstand und Familienunternehmen zu berücksichtigen.

Fachkräfte

Dreh- und Angelpunkt der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sind die Menschen in den Unternehmen und Betrieben. Unser Land braucht dafür mehr qualifizierte Zuwanderung, auch aus Staaten außerhalb der EU. Es braucht pragmatische Zuwanderungsregeln – vor allem für beruflich Qualifizierte – sowie ein besseres Angebot an Deutschkursen.

Internationalität und qualifizierte Zuwanderung bereichern den Standort Deutschland und sind Ausdruck gelebter Weltoffenheit unseres Landes.

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news-6359Deutsche Unternehmen planen für einen harten Brexit https://bdi.eu/artikel/news/deutsche-unternehmen-planen-fuer-einen-harten-brexit/Ein Viertel der Unternehmen in Deutschland würden bei einem harten Brexit Stellen streichen. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die gemeinsam mit dem BDI erstellt wurde. Insbesondere die Automobilindustrie, das Bankwesen und der Konsumgüter-Bereich wären betroffen.Der Brexit-Termin Ende März rückt näher und näher – und die Sorge deutscher Unternehmen vor einem ungeordneten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU) wird immer größer. Schon jetzt sind die Auswirkungen des immer noch andauernden Brexit-Prozesses spürbar – für einzelne Branchen besonders stark.

Das sind die zentralen Ergebnisse des aktuellen Deloitte Brexit Briefings zum Thema „Brexit und die deutsche Wirtschaft: Risiken, Erwartungen und Strategien der Unternehmen“, das gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erstellt wurde.

„Die Auswirkungen des Brexit-Prozesses auf die deutsche Wirtschaft sind bereits spürbar, eine Folge der andauernden Unsicherheit“, sagt Alexander Börsch, Chefökonom und Leiter Research bei Deloitte. „Die Unternehmen und Branchen sind unterschiedlich auf einen wie auch immer gearteten Brexit vorbereitet. Für Unternehmen, die noch nicht ausreichend vorbereitet sind, gilt jetzt: Die wenigen Wochen, die noch bleiben, müssen dafür genutzt werden. Ein harter Brexit hätte weitreichende Folgen auch für deutsche Unternehmen.“

Unternehmen spüren Brexit-Auswirkungen bereits

Der Brexit-Prozess führt bereits zu Schwierigkeiten bei der langfristigen Planung der Unternehmensaktivitäten im Vereinigten Königreich. Vor allem die Automobilindustrie ist hiervon betroffen. Zudem ist vor allem in dieser Branche zudem ein Auftragseinbruch zu verzeichnen. Das Zurückstellen von Investitionsentscheidungen ist eine weitere Auswirkung, hier ist vor allem die Konsumgüterindustrie betroffen.

Bei ihren Brexit-Vorbereitungen greifen Unternehmen auf eine Vielzahl an Maßnahmen zurück. Dazu gehören Vertragsanpassungen ebenso wie die Analyse alternativer Transportwege und die Verlagerung von Produktionsstätten, die Erhöhung von Lagerkapazitäten oder der Austausch britischer Zulieferer und Dienstleister.

Stellenstreichungen im Falle eines harten Brexits erwartet

Eine zentrale Task-Force zur Bewältigung von möglichen Brexit-Folgen haben bisher 37 Prozent der befragten Unternehmen eingerichtet, deutlich mehr als die Hälfte analysieren mögliche Brexit-Implikationen bisher vor allem punktuell (58 Prozent). Erst 52 Prozent der befragten Unternehmen haben Notfallpläne für den Fall eines ungeordneten Austritts aus der EU entwickelt. Die Banken sind hier am besten vorbereitet.

Gerade einen harten Brexit fürchten deutsche Unternehmen aber. 47 Prozent der befragten Unternehmen schätzen den Schaden, der in diesem Fall auf sie zukäme, als hoch oder sogar sehr hoch ein. Zudem würden laut Befragung ein Viertel der Unternehmen in Deutschland Stellen streichen. Das betrifft vor allem die Automobilindustrie, das Bankwesen und den Konsumgüter-Bereich.

BDI: Negative Effekte treten mit Sicherheit ein

Ein ungeordneter Brexit hätte weitreichende Auswirkungen auch auf den Standort Deutschland. „Die Unternehmen haben sich vorbereitet. Trotzdem werden negative Effekte mit Sicherheit eintreten. Sie lassen sich auch durch die beste Vorbereitung nicht verhindern“, sagt BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. „Ein ungeordnetes Ausscheiden des Vereinigten Königreichs riskiert ein bilaterales Außenhandelsvolumen Deutschlands von rund 120 Milliarden Euro an Ein- und Ausfuhren. Der britischen Wirtschaft droht eine unmittelbar durchschlagende Rezession, die auch an Deutschland nicht unbemerkt vorüberziehen würde.“

Insgesamt die größte Sorge macht deutschen Unternehmen ein nachlassender Handel mit dem Vereinigten Königreich. Das sagen mehr als die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent). Die politische Gefahr eines Auseinanderfallens der EU wird ebenfalls als hoch eingeschätzt. Auch deswegen wünschen sich jeweils über ein Drittel der deutschen Unternehmen nach einem wie auch immer gearteten Brexit eine stärkere Zusammenarbeit in bestimmten Politikfeldern beziehungsweise mehr generelle Integration innerhalb der EU (35 Prozent bzw. 39 Prozent).

Die deutschen Unternehmen sehen nach einem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU auch Chancen für den Standort Deutschland. Dabei werden vor allem eine Stärkung des Finanzplatzes, steigende ausländische Direktinvestitionen und eine Verlagerung bestehender Unternehmen oder Unternehmensteile nach Deutschland genannt.

Nur 28 Prozent der befragten Unternehmen geht davon aus, dass noch ein Austrittsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich bis zum 30. März zustande kommt. Etwas weniger erwarten, dass die Verhandlungsfrist verlängert wird (25 Prozent). Der größte Teil aber (36 Prozent) rechnet mit einem harten Brexit.

Das aktuelle Brexit Briefing „Brexit und die deutsche Wirtschaft: Risiken, Erwartungen und Strategien der Unternehmen“ hat Deloitte in Kooperation mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erstellt. Die Studie basiert auf einer Umfrage, die vom 7. bis 15. Februar durchgeführt wurde. Dabei wurden insgesamt 262 deutsche Großunternehmen mit wirtschaftlichen Beziehungen zum Vereinigten Königreich befragt.

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news-6340Brexit: Britische Politik darf Entscheidungen nicht länger vertagenhttps://bdi.eu/artikel/news/brexit-britische-politik-darf-entscheidungen-nicht-laenger-vertagen/Sollte die britische Regierung im März keine Mehrheit im Unterhaus finden, sei es an der Zeit, den Brexitprozess zu stoppen, fordert BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Das sei besser, als in einen ungeordneten Austritt mit wohl massiven wirtschaftlichen Schäden zu stolpern.„Die britische Politik darf Entscheidungen nicht länger vertagen. Die Optionen liegen auf dem Tisch. Es wäre absurd, wenn das Vereinigte Königreich in vier Wochen in einen harten Brexit schlittert, den selbst eine Mehrheit im Parlament in London ablehnt.“ Das sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang, am Dienstag in Berlin.

Eine Zustimmung Londons in letzter Minute eröffne lediglich die Chance, die Kosten für Europa zu reduzieren – insbesondere für das Vereinigte Königreich, betonte Lang. „Sollte die britische Regierung im März keine Mehrheit im Unterhaus finden, ist es an der Zeit, den Austrittsprozess zu stoppen.“ Das sei besser, als in einen ungeordneten Austritt mit massiver wirtschaftlicher Beschädigung zu stolpern.

Die Frage nach Neuverhandlungen steht laut Lang bei den Unternehmen nicht mehr auf der Tagesordnung – dafür sei die Zeit jetzt einfach zu knapp. Für sie sei es ohne Alternative, sich auf ein ungeordnetes Ausscheiden des Vereinigten Königreiches vorzubereiten.

Lang: „Zwar können Notfallmaßnahmen auf Seiten der Unternehmen und der Politik die schlimmsten Auswirkungen abmildern. Die Wucht, die ein harter Brexit entfaltet, werden wir trotzdem deutlich spüren.“ Komme es zu einem harten Ausstieg, rutschte das UK mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Rezession.

Auch an Deutschland würde ein harter Brexit nicht spurlos vorbeigehen. „Wenn es ganz dick kommt, rechnen wir mit einem Rückschlag für die deutsche Wirtschaft in der Größenordnung von mindestens einem halben Prozent des BIP. Das wären rund 17 Milliarden Euro weniger Wirtschaftskraft allein in diesem Jahr“, sagte Lang.   

Trotzdem müssten Bundesregierung und Europäische Union auf den letzten Metern Kurs halten. „Die oberste Priorität muss weiterhin auf der Einheit der EU-27 und des Europäischen Wirtschaftsraums liegen“, unterstrich Lang. „Die Grundprinzipien und Errungenschaften der europäischen Integration sind zu wertvoll, als sie zur Disposition zu stellen.“

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news-6336Kaeser übernimmt Vorsitz des Asien-Pazifik-Ausschusses https://bdi.eu/artikel/news/kaeser-uebernimmt-vorsitz-des-asien-pazifik-ausschusses/Der Dialog mit China spielt eine Schlüsselrolle für den neuen Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA), Joe Kaeser. Der Siemens-Chef kündigt an, die Beziehungen zu Asien generell ausbauen zu wollen.Mit einem Festakt am Dienstag, 26. Februar 2019, im Berliner Haus der Deutschen Wirtschaft wird die Führung des Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (APA) vom früheren Voith-Chef Hubert Lienhard an den Siemens-Chef Joe Kaeser wechseln.

