Brasilien im Umbruch

Brasilien befindet sich wirtschaftlich und politisch in einer Umbruchphase. Die Wirtschaft ist auf einen leichten Wachstumskurs zurückgekehrt. Die neue Regierung unter Präsident Jair Bolsonaro hat angekündigt, Steuern und Bürokratie abzubauen, das Rentensystem zu reformieren und die Wirtschaft für den internationalen Handel stärker zu öffnen. Dennoch steht das Land weiter vor großen Herausforderungen. Bei der Lösung soll die Privatwirtschaft eine größere Rolle spielen.

Nach der Zeit der der Rezession hat sich die Wirtschaft in Brasilien leicht erholt. Getragen von der Exportwirtschaft und dem Agrarsektor wird 2019 ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent erwartet. Positive Entwicklungen zeigen sich in einigen Industriesektoren: Laut Automobilverband Anfavea stieg 2018 die Produktion von Fahrzeugen um 6,7 Prozent auf 2,88 Millionen. Für 2019 rechnen sie mit einem Anstieg um 9 Prozent. Auch beim Maschinenbau wird 2019 ein Umsatzwachstum um 5 bis 6 Prozent erwartet. In 2018 legte der Branchenumsatz um 7 Prozent auf 78,1 Mrd. R$ zu.

In der Chemie-Branche stieg der Umsatz um 5,4 Prozent. Dennoch rechnet der Branchenverband mit deutlich geringeren Investitionen. 

Positive Signale gibt es auch vom Finanzmarkt: So legte der Börsenindex Ibovespa im Januar um fast 11 Prozent zu.

Reformen auf den Weg bringen

Wirtschaftspolitisch steht für dieses Jahr eine umfassende Rentenreform auf der Agenda. Besonders die Gesetzeslage zur Rente, die jährlich mit 13 Prozent der staatlichen Gesamtausgaben bezuschusst wird, ist reformbedürftig und dringend notwendig, um das Haushaltsdefizit zu senken. Oberste Priorität für die neue Regierung muss sein, das geplante Rentengesetz durch den Kongress zu bringen.

Für die weitere Entwicklung der brasilianischen Wirtschaft wird es auch entscheidend sein, ob es gelingt, die richtigen Konsequenzen aus den Korruptionsskandalen zu ziehen, politische Stabilität zu sichern und die Transparenz zu erhöhen. 

Öffnung für Privatwirtschaft

Die brasilianische Wirtschaft muss sich diversifizieren; vor allem muss der Industriesektor produktiver werden und sich modernisieren. Hierfür sind Investitionen nötig im Energiesektor, in der Infrastruktur, Logistik, Mobilität, Gesundheitswirtchaft und vor allem Bildung. Die Regierung setzt dabei  auf den Privatsektor.

Die neue Regierung will 23 Infrastukturprojekte vergeben, darunter 12 Flughäfen, 4 Hafenterminals und die Schienenstrecke Norte-Sul. Kooperationsmöglichkeiten finden sich für die deutsche Industrie u. a. auch in den für 2019 genehmigten Explorationslizenzen.Petrobas plant die Inbetriebnahme von 5 Ölplattformen.

Partner in der internationalen Zusammenarbeit

Brasilien hat viel zu bieten – ein Land mit fast 210 Millionen Einwohnern, seinen Rohstoffe und seine strategische Position im südamerikanischen Markt. Gemeinsam mit dem erwarteten Abschluss eines EU-Mercosur-Freihandelsabkommens ergeben sich für Deutschland als traditioneller Partner vielfältige Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Deutsche Technologien und Know-how können in vielen Bereichen einen Beitrag zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Wirtschaft und zu nachhaltigem Wachstum leisten.