Die G20 verändert sich stetig

© Robert Milliner

Die G20 wurde in der Folge der asiatischen Finanzkrise der 90er-Jahre gegründet – einem im Vergleich zur katastrophalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 kleinen Beben, schreibt Unternehmer Robert Milliner (Wesfarmers Limited) im Gastbeitrag. Zunächst trafen sich die Finanzminister und Zentralbankchefs. Seit 2008 ist es ein Forum, in dem die Staats- und Regierungschefs der G20 zusammenkommen, um Antworten auf die großen Herausforderungen der Zeit zu finden.

Ursprünglich war die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) ein Gremium, in dem die Finanzminister und Zentralbankchefs der systemisch wichtigsten Länder zusammenkamen, um in makroökonomischer Hinsicht und auf dem Gebiet der Finanzpolitik zusammenzuarbeiten. Gegründet wurde sie als Reaktion auf die Defizite im Umgang mit der Asienkrise der 1990er Jahre. Seit 2008 treffen sich die Staats- und Regierungschefs der G20 regelmäßig, um Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Die erste große Herausforderung war es, die Wirtschafts- und Finanzkrise (2008 bis 2010) zu meistern, als die Weltwirtschaft kurze Zeit drohte, in eine tiefe Depression zu rutschen.

Seitdem ist die Agenda der G20 immer breiter geworden. Die Welt ist immer vernetzter. Immer weniger Themen können im nationalen Alleingang gelöst werden. Dazu gehören regionale politische Spannungen und Konflikte, Terrorismus, Ebola, die Flüchtlingskrise oder auch der Klimawandel.

Positiver Beitrag zur Krisenbewältigung und neue Herausforderungen

Viele Kommentatoren haben den Beitrag der G20 im Umgang mit der Krise positiv beurteilt. Allerdings hat der lange Schatten der „globalen Finanzkrise“ und die Unfähigkeit der G20, in zentralen Politikfeldern – darunter die Quotenreform des Internationalen Währungsfonds, die Doha-Runde der Welthandelsorganisation oder auch die Förderung von Wachstum und Beschäftigung weltweit – signifikant voranzukommen, dazu geführt, dass die Effektivität der G20 immer mehr in Frage gestellt wird.

Ob diese Wahrnehmung richtig ist oder nicht – die G20 steht wachsenden Herausforderungen gegenüber, deren Konsequenzen die Ereignisse von 2008 weit übertreffen: ein träges Wirtschaftswachstum weltweit, hohe Arbeitslosigkeit, speziell von jungen Menschen, und technologische Erschütterungen haben schon heute in vielen unserer Gesellschaften erheblichen Spannungen nach sich gezogen. Immer mehr Menschen zweifeln den Nutzen der Globalisierung an; Pessimismus und Populismus sind auf dem Vormarsch. Es überrascht daher nicht, dass es den G20-Regierungen zunehmend schwerfällt, dem Drängen der national orientierten Politik zu widerstehen.

Was hat die G20 bisher erreicht und wohin entwickelt sie sich?

Im Rahmen formeller und informeller globaler institutioneller Arrangements hat sich die G20 als das wichtigste Forum zur internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit herausgebildet. Sie ergänzt die Bretton-Woods-Institutionen und die vielfältigen spezialisierten und regionalen Gruppen wie etwa G7, die Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft oder den BRIC-Staaten. Ein Vorteil der G20 ist, dass sie die Bedeutung der Rolle der Schwellen- und Entwicklungsländer anerkennt. Die G20 hat sowohl für die politische Steuerung bei Krisen als auch für längerfristige Herausforderungen einige Erfolgsgeschichten geliefert. Dieses können wir am besten in zwei Phasen betrachten: 2009 bis 2014 und 2014 bis heute. In der ersten Phase konzentrierte sich die G20 auf die Krise und die Wiederherstellung der Stabilität des globalen Finanzsystems. Die G20 verpflichtete sich zu Freihandel und zur Bekämpfung des Protektionismus. In der zweiten Phase geht es um die Belebung des globalen Wachstums und um die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Die große Leistung der ersten Periode bestand darin, dass die G20 eine globale Rezession verhindern konnte und eine Stabilisierung des Finanzsystems erreicht hat. Die wichtigste Entwicklung in der zweiten Phase war die Selbstverpflichtung im Jahr 2014, das gemeinsame Bruttoinlandsprodukt der G20 innerhalb von fünf Jahren um zwei Prozent bis zum Jahr 2018 zu steigern. Dies sollte durch eine Reihe von „Aktionsplänen für Wachstum“ erreicht werden.

Bewertungen durch internationale Organisationen deuten heute drauf hin, dass bei einer vollen Umsetzung der politischen Verpflichtungen dieses Ziel etwa zur Hälfte erreicht werden könnte. Zwar wurde der erwartete Fortschritt damit nicht erreicht, aber durch die koordinierten Zusagen wurde ein Wachstumsbeitrag möglich, den es ansonsten nicht gegeben hätte.

Herausforderungen der deutschen Präsidentschaft im Jahr 2017

Der Hangzhou Summit im September 2016 unter chinesischer Präsidentschaft war inhaltlich sehr produktiv. Eine Herausforderung für Deutschland liegt darin, den „Hangzhou Konsens“ weiter voranzutreiben. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dies bereits zugesagt. Darüber hinaus müssen weitere Themen auf die Agenda gesetzt werden, die unter der chinesischen Präsidentschaft nur unzureichend behandelt wurden. Angesichts des schleppenden weltweiten Wirtschaftswachstums, der regional stark unterschiedlichen Wachstumsraten und -perspektiven sowie hohen Krisenanfälligkeit gehören vor allem auch Strukturreformen wieder auf die Agenda der G20. Aber auch dem Thema Klimawandel und technologischer Fortschritt, mit seinen teils disruptiven Auswirkungen, muss sich die G20 widmen.

Robert Milliner ist Sonderberater für die B20-Präsidentschaft Deutschlands, war B20-Sherpa für Australien, Mitglied des Internationalen Kooperationsausschusses für B20 China 2016 sowie Mitglied des Lenkungsausschusses für die türkische B20-Präsidentschaft 2015. Er ist Senior Adviser für internationale Angelegenheiten bei Wesfarmers Limited, Senior Adviser bei der UBS und Senior Adviser beim Generalsekretär der Internationalen Handelskammer Australiens.