„Immer mehr bestimmt Geopolitik auch die Geoökonomie. Asien und vor allem China haben dabei eine wichtige Rolle, deren Bedeutung in Zukunft noch ansteigen wird. Dabei nimmt besonders der Dialog mit China über zentrale Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit eine Schlüsselrolle ein. Der APA ist das etablierte gemeinsame Sprachrohr der deutschen Wirtschaft in Asien und für Asien. Es gilt mehr denn je, mit einer einheitlichen und starken Stimme zu sprechen“, so Kaeser. „In diesen bewegten Zeiten müssen wir unsere Positionen überall in Asien, nicht nur in China, selbstbewusst vertreten und die Beziehungen ausbauen. Deutschland steht wie kaum ein anderes Land für offenen und fairen Handel. In einer von Globalisierung und Digitalisierung geprägten Welt sollten Nationalismus, Protektionismus und Alleingänge keinen Raum haben“, so Kaeser.

„Ich bin dankbar für fünf Jahre an der Spitze des APA, in denen wir unsere Positionierung gegenüber der wichtigsten Wachstumsregion der Welt in vielen Bereichen neu justiert haben. In dieser Zeit komplexer Veränderungen war der APA-Vorsitz die spannendste Aufgabe, die sich ein deutscher Manager wünschen konnte. Ich freue mich, dass wir mit Joe Kaeser einen langjährigen und profilierten Asien-Kenner für meine Nachfolge gewinnen konnten“, so Hubert Lienhard, der scheidende APA-Chef und vormalige Voith-CEO anlässlich der Vorsitz-Übergabe.

„Ich danke Herrn Lienhard ausdrücklich für seine herausragende Leistung an der Spitze der deutschen Asien-Wirtschaft. Er hat in seiner Amtszeit gegenüber Asien den Dreiklang aus Partnerschaft, Gleichbehandlung und nachhaltiger Entwicklung geprägt und es geschafft, dass insbesondere die Forderung nach Gleichbehandlung mittlerweile auch ein Credo der deutschen Politik gegenüber China geworden ist. Seine Umsicht und Besonnenheit waren überall geschätzt und haben extern und intern viel zur Integration von Interessenslagen beigetragen. Er hat damit eine gute Basis geschaffen, auf der wir für die nächsten Jahre aufsetzen können“, betont Kaeser.

Lienhard und Kaeser würdigen die Anwesenheit der Bundeskanzlerin bei der Amtsübergabe. Dies unterstreiche den kontinuierlich hohen Einsatz der Bundesregierung und insbesondere der Bundeskanzlerin für die deutsche Asienwirtschaft. Der enge Austausch des APA mit der Bundesregierung ist aus Sicht des scheidenden und des neuen Vorsitzenden ein wichtiger Pfeiler für den Erfolg der deutsch-asiatischen Wirtschaftsbeziehungen.

Über den APA

Der Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft ist das Sprachrohr der deutschen Asienwirtschaft im Dialog mit der Politik in Deutschland und in den asiatisch-pazifischen Partnerländern. Der APA bündelt die asienbezogenen wirtschaftspolitischen Interessen deutscher Unternehmen. Angestrebt werden die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Ländern der Asien-Pazifik-Region und die Förderung von Handel und Investitionen in beide Richtungen. Der Vorsitzende des APA wird aus dem Kreis der APA-Mitgliedsunternehmen durch die Präsidenten der APA-Trägerverbände BDI, DIHK, OAV, BGA und Bankenverband ernannt.

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news-6327Sieben gemeinsame Empfehlungen für die Energiewendehttps://bdi.eu/artikel/news/sieben-gemeinsame-empfehlungen-fuer-die-energiewende/Die deutschen Wissenschaftsakademien, die Deutsche Energie-Agentur und der BDI haben zusammen Handlungsfelder identifiziert, um die Energiewende zum Erfolg zu machen und die Klimaziele 2050 erreichen zu können. Voraussetzung sei rasches und entschlossenes Handeln der Politik.In einer gemeinsamen Initiative haben die deutschen Wissenschaftsakademien mit ihrem Projekt „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Deutsche Energie-Agentur (dena) Empfehlungen für sieben Handlungsfelder vorgelegt, damit Deutschland die Energiewende zum Erfolg führen und seine Klimaziele für das Jahr 2050 erreichen kann. Voraussetzung sei rasches und entschlossenes Handeln der Politik. Bereits in den kommenden Monaten solle ein umfassendes Maßnahmenpaket den Grundstein für umfangreiche Investitionen legen. Dies betonten ESYS, BDI und dena, die unabhängig voneinander Grundsatzstudien zur Machbarkeit der Energiewende herausgegeben haben, auf einer gemeinsamen Veranstaltung am Mittwoch in Berlin.

Wichtig seien Impulse in allen relevanten Handlungsfeldern: für erneuerbare Energien, flexible Lasten und regelbare Kraftwerke, erneuerbare synthetische Energieträger, neue Technologien im Verkehr, energieeffiziente Gebäude, die Vermeidung von Industrieemissionen und eine ganzheitliche Steuerung der Energiewende. Der jährliche Nettoausbau der erneuerbaren Energien müsse zum Beispiel nach Einschätzung von ESYS, BDI und dena auf mindestens sechs Gigawatt steigen; 50 Prozent mehr, als im Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2017 vorgesehen. Gleichzeitig müssten die erneuerbaren Energien in das Stromnetz integriert werden. Dafür müsse es entsprechend aus- und intelligent umgebaut werden. Bei der jährlichen Gebäudesanierungsrate sei eine Erhöhung von heute einem Prozent auf mindestens 1,4 bis 2,0 Prozent notwendig. Schließlich brauche Deutschland zum Erreichen ambitionierter Klimaziele im Jahr 2050 erneuerbare synthetische Energieträger im Umfang von 200 bis zu 900 Terawattstunden. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 lag der gesamte Primärenergieverbrauch Deutschlands bei rund 3.800 Terawattstunden.

Verzögerungen in der Umsetzung würden dazu führen, dass die Kosten deutlich steigen und entscheidende Technologien und Infrastrukturen nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen. Es komme darauf an, das Energiesystem als Ganzes im Blick zu behalten, langfristige Rahmenbedingungen zu gestalten, technologieoffene Anreize zu setzen, sektorübergreifende Instrumente zu entwickeln und Raum für Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu schaffen. ESYS, BDI und dena empfehlen der Bundesregierung, noch in dieser Legislaturperiode das bestehende System an Steuern, Abgaben und Umlagen zu überarbeiten, um die erforderlichen Investitionen anzustoßen. Im Mittelpunkt einer solchen Reform sollten CO2-orientierte Preissignale für alle Sektoren stehen, auch für solche außerhalb des EU-Emissionshandels wie Wärme und Verkehr. Energiewende und Klimaschutz könnten damit zum wichtigsten Zukunftsprojekt für den Industriestandort Deutschland werden.

Stimmen von ESYS, BDI und dena

Prof. Dr. Eberhard Umbach, Mitglied des ESYS-Direktoriums: „Ein schneller Ausbau der Erneuerbaren ist eine grundlegende Voraussetzung, um das Energiesystem klimafreundlich und Strom zum dominierenden Energieträger zu machen. Dafür muss die Bundesregierung den Ausbaukorridor für Wind- und Solaranlagen auf mindestens sechs Gigawatt netto pro Jahr erhöhen und parallel den Netzausbau beschleunigen. Um die schwankende Stromerzeugung auszugleichen, braucht es vielfältige Technologien für kurzfristige Flexibilität – von Batterien in Elektroautos und Wärmepumpen über thermische Speicher und Power-to-X-Anlagen bis zum Demand-Side-Management. Dennoch kommt auch das Energiesystem der Zukunft nicht ohne Reservekapazitäten aus. Flexibel regelbare Gaskraftwerke und Gasturbinen müssen die Versorgung in allen Wetterlagen und zu allen Jahreszeiten sichern.“

Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer: „Aufgrund des Billionenbedarfs an Mehrinvestitionen kommt es für einen erfolgreichen und effizienten Klimaschutz jetzt auf passgenaue Lösungen für die unterschiedlichen Sektoren Gebäude, Verkehr und Industrie an. Im Verkehrssektor werden Wirtschaft und Gesellschaft an die Grenzen der praktischen Umsetzbarkeit stoßen. Wir wollen individuelle Mobilität erhalten, dafür braucht es technologieoffene Lösungen. Im Gebäudesektor muss die energetische Sanierung schneller, umfangreicher und besser vorankommen. Dafür ist eine attraktive steuerliche Förderung der zentrale benötigte Impuls. Die Industrie muss bei Lösungen von heute noch nicht vermeidbaren Prozessemissionen unterstützt werden. Neue Verfahren müssen ab 2030 einsatzbereit sein und Carbon Capture Storage (CCS) wird aus heutiger Sicht für die Erreichung der ambitionierten Klimaziele eine erforderliche Ergänzung darstellen.

Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung: „Die integrierte Energiewende ist möglich. Die Bereitschaft für einen Aufbruch ist deutlich spürbar – bei den Unternehmen, aber auch in der Gesellschaft. Wenn Politik jetzt die Rahmenbedingungen entsprechend überarbeitet, das System an Steuern, Abgaben und Umlagen eindeutiger auf Klimaschutz ausrichtet und damit einen fairen Wettbewerb für CO2-sparende Technologien ermöglicht, wird das eine enorme Dynamik freisetzen. Dazu gehört auch der Aufbau eines Marktes für erneuerbare synthetische Energieträger – in Deutschland und global. Sie können die Lücke schließen, die nicht durch Energieeffizienz oder die direkte Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien abgedeckt werden kann. Darin sind sich alle drei Studien einig.“

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news-6261Klimaschutz im Verkehrssektor: Wirtschaft stößt an Grenzen der Machbarkeithttps://bdi.eu/artikel/news/klimaschutz-im-verkehrssektor-wirtschaft-stoesst-an-grenzen-der-machbarkeit/Das Klimaschutzziel im Verkehrssektor wäre bei Ausreizen aller technischer Hebel und Mehrinvestitionen zwischen 243 und 256 Milliarden Euro theoretisch erreichbar. Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer, fordert eine Strategie, die politisch, sozial und ökonomisch vertretbar ist.Das Klimaschutzziel der Bundesregierung für den Verkehr bis 2030 ist bei Ausreizung aller technischen Hebel und mit Mehrinvestitionen zwischen 243 und 256 Milliarden Euro theoretisch erreichbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von Boston Consulting Group (BCG) und Prognos im Auftrag des BDI, die der Spitzenverband am Freitag in Berlin präsentierte.

