Die US-Handelspolitik unter Trump: Schlimm, schlimmer, am schlimmsten? Drei mögliche Szenarien

Donald Trump hat im Wahlkampf mit protektionistischer Rhetorik deutlich Stimmung gemacht. Welche seiner Ankündigungen wird er tatsächlich umsetzen? Zumindest theoretisch hätte er die Möglichkeit, viel davon wahr zu machen.

Denn in der Handelspolitik hat der US-Kongress dem Präsidenten in den vergangenen Jahrzehnten weitreichende Kompetenzen übertragen. Für die zukünftige Handelspolitik unter Trump sind drei Szenarien denkbar.

Best Case: Trumps Wahlkampfrhetorik bleibt größtenteils Rhetorik

Trump hat mit dem Austritt aus der Welthandelsorganisation (WTO), der Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) oder auch der Erhebung von hohen Zöllen auf Importe aus China und Mexiko gedroht. Im besten Fall setzt er diese Ankündigungen nicht um. Er bestimmt einen moderaten US-Handelsbeauftragten. Die Rhetorik gegenüber China wird zwar härter, dabei legt die Trump-Administration jedoch einen starken Fokus auf die Umsetzung und Einhaltung der bestehenden WTO-Regeln. Die Transpazifische Partnerschaft (TPP) tritt nicht als Ganzes in Kraft, stattdessen gibt es Abkommen mit einzelnen TPP-Ländern. Die Verhandlungen über die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) gehen Ende 2017 weiter. Das Abkommen mit der EU fällt jedoch weniger ambitioniert aus.

Bad Case: Trump macht einen Teil seiner Ankündigungen wahr

Die Trump-Administration lässt die TPP fallen. NAFTA wird neu verhandelt. TTIP wird auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Die Administration hat zudem kein Interesse an WTO-Verhandlungen und weiteren Handelsabkommen. Die radikalsten Ankündigungen macht sie jedoch nicht wahr. Die USA bleiben zudem Mitglied der WTO. Doch die Administration greift häufiger zu handelspolitischen Schutzmaßnahmen und reizt die WTO-Regeln dabei deutlich aus. Auch gegenüber der EU drohen die USA aufgrund ihres großen bilateralen Handelsbilanzdefizits mit handelspolitischen Schutzinstrumenten.

Worst Case: Trump macht all seine Ankündigungen wahr

Trump kündigt NAFTA. Die USA ziehen sich aus der TPP zurück. Die TTIP-Verhandlungen werden nicht weitergeführt. Trump erhebt hohe Strafzölle gegen China und Mexiko sowie weitere Länder und Regionen, mit denen die USA ein Handelsbilanzdefizit haben, darunter die EU. Es entstehen Handelskriege: China und Mexiko erheben ebenfalls hohe Zölle auf US-Importe. Trump kündigt zudem die Mitgliedschaft seines Landes in der WTO. Die USA können ihre Produkte nicht mehr zu den Meistbegünstigungszöllen der anderen WTO-Mitglieder exportieren, sondern müssen in vielen Fällen deutlich höhere Zölle zahlen. Die Ausfuhren sinken.

Es wird wohl auf Szenario II hinauslaufen. Trump argumentiert schon seit Langem, dass die USA dem unfairen Wettbewerb anderer Länder wie Japan und China ausgesetzt seien. Gleichzeitig weiß er aber auch, dass eine umfassende Abschottung nicht gut für die Wirtschaft wäre.

Eine ausführliche Ausführung der drei Szenarien lesen Sie in unserem Beitrag für den ifo Schnelldienst (23/2016). Dort finden Sie auch Informationen über die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen und die handelspolitischen Berater von Donald Trump sowie Details zu den Kompetenzen des US-Präsidenten in der Handelspolitik.