„Bei der Erreichung des Klimaziels im Verkehrssektor stoßen Wirtschaft und Gesellschaft an die Grenzen der praktischen Umsetzbarkeit. Nötig ist eine Strategie, die dieses enorm ehrgeizige Ziel auf politisch, sozial und ökonomisch vertretbare Weise angeht“, sagte Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer. „Es gibt nicht die eine Wunderwaffe, mit der wir das Klimaziel erreichen können. Wir wollen individuelle Mobilität erhalten, dafür braucht es technologieoffene Lösungen.“

Als wesentliche Stellhebel für die angestrebte 40 Prozent Verminderung von Treibhausgasen (THG) bis 2030 gegenüber 1990 identifiziert die Analyse den Antriebswechsel zur E-Mobilität sowie die Erhöhung der Verfügbarkeit CO2-neutraler Kraftstoffe. Beide Bereiche könnten zusammen rund drei Viertel der erforderlichen THG-Reduktionen ausmachen. Dafür müssten rund sieben bis zehn Millionen E-Fahrzeuge bis 2030 in Deutschland zugelassen und der Einsatz CO2-neutraler Kraftstoffe gegenüber dem Referenzjahr 2015 um das Vier- bis Fünffache erhöht werden. Ein weiteres Viertel THG ließe sich durch Verkehrsverlagerung auf andere Verkehrsträger und Effizienzsteigerungen einsparen. Mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen ist zu rechnen.

„Es wäre ein Fehler, nicht auf alle Technologien zu setzen, bei denen deutsche Unternehmen Weltspitze sind“, forderte Lösch. Dazu gehörten auch die Verbrennungsmotoren, nicht alleine die Elektroantriebe. Der Analyse zufolge könnte der Einsatz synthetischer und biogener Kraftstoffe bis zu einem Drittel der erforderlichen CO2-Reduktionen bis 2030 bringen, deutlich mehr, als durch den Verkehrsträgerwechsel möglich wäre. „CO2-neutrale Kraftstoffe müssen weltweit ein wichtiger Teil der Lösung sein“, forderte Lösch.

Um die erforderliche Elektrifizierung der Pkw zu erreichen, müsste der Anteil der Elektroantriebe an den Neuzulassungen zwischen 2025 und 2030 sehr stark von rund 30% auf über 75 Prozent ansteigen. Ein schnellerer Hochlauf dieser Antriebe bereits vor 2025 wäre mit enormen volkswirtschaftlichen Mehrkosten verbunden. Denn produktionsbedingt ist erst ab 2025 damit zu rechnen, dass rein batterieelektrische Fahrzeuge bei moderaten Mehrpreisen den Mobilitätsansprüchen größerer Kundengruppen genügen.

Auch bei den anderen alternativen Antrieben für Pkw, leichten und schweren Nutzfahrzeugen erhöhen sich laut Analyse die Kosten für Anschaffung und Aufbau von Tank- und Ladeinfrastruktur. So müsste beispielsweise der Ausbau der Infrastruktur für den Oberleitungs-Lkw im Vergleich zu den Ergebnissen der Klimapfade-Studie 2018 um bis zu fünf Jahre vorgezogen werden. Zum Jahr 2030 wären statt 500 rund 2.500 Kilometer Autobahn zu elektrifizieren. Rund 120.000 bis 140.000 schwere Nutzfahrzeuge müssten bis dahin mit Oberleitung, Brennstoffzelle, batterieelektrischem Antrieb und Plug-In-Hybrid-Antrieb ausgestattet sein.

Die vorgestellte Analyse ist eine Sonderauswertung für den Verkehrssektor der im Januar 2018 veröffentlichten Studie „Klimapfade für Deutschland“, die volkwirtschaftlich kosteneffiziente Wege zur Erreichung der deutschen Emissionsminderungsziele bis zum Jahr 2050 aufzeigt. Die Analyseergebnisse fließen ein in die Arbeitsgruppe 1, einer von der Bundesregierung eingesetzten Beraterkommission der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität.

„Eine Klima-Planwirtschaft, die schlicht Jahresziele definiert, ist der falsche Weg“, warnte Lösch. „Das Ziel, bis 2030 gut 40 Prozent des CO2-Ausstoßes einzusparen, erfordert einen sehr großen Lenkungsimpuls und ist möglicherweise jenseits dessen, was die Verbraucher bereit sind zu zahlen.“ Gesucht werde ein intelligenter Mix aus Fordern und Fördern.

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news-6246Vorzeitiger Kohleausstieg verursacht erhebliche Kostenhttps://bdi.eu/artikel/news/bdi-dihk-und-bda-praesentieren-kosten-eines-vorzeitigen-kohleausstiegs/Ein politisch beschleunigter Rückgang der Kohleverstromung verursacht bis 2030 erhebliche zusätzliche Kosten von bis zu 54 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die BDI und DIHK gemeinsam mit der BDA in Berlin vorgestellt haben.Ein politisch beschleunigter Rückgang der Kohleverstromung verursacht bis 2030 erhebliche zusätzliche Kosten von mindestens 14 bis zu 54 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). BDI und DIHK stellten die Untersuchung am Dienstag in Berlin gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) vor.

Die erwarteten Mehrkosten resultieren aus Strompreissteigerungen, die sowohl Unternehmen als auch private Haushalte treffen würden. Die Spitzenverbände fordern die Bundesregierung dazu auf, dem Anstieg der Strompreise mit fest zugesagten Strompreisentlastungen für Verbraucher zu begegnen.

Die enorme Bandbreite der Strompreiseffekte ergibt sich aus der ungewissen Entwicklung der Energierohstoffpreise. Mit der Festlegung eines starren Abschaltplans für Kohlekraftwerke würde die Politik die deutsche Wirtschaft einem massiven Risiko aussetzen.

Deshalb fordern die Spitzenverbände eine detaillierte Überprüfung der energie-, klima-, industrie- und strukturpolitischen Lage in Deutschland jeweils in den Jahren 2023 und 2026 und zu Beginn der 2030er Jahre. Erst auf Basis der Ergebnisse an diesen klar definierten „Checkpoints“ dürfe die Politik über weitergehende Kraftwerksschließungen entscheiden.

Die Strompreise in Deutschland gehören bereits heute zu den höchsten in der Europäischen Union. Jede zusätzliche Preiserhöhung würde die Wachstumsaussichten der Wirtschaft nicht nur in den Kohleregionen, sondern in ganz Deutschland einschränken. Eine Kompensation der zu erwartenden Strompreissteigerungen ist für die Spitzenverbände daher zwingende Voraussetzung für ihre Zustimmung zu einem politisch beschleunigten Ausstieg aus der Kohleverstromung. Die Verbände fordern deshalb einen Zuschuss aus dem Bundeshaushalt bei den Netzentgelten in Höhe von mindestens zwei Milliarden Euro pro Jahr. Diese Maßnahme fängt für Industrieunternehmen, Mittelstand sowie private Haushalte den Strompreisanstieg auf. 

Vor allem ist die besonders stromintensive Industrie vom Rückgang der Kohleverstromung betroffen. Für sie kann ein Zuschuss zu den Netzentgelten die Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Wirtschaftsräumen wie China oder den USA nicht ausgleichen. BDI, DIHK und BDA fordern deshalb, die Strompreiskompensation für die indirekten Kosten des Emissionshandels über 2020 hinaus zu verlängern und zu erhöhen sowie beihilferechtliche Voraussetzungen für ein neues, passgenaues Entlastungsinstrument zu schaffen.

BDI-Präsident Dieter Kempf: „Der beschleunigte Rückgang der Kohleverstromung droht die Strompreise bis 2030 um bis zu 54 Milliarden Euro zu erhöhen. Ohne Kompensation für unsere Unternehmen würde dieser politisch getriebene Anstieg der Strompreise dem Wirtschaftsstandort Deutschland schwerste Schäden zufügen.“

DIHK-Präsident Eric Schweitzer: „Aufgrund der hohen Unsicherheit bei den zukünftigen Energierohstoffpreisen plädiere ich für klar definierte „Checkpoints“ 2023, 2026 und zu Beginn der 2030er Jahre. Kraftwerke dürfen erst dann geschlossen werden, wenn die Voraussetzungen für wettbewerbsfähige Strompreise, eine sichere Versorgung sowie für einen erfolgreichen Strukturwandel gegeben sind.“

BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter: „Deutschlands Wohlstand hängt maßgeblich auch von der Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Wirtschaft ab. Hierbei sind bezahlbare Strompreise und die Sicherstellung von Versorgungssicherheit unverzichtbar. Ein überhasteter Ausstieg aus der Kohleverstromung muss ausgeschlossen werden, da sonst Wohlstand und Arbeitsplätze gefährdet sind.“

Die drei Mitglieder der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ machen deutlich: „Eine Kompensation der zu erwartenden Stromkostensteigerungen ist für uns Voraussetzung für die Zustimmung zu einem politischen Ausstieg aus der Kohleverstromung.“

In der Studie wurden die Auswirkungen einer vorzeitigen Reduzierung der Kohleverstromung für zwei mögliche Szenarien betrachtet: Im politischen Zielszenario wird das Ziel von 65 Prozent erneuerbarer Energien am Stromverbrauch im Jahr 2030 erreicht, die Rohstoffpreise folgen der heutigen Entwicklung. Im Risikoszenario vergrößert sich die Differenz zwischen internationalen Steinkohle- und Erdgaspreisen. Dieser Trend fußt auf historischen Preissensibilitäten der Energierohstoffe. Der Ausbau der erneuerbaren Energien folgt den EEG 2017-Pfaden (52 Prozent erneuerbare Energien am Stromverbrauch 2030, inkl. Sonderausschreibungen). Für beide Szenarien wird eine vorzeitige, staatlich induzierte Abschaltung in einer Größenordnung von 10 Gigawatt Kohlekapazitäten bis 2023 und eine weitere Reduzierung der Kohlekapazität auf 16 Gigawatt im Jahr 2030 modelliert. Dies wird mit der zu erwartenden marktlichen Entwicklung ohne politische Kohlemaßnahme verglichen.

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news-6219BDI präsentiert 55 Forderungen zum Wettbewerb mit Chinahttps://bdi.eu/artikel/news/bdi-praesentiert-55-forderungen-zum-wettbewerb-mit-china/Peking stellt die EU und Deutschland vor wachsende Herausforderungen mit seiner staatlich gelenkten Volkswirtschaft. China bleibe zwar wichtiger Partner, sei zugleich jedoch systemischer Wettbewerber geworden, erklärte BDI-Präsident Kempf bei der Vorstellung eines neuen Grundsatzpapiers zu China.Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, fordert die Bundesregierung und die Europäische Kommission auf, die Europäische Union (EU) im Wettbewerb mit China zu stärken. Der BDI hat für das neue Jahr 55 Forderungen an Berlin und Brüssel, um den wachsenden Herausforderungen mit der staatlich geprägten chinesischen Volkswirtschaft besser zu begegnen. Das geht aus einem neuen Grundsatzpapier hervor, das der BDI am Donnerstag in Berlin veröffentlichte. Der Titel lautet: „Partner und systemischer Wettbewerber – Wie gehen wir mit Chinas staatlich gelenkter Volkswirtschaft um?“

China entwickele sich entgegen früherer Erwartungen absehbar nicht hin zu Marktwirtschaft und Liberalismus. „Die Volksrepublik etabliert ihr eigenes politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Modell“, unterstrich Kempf. Das Land sei in einen systemischen Wettbewerb zu liberalen marktwirtschaftlichen Staaten wie Deutschland getreten. Dies müsse realistisch betrachtet werden, um Antworten darauf zu finden.

China bleibe Treiber der Weltwirtschaft und für die deutsche Industrie wesentlicher Absatz- und Beschaffungsmarkt, machte Kempf klar. Die deutsche Industrie wolle auch weiterhin die Chancen des wirtschaftlichen Austausches mit China nutzen. „Jedoch darf niemand die Herausforderungen, vor die China die EU und Deutschland stellt, einfach ausblenden.“

Die deutsche Industrie fordert in dem Grundsatzpapier einen gestärkten wirtschaftspolitischen Rahmen für den Europäischen Binnenmarkt. Dieser soll auch Unternehmen aus nicht-marktwirtschaftlichen Ländern an die liberale marktwirtschaftliche Ordnung der EU binden, wenn sie in der EU aktiv sein wollen. Für die EU ist es wichtiger denn je, nicht nur nach innen die Bedeutung und Bindekraft ihrer Ordnung und Werte zu verdeutlichen, sondern sie auch offensiv nach außen zu vertreten.

„Es ist unerlässlich, dass die Bundesregierung wieder Bannerträger für eine stärkere EU wird“, forderte der BDI-Präsident. Zugleich müssten Deutschland und die EU deutlich mehr in Forschung, Entwicklung, Bildung, Infrastruktur und Zukunftstechnologien investieren. „Die EU braucht eine ehrgeizige Industriepolitik für ihre starken Unternehmen, die sich auf Innovation, intelligente Regulierung, Sozialpartnerschaft, Infrastruktur und Freihandel konzentriert.“

Der BDI schlägt vor, das EU-Beihilfenrecht und die Anti-Subventions-Instrumente zu schärfen. Europa müsse effektiv gegen Firmen vorgehen, die nicht in der EU produzieren und staatliche Subventionen erhalten. In diesem Sinne spricht sich der BDI dafür aus, eine neuartige Subventionskontrolle bei Auslandsinvestitionen einzuführen. Diese sollte staatlich finanzierte Übernahmen europäischer Technologieunternehmen kontrollieren – und notfalls verhindern. In der öffentlichen Auftragsvergabe sollten hohe Qualitätsstandards ein Muss werden: Dumping-Preise ausländischer Anbieter müssten auf Subventionen untersucht werden können. Die 55 Forderungen müssten ein Kompass in der politischen Debatte sein.

„Wir in der deutschen Industrie messen die chinesische Regierung an ihren eigenen international bekanntgemachten Verpflichtungen. Peking sollte im eigenen Interesse den heimischen Markt weiter öffnen und lange angekündigte Wirtschaftsreformen kraftvoll umsetzen“, erklärte Kempf. Je schneller China mit Wirtschaftsreformen und Marktöffnung Wettbewerbsgleichheit zwischen chinesischen und EU-Unternehmen auf dem Weltmarkt schaffe, desto weniger müssten neue Kontrollinstrumente zum Einsatz kommen.

Das deutsch-chinesische Handelsvolumen erreichte zuletzt 187 Milliarden Euro, fast 30 Prozent des gesamten Handels zwischen der EU und der Volksrepublik (2017). China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner außerhalb der EU. Deutsche Exporte nach China betrugen 86 Milliarden Euro, Importe 101 Milliarden Euro. Der Bestand deutscher Direktinvestitionen in China summierte sich nach jüngsten offiziellen Angaben auf 76 Milliarden Euro (2016). Circa 5.200 deutsche Unternehmen waren mit über einer Million Angestellten in China tätig. Den Bestand chinesischer Investitionen in Deutschland schätzt der BDI auf 13 Milliarden Euro bis Ende 2017.

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news-6211Innovationsindikator 2018: Deutschland liegt deutlich hinter Spitzenreiternhttps://bdi.eu/artikel/news/innovationsindikator-2018-deutschland-liegt-deutlich-hinter-spitzenreitern/Deutschland behauptet seinen vierten Platz, doch der Abstand zur Spitze wächst. Um diesen Trend zu stoppen, fordert die Industrie mehr Investitionen in die digitale Infrastruktur und Anwendungen von künstlicher Intelligenz. Im neuen Offenheits-Indikator liegt Deutschland nur auf Rang 21. Deutschland gehört zu den innovationsstärksten Ländern der Welt und behauptet im internationalen Vergleich den vierten Platz aus dem Vorjahr. Zugleich wächst der Abstand Deutschlands zur Spitzengruppe. Zu diesem Ergebnis kommt der Innovationsindikator 2018, der im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) die Innovationsstärke von 35 Volkswirtschaften untersucht.

Die Bundesrepublik liegt deutlich hinter Spitzenreiter Singapur sowie der Schweiz und Belgien. Sie steht an der Spitze eines hart umkämpften Mittelfeldes. Schweden, die USA und das Vereinigte Königreich folgen mit geringem Abstand. Singapur hat die Führung von der Schweiz übernommen, die seit 13 Jahren an der Spitze des Innovationsindikators gestanden hatte. Die USA sind Sechster, China steht auf Platz 25. Derzeit steigt Chinas Innovationsleistung etwa dreimal schneller als die der EU.

Grund für den größeren Abstand Deutschlands zur Spitze ist die fehlende Dynamik in einigen Subindikatoren. Im Teilbereich Wirtschaft rutscht Deutschland von Platz sieben im Vorjahr auf Rang neun ab. Dieses Kriterium misst die Innovationskraft der Unternehmen, ihre Umsetzungskompetenz und den Innovationsoutput – gemessen an der Landesgröße. 2012 reichte es noch für einen Platz unter den Top-Drei-Standorten.

„Das kontinuierlich schlechtere Abschneiden im Innovationswettbewerb ist Anlass zur Sorge. Diesen Trend gilt es zu stoppen“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. „Die Politik darf jetzt keine Zeit mehr verlieren und muss die Weichen für künftige Innovationen stellen.“ Laut der Untersuchung sind es gerade mittelständische Unternehmen, die derzeit im Innovationswettbewerb zurückfallen und damit die Dynamik der Wirtschaft bremsen. Kempf: „Eine ausreichend ausgestattete steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung würde im Zusammenwirken mit einer effektiven Projektförderung die nötigen Impulse setzen.“

Auch müsse die Bundesregierung endlich die digitale Infrastruktur ausbauen, erklärte Kempf. Der Schlüssel zum Erfolg der Digitalisierung sei die Kombination von industrieller Stärke mit den Möglichkeiten künstlicher Intelligenz (KI). Nur mit deutlich mehr Investitionen in KI-Anwendungen lasse sich die Durchschlagkraft von KI für die Industrie erhöhen. „Zusätzlich sollte die Bundesregierung die Förderung von Hightech-Gründungen anschieben und den Technologietransfer in den Mittelstand beschleunigen“, unterstrich der BDI-Präsident.

Besonders Kooperation und Austausch fördern Innovation, das zeigen vor allen anderen die Schweiz, Irland, die Niederlande und Österreich im neuen Offenheits-Indikator. Hier liegt Deutschland deutlich hinter anderen Industrienationen auf Rang 21 der 35 untersuchten Staaten. Positiv sind eine hohe Integration in den Weltmarkt und eine hohe Offenheit der Wissenschaft. „Unser Land ist im Vergleich zu anderen weniger in der Lage, Talente aus dem Ausland anzuziehen und ausländische Arbeitskräfte in Arbeitsmarkt und Gesellschaft zu integrieren“, kritisierte Kempf. „Eine klare Strategie sowie eine wissens- und innovationsorientierte Migrations- und Arbeitsmarktpolitik sind überfällig.“

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news-6176Industrie fordert schnelle Digitalisierung des Gesundheitssystemshttps://bdi.eu/artikel/news/industrie-fordert-schnelle-digitalisierung-des-gesundheitssystems/Auf dem Digital-Gipfel in Nürnberg fordert Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, die Bundesregierung auf, einen einheitlichen Rechtsrahmen für die Nutzung von Gesundheitsdaten zu schaffen. Es bleibe noch viel Potenzial für eine bessere Versorgung von Patienten ungenutzt.„Es ist höchste Zeit, dass die Bundesregierung bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems einen Gang zulegt. Hier bleiben noch immer zu viele Potenziale für eine bessere Versorgung von Patienten auf der Straße liegen.“ Das sagte Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, am Dienstag in Nürnberg auf dem Digital-Gipfel.

Dringend brauche die industrielle Gesundheitswirtschaft Zugriff auf Gesundheitsdaten, um eine bessere Behandlung für Versicherte und Patienten zu ermöglichen und um die Voraussetzung für die Anwendung von künstlicher Intelligenz im Gesundheitssystem zu schaffen. Doch fehlten bislang bundeseinheitliche Regelungen für die Nutzung von Gesundheitsdaten.

„Hier muss die Bundesregierung endlich ihrer Verantwortung nachkommen und den Flickenteppich der Regelungen in den Bundesländern zügig auflösen. Ein bundeseinheitlicher Rechtsrahmen ist überfällig“, forderte Plöger. „Ein bundesweites Trust-Center, das die Gesundheitsdaten sicher zur Verfügung stellt, ist eine gute Lösung für die Datennutzung.“

Zudem müsse die Bundesregierung die Entwicklung der digitalen Gesundheitsakte entscheidend vorantreiben. „Zukünftige Aktensysteme müssen mehr als nur eine simple Übersicht über die persönlichen Daten sein. Dafür muss die industrielle Gesundheitswirtschaft bei der Entwicklung neuer Gesundheitsakten eng einbezogen werden“, sagte Plöger.

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news-6148Kempf im Amt bestätigthttps://bdi.eu/artikel/news/kempf-im-amt-bestaetigt/Die Mitgliederversammlung des BDI hat Dieter Kempf in geheimer Abstimmung für weitere zwei Jahre zum Präsidenten wiedergewählt. Auch die BDI-Vizepräsidenten und die weiteren Präsidiumsmitglieder wurden für die Amtszeit 2019/2020 gewählt.Die Mitgliederversammlung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) hat Dieter Kempf am Montag in Berlin in geheimer Abstimmung als BDI-Präsident wiedergewählt. Der 65-Jährige tritt seine zweite zweijährige Amtszeit als BDI-Präsident am 1. Januar 2019 an. Kempf hat dieses Amt Anfang 2017 übernommen.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurden außerdem die BDI-Vizepräsidenten und die weiteren Präsidiumsmitglieder für die Amtszeit 2019/2020 gewählt.

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news-6119Wirtschaft muss sich zu Europa bekennenhttps://bdi.eu/artikel/news/wirtschaft-muss-sich-zu-europa-bekennen/BDI-Präsident Dieter Kempf fordert von der Industrie anlässlich der Rede der Bundeskanzlerin vor dem Europäischen Parlament ein Bekenntnis zu den Vorteilen der EU. Europa bleibe das erfolgreichste politische Projekt unserer Zeit. Große Herausforderungen könnten die Europäer nur gemeinsam meistern.Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, fordert die deutsche Wirtschaft auf, sich klar zu den Vorteilen der Europäischen Union zu positionieren: „Wir in der Wirtschaft müssen deutlicher machen, wie sehr alle Menschen täglich von der EU profitieren“, sagte Kempf am Dienstag in Berlin anlässlich der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. „Die Wirtschaft muss sich hörbar zum offenen Europa bekennen“, unterstrich Kempf auch mit Blick auf die Wahlen zum Europaparlament im kommenden Jahr.

„Wir in der Industrie sind stolze Europäer“, bekannte Kempf. „Die EU ist und bleibt das erfolgreichste politische Projekt unserer Zeit.“ Sie gehöre weltweit zu den stärksten Wirtschaftsräumen und sei ein einzigartiges Netzwerk zum gegenseitigen Vorteil.

„Der Weg zurück in den Nationalismus ist eine Sackgasse“, warnte Kempf. „Weder Links- noch Rechtspopulismus löst Probleme, er verschärft sie nur“, erklärte der BDI-Präsident. „Sicherheit, Migration, Wachstum, Arbeitsplätze, Globalisierung, Klimawandel: Das können wir Europäer nur gemeinsam meistern. Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Protektionismus und Populismus sind keine Lösungen für europäische Herausforderungen.“

Für die deutschen Unternehmen sei die gesamte EU mittlerweile der Heimatmarkt. Fast 60 Prozent der Ausfuhren und gut 40 Prozent der Direktinvestitionen gehen in die EU. Rund drei Viertel aller Vorleistungsimporte in EU-Staaten stammen aus Ländern der EU. Nirgendwo sonst auf der Welt ist dieser intraregionale Anteil nach Angaben des BDI so hoch.

Frieden durch wirtschaftliche Zusammenarbeit sei vor über 60 Jahren das Motiv zum Startschuss der EU gewesen, unterstrich Kempf. Die EU-Mitgliedsstaaten müssten unter Beweis stellen, dass die EU als offenes politisches System seine Bürgerinnen und Bürger schützen und weiter voranbringen kann. Eine Trendwende hin zu politischer und wirtschaftlicher Abschottung dürfe nicht zugelassen werden.

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news-6095Asien-Pazifik-Konferenz: Welthandelsordnung im Fokushttps://bdi.eu/artikel/news/asien-pazifik-konferenz-welthandelsordnung-im-fokus/Der Austausch mit den Ländern in der Asien-Pazifik-Region ist für die deutsche Wirtschaft wichtiger denn je. Die diesjährige Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK) setzt die Agenda für die asiatisch-deutsche Wirtschaftskooperation.„Die deutsche Wirtschaft setzt sich gemeinsam mit ihren Partnern in der Region Asien-Pazifik und in der EU für offene Märkte und ein hohes Maß an Transparenz bei Handel, Investitionen und im öffentlichen Auftragswesen ein. Zu diesem Zweck fördern wir den Dialog zwischen Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Der APA will dazu beitragen, dass die Staatengemeinschaft zu einem Konsens über eine offene Welthandelsordnung zurückkehrt. Davon profitieren Unternehmen, Arbeitnehmer und Verbraucher gleichermaßen.“ Das sagte der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA), Hubert Lienhard, zum Auftakt der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK) in Jakarta.

„Deutschland und die Länder der Asien-Pazifik-Region verbinden seit Langem enge und starke Partnerschaften. Unsere gemeinsame Antwort auf die globalen Herausforderungen kann nur ein gemeinsames Eintreten für offenen, freien und fairen Welthandel sein. Dies ist eine zentrale Voraussetzung für eine intensivere wirtschaftliche Zusammenarbeit zum Wohle aller Beteiligten“, betonte auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Die Konferenz konzentriert sich auf wichtige Zukunftsthemen wie die Entwicklung des globalen Handelssystems, Industrie 4.0, Mobilität, künstliche Intelligenz, Urbanisierung sowie wirtschafts- und sicherheitspolitische Herausforderungen in der Region. Die APK wird gemeinsam durch den APA, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie die deutschen Auslandshandelskammern in Asien-Pazifik organisiert.

Neben der Notwendigkeit, sich für freien Handel einzusetzen, benötigten Deutschland und Asien-Pazifik politische Rahmenbedingungen, die erfolgreiche, zukunftsorientierte Unternehmen unterstützten, stellte Lienhard fest: „Die Innovation in der Region Asien-Pazifik schreitet rasend schnell voran, insbesondere in China. Deutschland und Europa müssen sich beeilen, um im Rennen um die Technologien von morgen mitzuhalten. Wir brauchen dringend eine moderne digitale Infrastruktur und bessere Bedingungen in der EU für Forschung und Entwicklung. Nur so können wir uns als gefragte Partner für eine enge Zusammenarbeit mit den Ländern in Asien-Pazifik positionieren. Es gibt viel zu lernen, wenn wir zusammenarbeiten. Beispielsweise sollten wir gemeinsame Lösungen finden, um das Spannungsverhältnis zwischen dem Bedarf an Big Data, nationalen Sicherheitsinteressen sowie der Datensicherheit für Unternehmen und Verbraucher aufzuheben.“

Bei der physischen Konnektivität zwischen Asien und Europa setzte Lienhard ebenfalls auf Kooperation, wobei die Qualität der Projekte entscheidend sei: „Die Bündelung unserer Kräfte ist auch im Hinblick auf den Ausbau der Infrastruktur in Asien geboten. Unsere langjährige europäische Strategie, Osteuropa und Zentralasien mit unseren Netzwerken zu verbinden – die eurasische Konnektivität –, muss durch die Teilnahme an asiatischen Infrastrukturinitiativen ergänzt werden, die für die Projektländer finanziell und ökologisch nachhaltig sein sollten.“

Asien-Pazifik ist die wichtigste außereuropäische Region für den Handel deutscher Unternehmen. In den ersten sechs Monaten 2018 gingen 17 Prozent aller deutschen Exporte in diese Region. Während der vergangenen Dekade sind die deutschen Ausfuhren in die Region durchschnittlich um 7,4 Prozent pro Jahr gestiegen, während die gesamten deutschen Exporte nur um 2,9 Prozent expandierten. Auch für deutsche Direktinvestitionen wird die Region eine Top-Destination bleiben. 2016 belief sich der Bestand deutscher Direktinvestitionen in Asien-Pazifik auf 173 Milliarden Euro. Auch der Blick auf Investitionsströme in die entgegengesetzte Richtung lohnt sich. Allein 2017 hatten mehr als 400 ausländische Investitionsprojekte – mehr als jedes fünfte – in Deutschland ihren Ursprung in Asien-Pazifik. Über 8.000 asiatische Unternehmen beschäftigen 300.000 Menschen in Deutschland. Eine weitere Verbesserung der Marktzugangsbedingungen, besonders in einigen asiatischen Ländern, würde den Austausch in beide Richtungen fördern.

„Angesichts der Tendenz zum Protektionismus ist es wichtiger denn je, mit den verbleibenden gleichgesinnten Ländern der Region zusammenzuarbeiten, um ein level playing field zu erreichen. Offene Märkte und der freie Waren-, Dienstleistungs- und Informationsfluss sind das wirksamste Mittel zur Armutsbekämpfung und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in der ganzen Welt. Handelsabkommen der EU mit den Ländern der Region Asien-Pazifik enthalten umfangreiche soziale und ökologische Standards. Die Handelsstrategie der EU zielt darauf ab, wirtschaftlichem Nationalismus und dem virulenten Populismus entgegenzuwirken, die beide eine Bedrohung für globale Stabilität, Wohlstand und Frieden darstellen“, betonte Lienhard.

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news-6057Deutsch-Französischer Motor muss zu neuer Stärke findenhttps://bdi.eu/artikel/news/deutsch-franzoesischer-motor-muss-zu-neuer-staerke-finden/Vor dem EU-Gipfel im Oktober fordern der BDI, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer Mut in der Europapolitik. Deutschland und Frankreich sollten enger zusammenarbeiten, fordern die Verbände.Mit Blick auf den EU-Gipfel am Donnerstag und auf den gemeinsamen Deutsch-Französischen Wirtschaftstag von AHK, BDI und DIHK am Freitag äußerten sich die Verbände: "Die Staats- und Regierungschefs müssen auf dem EU-Gipfel ein starkes Signal für Europa setzen. Die Europäische Union und ihre Mitglieder brauchen mehr Mut in der europapolitischen Debatte. Das Zeitfenster für Reformen in der EU beginnt sich zu schließen. Notwendige Projekte wie die Vertiefung der Eurozone dürfen nicht auf die lange Bank geschoben werden. Angesichts der Vielzahl von großen Herausforderungen – Migration, Handelskonflikte, Brexit – muss Europa Einigkeit und Handlungsfähigkeit zeigen. Voraussetzung dafür ist ein starker deutsch-französischer Motor. Berlin und Paris sollten in ihren Anstrengungen einen Gang zulegen."

Auf dem Deutsch-Französischen Wirtschaftstag am Freitag in Berlin spricht auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier über die wirtschaftspolitischen Herausforderungen in Europa. „Die deutsch-französische Zusammenarbeit ist für die EU unverzichtbar. Gemeinsam müssen wir gute europäische Rahmenbedingungen für Wachstum und Investitionen schaffen und Europa auf den Zukunftsmärkten stärken. Wichtige Beispiele sind Künstliche Intelligenz und Sprunginnovationen.", betonte er vorab. 

Guy Maugis, Präsident der AHK Frankreich, unterstricht, Deutschland und Frankreich hätten unterschiedliche Stärken und könnten sich hervorragend ergänzen. „Im Bereich der Digitalisierung zum Beispiel sind deutsche Unternehmen bewährt im Bereich Maschinenbau und Robotik, auf der anderen Rheinseite liegt das Talent mehr auf Bedienungsinnovationen, Softwareentwicklung und künstlicher Intelligenz. Gemeinsam mehr erreichen in Industrie, Politik und Gesellschaft – dafür bereiten Veranstaltungen wie der Deutsch-Französische Wirtschaftstag den Boden.“ 

BDI-Präsident Dieter Kempf äußerte: „Die Wirtschaft braucht mehr Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich. In der Künstlichen Intelligenz (KI) muss die deutsch-französische Kooperation als Keimzelle dienen für einen gesamteuropäischen Ansatz. Erforderlich ist mehr EU in der KI. Nur so bleiben wir stark im zunehmenden internationalen KI-Wettbewerb mit China und den USA. Dabei ist es entscheidend, dass wir Europäer den Schwerpunkt dort setzen, wo wir stark sind: bei der Forschung und Anwendung von künstlicher Intelligenz auf industrielle Prozesse. Auch auf diesem Zukunftsfeld gilt: Europa ist keineswegs das Problem, sondern die Lösung für viele aktuelle Probleme.“

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sprach sich ebenso für mehr deutsch-französische Kooperation aus: „Mit ca. 5,5 Billionen Euro erwirtschaften Deutschland und Frankreich mehr als ein Drittel des EU-Bruttoinlandsprodukts. Gute Wirtschaftsbeziehungen sind deshalb nicht nur für die politischen Schwergewichte der EU und unsere Position auf den Weltmärkten essentiell. Deutschland und Frankreich sind über ihre Industrie- und Handelsbeziehungen, ihre wechselseitigen Investitionen, aber auch über den Austausch unter jungen Menschen in der Berufsausbildung eng verknüpft. Darauf sollten wir aufbauen und die wichtigen Themen der Zukunft möglichst gemeinsam anpacken: Digitalisierung, Vertiefung der Eurozone oder die Mobilität der Zukunft. In all diesen Fragen kommt es auf Vernetzung und partnerschaftliches Vorgehen an. Deutsche und Franzosen lösen diese Zukunftsaufgaben am besten gemeinsam.“

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news-6021Europa muss ein Worst-Case-Szenario verhindernhttps://bdi.eu/artikel/news/europa-muss-ein-worst-case-szenario-verhindern/Ein harter Brexit wäre ein Desaster, betont BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Deshalb müssten sich die Verhandlungsführer noch mehr Kompromissbereitschaft abringen. Viele Unternehmen würden bereits Vorkehrungen für den Fall einer ausbleibenden Einigung 2020 treffen.„Europa muss beim Brexit ein Worst-Case-Szenario verhindern. Eine Trennung des Vereinigten Königreichs von der Europäischen Union ohne Austritts- und Übergangsabkommen und ohne Klärung des künftigen Verhältnisses ist immer noch eine der möglichen Varianten. Wenige Tage vor dem eigentlich entscheidenden EU-Gipfel ist das eine beunruhigende Lage.“ Das sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang am Dienstag der Bundespressekonferenz in Berlin.

„Nur mit einer Einigung über den Austritt ist die Übergangsfrist realisierbar, in der das Vereinigte Königreich weiterhin in der Zollunion und im Binnenmarkt verbleibt – und zwar bis zum Jahresende 2020“, unterstrich Lang. „Für unsere Unternehmen ist diese Übergangsfrist unverzichtbar.“ Erst dadurch werde es möglich, sich auf die vielfältigen Änderungen des Rechtsrahmens für die Zeit danach einzustellen. 

„Ein harter Brexit wäre ein Desaster, das in Europa Zehntausende von Unternehmen und Hunderttausende von Arbeitnehmern auf beiden Seiten des Ärmelkanals in größte Schwierigkeiten brächte“, warnte Lang. Ein solches Fiasko dürfe sich Europa nicht leisten. Deshalb müssten sich die Verhandlungsführer noch mehr Kompromissbereitschaft abringen. „Der deutschen Industrie geht es darum, die Integrität des Binnenmarktes zu sichern. Der Zusammenhalt der EU-27 hat für uns in der Wirtschaft oberste Priorität“, so Lang. 

Die Chequers-Vorschläge der britischen Regierung vom Juli machten der deutschen Wirtschaft Bauchschmerzen. Doch jetzt müsse es darum gehen, aus der verhandlungspolitischen Sackgasse herauszukommen: „Dafür sollte die Politik jetzt nicht auf all das schauen, was nicht möglich ist; sondern dort weitermachen, wo sich Anknüpfungspunkte ergeben.“

Der nächste EU-Gipfel in gut zwei Wochen müsse einen Durchbruch in den Verhandlungen bringen. „Sonst läuft Europa Gefahr, in einen ungeordneten Brexit zu schlittern. Eine massive Krise wäre die Folge“, sagte der BDI-Hauptgeschäftsführer. Nüchtern betrachtet, ließen sich alle sachlichen Fragestellungen sinnvoll beantworten. „Voraussetzung ist, dass sich endlich Realitätssinn in London breit macht. Die Angst vor dem Abgrund muss die Fantasie beflügeln.“

Schon jetzt werfe der Brexit seine Schatten voraus. Das Vereinigte Königreich sei im ersten Halbjahr nur noch um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen. Das sei das zweitschlechteste Ergebnis in der EU. So schlecht lief es zuletzt in den Krisenjahren 2009 bis 2011.

Viele Unternehmen müssten in diesen Tagen bereits Vorkehrungen für den Fall einer ausbleibenden Einigung und damit für den harten Brexit Ende März 2019 treffen, sagte Lang. Einige hätten angekündigt, die Produktion im Königreich ab April ruhen zu lassen, da sie die Lieferwege nicht sicherstellen könnten. Andere verlagerten bereits Hauptquartiere von der Insel, passten Rechtsstrukturen an und suchten neue Transportwege.

„Die Wirtschaft braucht ein vernünftiges Verhältnis im Außenhandel mit dem Königreich. Dazu gehört mindestens ein Verzicht auf Zölle und Quoten auf Einfuhren aus dem jeweiligen Partnerraum. Wir brauchen, mit anderen Worten, ein gutes Handelsabkommen. Dafür muss sich die Politik in den kommenden Wochen einsetzen“, betonte Joachim Lang. 

 

 

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news-6016Deutsche Wirtschaft fordert mehr Handlungsfähigkeit von der G20https://bdi.eu/artikel/news/deutsche-wirtschaft-fordert-mehr-handlungsfaehigkeit-von-der-g20/Statt sich in nationale Alleingänge zu flüchten, müssen die G20 eine Führungsrolle im multilateralen Handelssystem übernehmen, betont BDI-Präsident Dieter Kempf. Die Wirtschaft brauche einheitliche Wettbewerbsbedingungen und lehne protektionistische Maßnahmen vereinzeltner Länder ab.Am 4. und 5. Oktober fand der Business20 (B20)-Gipfel in Buenos Aires statt. Mehr als 1400 Unternehmen haben Forderungen an die Gruppe der 20 (G20) zum internationalen Handel, Beschäftigung, dem globalen Finanzsystem und der Digitalisierung entwickelt. Sie forderten mehr Mut der 20 wichtigsten Volkswirtschaften zur zukunftsorientierten Gestaltung der Weltwirtschaft und verlangten ein härteres und entschiedeneres Vorgehen gegen Protektionismus und globale Wettbewerbsverzerrungen.

Die G20 treffen sich jährlich unter rotierender Präsidentschaft, um Lösungen für finanz- und wirtschaftspolitische Fragen zu finden. Die B20 ist offizieller Wirtschaftspartner der G20. Während der deutschen G20-Präsidentschaft 2016/2017 haben BDA, BDI und DIHK gemeinsam den B20-Prozess geleitet. Die drei Wirtschaftsverbände haben dieses Jahr in der argentinischen B20 maßgeblich die Forderungen zu Handel und Investitionen, Beschäftigung und Bildung, Digitalisierung und der Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen mitgestaltet. Am 5. Oktober wurden die Forderungen an den argentinischen Präsidenten Mauricio Macri überreicht. Dazu erklären die Präsidenten von BDA, BDI und DIHK:

BDA-Präsident Ingo Kramer: „Es ist vordringliche Aufgabe der G20, die gefährliche Protektionismus-Spirale zu durchbrechen und das multilaterale Handelssystem entschlossen zu stärken. Deshalb begrüße ich die Einigkeit innerhalb der B20, dass nationales Kirchturm-Denken in die Sackgasse führt und Protektionismus in all seinen Formen abzulehnen ist. Auch auf den Arbeitsmärkten müssen Mauern eingerissen und verkrustete Strukturen aufgebrochen werden. Für Länder mit zunehmendem Fachkräftemangel oder auch für solche mit viel zu hoher Arbeitslosigkeit heißt das gleichermaßen: Die Regierungen müssen Beschäftigungsverhältnisse gerade in ihrer ganzen Vielfalt erhalten und stärken, bestehende Einstellungs- und Beschäftigungshürden abbauen und mehr Frauen den Weg in Vollzeitarbeit ebnen. Wo Fachkräftebedarfe national allein nicht zu decken sind, bedarf es eines Zuwanderungsrechts, das sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientiert.“

BDI-Präsident Dieter Kempf: „Statt sich in nationale Alleingänge zu flüchten, müssen die G20 eine Führungsrolle im multilateralen Handelssystem übernehmen. Die Wirtschaft braucht einheitliche Wettbewerbsbedingungen und lehnt protektionistische Interventionen einzelner Länder ab. Die B20 ruft die G20 dazu auf, die Welthandelsorganisation WTO als Hüterin der Weltwirtschaft zu stärken. Die Blockade des WTO-Streitschlichtungsverfahrens ist endlich aufzuheben. Dazu gehört auch, dass kein G20-Staat staatlichen Unternehmen Wettbewerbsvorteile einräumen darf. Solche Wettbewerbsverzerrungen müssen endlich aufhören. Die G20 fordert Handlungsfähigkeit für den Klimaschutz und die Digitalisierung. Wir brauchen dringend ein Regelwerk für den digitalen Handel. Lokalisierungsanforderungen und die Einschränkungen freier Datenströme sind schädlich. Cyberkriminalität ist konsequent zu bekämpfen.“

DIHK-Präsident Eric Schweitzer: „Die globale Wirtschaftscommunity sendet mit dem B20-Gipfel ein starkes Signal an die Staats- und Regierungschefs der G20. Es ist wieder an der Zeit, die Aufgaben der Zukunft in Angriff zu nehmen. Ausbildung, die Integration von kleinen und mittelständischen Unternehmen in die globalen Lieferketten und ein Ergreifen der Chancen der Digitalisierung sind drängende Themen. Dafür braucht es gemeinsame Anstrengungen. Ein globaler Ordnungsrahmen muss der Wirtschaft hierfür Sicherheit geben. Dazu gehört zuvorderst eine handlungsfähige WTO.“

 

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news-6012Deutschlandjahr: Entfremdung zwischen USA und Europa entgegentretenhttps://bdi.eu/artikel/news/deutschlandjahr-entfremdung-zwischen-usa-und-europa-entgegentreten/Am Tag der Deutschen Einheit startet das Deutschlandjahr in den Vereinigten Staaten. BDI-Präsident Dieter Kempf mahnt, dass sich Deutschland wegen politischer Schwierigkeiten nicht von den USA entfremden dürfe. Zum Auftakt des Deutschlandjahres in den USA hat der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, gefordert, der Entfremdung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten entgegenzutreten. Der BDI erwartet, mit dem Deutschlandjahr einen Beitrag zu leisten, um die transatlantischen Beziehungen nachhaltig zu verbessern. Kempf reist zum Beginn des Deutschlandjahres an diesem Mittwoch zu Veranstaltungen nach Washington D.C., Boston und Indianapolis.

„Mit dem beginnenden Deutschlandjahr in den USA machen wir klar: Die transatlantischen Beziehungen sind mehr als das Politische“, sagte Kempf am Mittwoch in Washington. „Wir dürfen uns wegen politischer Schwierigkeiten von unserem langfristigen Partner USA nicht entfremden“, unterstrich der BDI-Präsident. „Wir werden Flagge zeigen und auch unsere Interessen vertreten – mit guten Argumenten, echten Fakten und mit ausgestreckter Hand.“

Der US-Markt sei und bleibe für die deutsche Industrie ein enorm wichtiger und attraktiver Standort, nicht nur wegen der US-Steuerreform. Die Vereinigten Staaten sind seit Jahren der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Produkte. Für die USA ist Deutschland der sechstwichtigste Exportmarkt.

„Nicht nur Handel und Investitionen zählen, sondern vor allem die Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks“, sagte der BDI-Präsident. Deutsche Unternehmen in den USA seien Tag für Tag verlässliche Partner, als Arbeitgeber und als Investoren. „Unsere Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und Aufstiegschancen, ermöglichen Bildung und Teilhabe quer durch alle US-Bundesstaaten.“

Deutsche Unternehmen beschäftigen in den Vereinigten Staaten fast 700.000 Arbeitnehmer. Sie haben rund 373 Milliarden US-Dollar im Land investiert. Damit sind sie in den USA der viertwichtigste ausländische Arbeitgeber und Investor. US-Investoren halten ihrerseits Anteile an rund 2.800 Unternehmen in Deutschland und tragen so für 645.000 Arbeitsplätze in Deutschland Verantwortung.

Unter dem Motto „Wunderbar together“ eröffnet Außenminister Heiko Maas in Washington am Tag der Deutschen Einheit in den USA das Deutschlandjahr. Es wird gefördert vom Auswärtigen Amt, durchgeführt vom Goethe-Institut und unterstützt vom BDI – und ist das bislang größte seiner Art. Über den Zeitraum eines Jahres sind mehr als 1000 Veranstaltungen in allen Bundesstaaten geplant.

Eine Pop-up-Tour reist im kommenden Jahr durch die USA und präsentiert mit Ausstellungen, Workshops und Kulturprogrammen Deutschland und die USA als innovative und kreative Partner. In diesem Projekt engagieren sich Unternehmen wie BASF, BMW Group, SAP, Schaeffler und Siemens, um diese Facette der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen zu verdeutlichen.

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news-5996Türkei braucht demokratische Strukturen, um Vertrauen zurückzugewinnenhttps://bdi.eu/artikel/news/tuerkei-braucht-demokratische-strukturen-um-vertrauen-zurueckzugewinnen/Anlässlich eines Round-Tables von BDI, Bankenverband BdB und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag DIHK mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sowie deutschen und türkischen Unternehmen fordert BDI-Präsident Dieter Kempf eine stabile Türkei. Für deutsche Unternehmen haben gute Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei einen sehr hohen Stellenwert. Mehr als 6.500 Unternehmen mit deutscher Beteiligung sind im türkischen Markt aktiv und beschäftigen dort mehr als 120.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Deutschland leben mehr als drei Millionen türkischstämmige Menschen – darunter viele Unternehmerinnen und Unternehmer. Beide Länder sind somit eng miteinander verflochten. Die Verbindungen zwischen Deutschland und der Türkei sind an vielen Stellen so stark, dass es unbedingt notwendig ist, den Dialog aufrecht zu erhalten und sogar wieder zu intensivieren. Das gilt gerade auch in politisch schwierigen Zeiten.

Auch wenn deutsche Unternehmen in ihrem Türkeigeschäft aktuell Verunsicherungen spüren, ist doch die überwiegende Mehrheit unserer Betriebe vom großen Potenzial des türkischen Marktes überzeugt. Um das Vertrauen in diesen Markt zu stärken und deutsche Unternehmen wieder vermehrt zu Neuinvestitionen zu ermutigen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören ein hohes Maß an Rechtssicherheit sowie die Unabhängigkeit der Zentralbank. Auch die Einhaltung der Regelungen der seit 1996 zwischen der EU und der Türkei bestehenden Zollunion ist ein wichtiger Faktor. Maßnahmen wie die jüngsten Dekrete zur Konvertierung von Exporterlösen in türkische Lira wirken leider als zusätzlicher Hemmschuh bei der Wiederherstellung von Vertrauen ausländischer Investoren.

Die Wirkungen solcher Maßnahmen aus Sicht deutscher Unternehmen zu kommunizieren, sollte Teil des offenen Dialogs zwischen beiden Ländern sein. Dazu kann der Besuch von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan einen wertvollen Beitrag leisten.

„Für uns ist eine stabile Türkei wichtig. Die Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit ist neben Reformmaßnahmen in der Wirtschaftspolitik zwingend. Demokratische Strukturen sind maßgeblich, um das Vertrauen der Investoren wieder zurückzugewinnen", betonte BDI-Präsident Dieter Kempf. 

Dem schloss sich BdB-Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid an: „Das Vertrauen in eine stabilitätsorientierte Geldpolitik ist das wichtigste Kapital einer jeden Notenbank. Die privaten Banken in Deutschland erwarten verlässliche Signale der türkischen Regierung für eine politisch unabhängige und an der Geldwertstabilität orientierte Zentralbank.“

DIHK-Präsident Eric Schweitzer unterstrich: „Wir sind sehr daran interessiert, trotz der politischen Spannungen den Gesprächsfaden zwischen beiden Seiten wieder enger zu knüpfen. Dabei dürfen Probleme nicht zugedeckt werden, sondern müssen offen angesprochen und dann im gegenseitigen Respekt voreinander auch gelöst werden."

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news-5994Industrie wartet ungeduldig auf Wirtschaftspolitik der Bundesregierunghttps://bdi.eu/artikel/news/industrie-wartet-ungeduldig-auf-wirtschaftspolitik-der-bundesregierung/BDI-Präsident Dieter Kempf revidiert die Konjunkturprognose von zweieinviertel auf zwei Prozent für das laufende Jahr. Die Industrie fordert den Einstieg in den Ausstieg aus dem Soli für alle Unternehmen noch in der laufenden Legislaturperiode. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) senkt seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr und verlangt deshalb von der Bundesregierung schnelleres Handeln. „Die Industrie wartet ungeduldig auf Wirtschaftspolitik der Bundesregierung, vor allem in der Steuer-, Digitalisierungs- und Energiepolitik“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf.

„Deutschland muss sich auf den Abschwung der Konjunktur gefasst machen. Deshalb müssen wir jetzt vorsorgen“, unterstrich Kempf. Der BDI revidiert seine BIP-Prognose von zweieinviertel auf zwei Prozent für dieses Jahr. Bei den Warenexporten rechnet der BDI statt eines Zuwachses von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr nun nur noch mit einem Plus von 3,5 Prozent in realer Rechnung.

„Die Hochphase der weltwirtschaftlichen Erholung ist vorbei, die Investitionstätigkeit hat sich abgeflacht“, erklärte Kempf. „Die deutsche Exportstärke und der für ein so großes Land mit knapp 50 Prozent ausgesprochen hohe Exportanteil werden immer stärker bedroht. Für deutsche Unternehmen entstehen Risiken mit fast jeder protektionistischen Maßnahme – selbst wenn sie sich von den USA gegen China richtet“, warnte der BDI-Präsident.

Kempf ging auch mit der Bundesregierung ins Gericht. „Eine Regierung im permanenten Selbstgespräche-Modus, das bedeutet Stillstand. Wir brauchen mehr Tempo in der Politik.“ Bürger und Wirtschaft verlangten nach einem überzeugenden Staat, der für sie da sei und Angebote für die Zukunft mache. „Niemandem nutzt eine Große Koalition, die sich in der neuesten Auflage vor allem mit hausgemachten Krisen zu beschäftigen scheint.“

In der Steuerpolitik warf der BDI-Präsident der Bundesregierung Tatenlosigkeit vor: „Das grenzt fast schon an unterlassene Hilfeleistung.“ Deutschland entwickele sich vom Hoch- zum Höchststeuerland, während Regierungen weltweit – in den USA, aber auch im Vereinigten Königreich und in Frankreich – die steuerlichen Rahmenbedingungen zu verbessern suchten.

Kempf verlangte mehr Ehrgeiz bei der Abschaffung des Solidaritätszuschlags, auch um die hohe Steuerbelastung der Unternehmen in Deutschland zu senken: „Wir fordern noch in dieser Legislaturperiode für alle Unternehmen den Einstieg in den Ausstieg aus dem Soli.“ Ein Lichtblick sei die steuerliche Forschungs- und Entwicklungsförderung, die Anfang Januar 2020 in Kraft treten soll.

Für den BDI-Präsidenten ist der Netzausbau die Grundvoraussetzung für die Digitalisierung von Staat und Gesellschaft, für Industrie 4.0 und künstliche Intelligenz. „Bis 2025 müssen Gigabit-Infrastrukturen im Fest- und Mobilfunknetz für alle Unternehmen, privaten Haushalte und entlang der Verkehrswege verfügbar sein“, sagte Kempf. Dies gelte auch für die gut zwei Drittel aller Industriearbeitsplätze, die sich auf dem Land befinden. Beim Thema 5G dürfe es nicht zu Verzögerungen bei der Frequenzversteigerung kommen: „Die Politik muss gemeinsam mit Netzbetreibern und Anwenderindustrien zügig konkrete Lösungskonzepte für eine weitgehende Versorgung liefern.“

In der Energie- und Klimapolitik warnte der BDI-Präsident vor einem dramatischen Rückstand im Netzausbau und einem kontinuierlichen Anstieg der Stromkosten. „Völlig außer Frage steht, wie wichtig mehr politisches Handeln und stärkere Förderung bei der energetischen Gebäudesanierung sind. Hier muss die Bundesregierung schnellstens einen wirksamen Impuls setzen.“

Der BDI-Präsident sprach sich in Deutschland und Europa für eine mutige, vorwärts gerichtete Politik aus, die Innovationskraft und Weltoffenheit verteidigt und ausbaut. „In unserer Gesellschaft darf Fremdenhass keinen Platz haben.“ Ein angeblich heimatliebender Nationalismus, der gegen Zuwanderung und Freihandel mobilisiere, sei falsch und eine Gefahr für das auf Offenheit basierende Geschäftsmodell der Industrie. „Investitionen ausländischer Unternehmen und die Integration von Fachkräften aus anderen Ländern tragen in Deutschland erheblich zu Wohlstand und Arbeitsplätzen bei“, so Kempf. 

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news-5913BDI unterstützt Deutschlandjahr in den USAhttps://bdi.eu/artikel/news/bdi-unterstuetzt-deutschlandjahr-in-den-usa/Das größte Deutschlandjahr seiner Art startet im Oktober 2018 in den Vereinigten Staaten von Amerika. Der Bundesverband der Deutschen Industrie unterstützt die mehr als 1000 Veranstaltungen, welche die transatlantischen Beziehungen fördern sollen. Am Tag der Deutschen Einheit soll in Washington D.C. der Startschuss fallen für das Deutschlandjahr in den USA, das unter dem Motto „Wunderbar together“ steht. Vom Auswärtigen Amt gefördert, vom Goethe-Institut realisiert und vom BDI unterstützt soll das Jahr das Verständnis eines gemeinsamen Demokratie- und Freiheitsbegriffs in der amerikanischen Zivilgesellschaft fördern. Veranstaltungen sind in allen 50 US-Bundesstaaten geplant.

Stefan Mair, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, erinnert an die tragende Funktion der transatlantischen Beziehungen für die Industrie: „Tag für Tag sind deutsche Unternehmen in den USA verlässliche Partner, als Arbeitgeber und als Investoren. Sie schaffen Jobs und Aufstiegschancen, ermöglichen Bildung und Teilhabe quer durch die Bundesstaaten. Unsere Unternehmen beschäftigen in den Vereinigten Staaten fast 700.000 Arbeitnehmer. Sie haben rund 373 Milliarden US-Dollar im Land investiert. Damit sind sie in den USA der viertwichtigste ausländische Arbeitgeber und Investor.“

2015 haben die USA erstmalig Frankreich als wichtigsten Absatzmarkt für deutsche Produkte überholt, unterstrich Mair. Für die USA sind Deutschland der sechstwichtigste Exportmarkt. US-Investoren halten Anteile an rund 2.800 Unternehmen in Deutschland und tragen die Verantwortung für 645.000 deutsche Arbeitsplätze.

Während des Deutschlandjahres in den USA sollen wichtige Entwicklungen in der Wirtschaft zum Thema werden: Arbeit 4.0, Strukturwandel, Digitalisierung und Innovation. Neben wirtschaftlichen Themen bietet das Deutschlandjahr Veranstaltungen zu Kultur und Bildung sowie Umwelt und Nachhaltigkeit an.

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news-5855EU und USA müssen im Handelskonflikt die Notbremse ziehenhttps://bdi.eu/artikel/news/eu-und-usa-muessen-im-handelskonflikt-die-notbremse-ziehen/Die US-Zölle unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit gehörten abgeschafft, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf anlässlich der USA-Reise von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Internationale Handelskonflikte müssten im Rahmen der WTO ausgetragen und gelöst werden. „EU-Kommissionspräsident Juncker und US-Präsident Trump müssen im Handelskonflikt die Notbremse ziehen. Dazu muss Washington rhetorisch abrüsten. Die Zölle unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit gehören abgeschafft.“ Das sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, anlässlich des für Mittwoch geplanten Treffens von Donald Trump und Jean-Claude Juncker am Montag in Berlin.

„Jetzt kommt es darauf an, ein gemeinsames Verständnis über die Faktenbasis herzustellen und Vertrauen wiederzugewinnen. Es ist klug, dass EU und USA ihre Gespräche fortsetzen“, betonte der BDI-Präsident. Juncker müsse deutlich machen, dass die USA sich mit Zöllen auf Kraftfahrzeuge und -teile selber schaden. Allein die deutsche Automobilindustrie beschäftige über 118.000 Mitarbeiter in den USA. 60 Prozent ihrer Produktion werde aus den USA in andere Länder exportiert.  

„Europa darf sich nicht erpressen lassen und sollte in den USA selbstbewusst auftreten“, unterstrich Kempf. Europa als eine der größten Handelsmächte der Welt dürfe keinen Zweifel daran lassen, dass internationale Handelskonflikte im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO ausgetragen und gelöst werden müssen. Einseitige handelspolitische Maßnahmen außerhalb des Regelwerks der WTO schadeten der wirtschaftlichen Entwicklung überall auf der Welt – auch in den USA.

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