Die Zukunft der Luftfahrt gemeinsam gestalten

Luftfahrtkongress 2017 @ BDI

Luftfahrtkongress 2017 @ BDI

Dieter Kempf © Steffen Weigelt

Dieter Kempf © Steffen Weigelt

Dieter Kempf mit BDL-Präsident Stefan Schulte (l.) und BDLI-Präsident Klaus Richter (r.) @ Steffen Weigelt

Dieter Kempf mit BDL-Präsident Stefan Schulte (l.) und BDLI-Präsident Klaus Richter (r.) @ Steffen Weigelt

Die deutsche Luftfahrt verbindet Menschen und Märkte auf allen Kontinenten. Sie ist wichtige Säule der deutschen Wirtschaft, muss sich jedoch im internationalen Wettbewerb zunehmend beweisen. Auf dem Luftfahrtkongress 2017 vereinbarten daher Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften eine engere Zusammenarbeit. Denn es braucht verlässliche und faire Rahmenbedingungen, um den Luftfahrtstandort Deutschland zu stärken.

Effiziente Luftverkehrssysteme und eine leistungsfähige Luftfahrtindustrie „sind Motoren für Freihandel, Freizügigkeit und Globalisierung“, sagte BDI-Präsident Kempf auf dem Luftfahrtkongress 2017. Der Luftverkehr befördert jährlich mehr als 180 Millionen Passagiere und beschäftigt zirka 330.000 Arbeitnehmer in Deutschland. Fracht- und Passagiermaschinen transportierten im Jahr 2016 im Außenhandel mit Übersee Waren im Wert von 198 Milliarden Euro. Mit einem Umsatz von rund 35 Milliarden Euro sowie Investitionen von etwa drei Milliarden Euro trägt der deutsche Luftverkehr maßgeblich zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung des Landes bei.

Herausforderungen zusammen meistern

Die Zukunft der Luftfahrt wirkt sich damit direkt auf die Zukunft des Industriestandorts Deutschland aus. Die deutschen Fluggesellschaften, Flughäfen und Luftfahrtindustrien stehen jedoch unter enormen Druck im internationalen Wettbewerb. Durch staatliche Eingriffe fallen deutsche und europäische Luftfahrtunternehmen gegenüber Wettbewerbern von außerhalb Europas zurück, während nicht-europäische Staaten ihren Luftverkehr vielfältig fördern. Europaweit kostete das bereits rund 26.000 Arbeitsplätze; Passagieranteile zwischen Europa und Indien bzw. Südostasien über EU-Drehkreuze sind 2015 gegenüber 2005 um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Die Politik sollte deshalb nationale Alleingänge vermeiden, appellierte Kempf.

Um die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandorts Deutschland zu sichern, müssen alle beteiligten Akteure stärker zusammenarbeiten, forderten der BDI und seine Mitgliedsverbände BDL und BDLI auf dem Luftfahrkongress. Das gilt insbesondere mit Blick auf den Brexit: „Für die Politik in Brüssel und Berlin darf es nur eine Devise geben: Europa zusammenzuhalten und zu stärken“, sagte Kempf.

Unternehmen finanziell entlasten

Finanzielle Belastungen wie die Luftverkehrsteuer oder die Luftsicherheitsgebühren entziehen deutschen Unternehmen die notwendige Investitionskraft, um sich zukünftig weiter entwickeln und wachsen zu können. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) versprach auf dem Luftfahrtkongress 2017, die Luftverkehrsteuer nach und nach abbauen zu wollen. Die Abgabe wird seit 2011 bei jedem Abflug von einem deutschen Flughafen erhoben, habe aber „die längste Gegenwart hinter sich“, wie Volker Kauder (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, betonte. Der stellvertretende SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Hubertus Heil erklärte, die Luftverkehrsteuer sei ein Fehler, zudem müssten die deutschen Fluggesellschaften bei den Luftsicherheitsgebühren entlastet werden.

Innovative Ideen fördern

Auf dem Luftfahrtkongress sprachen sich Wirtschaftsvertreter und politische Gäste wie der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) zudem dafür aus, Forschung und Entwicklung der Branche weiter zu fördern. Fünf Startups präsentierten ihre Ideen und Initiativen für die deutsche Luftfahrt – von innovativer Kabinenbeleuchtung zur Reduzierung des Jetlags bis zu Virtual-Reality-Brillen für Passagiere. Dabei spielt die digitale Transformation eine zentrale Rolle.

Jedes moderne Flugzeug enthält deutsche Spitzentechnologie. Deutsche Großindustrie und Zulieferer bieten gemeinsam durch vernetzte Produktionsstrukturen auf internationalen Märkten wettbewerbsfähige Produkte und Systemlösungen an, erklärte Kempf. Durch „Spill-Over-Effekte“ fließen Innovationen im Luftfahrtbereich in andere Branchen und Fachgebiete ein, z. B. in den Automobil-, Maschinen- oder Anlagenbau sowie in die Energietechnik, Robotik und Werkstofftechnik.

Luftfahrtkongress 2017

Über die Bedeutung, Chancen und Herausforderungen der deutschen Luftfahrt diskutierten BDI, BDL und BDLI Ende März 2017 gemeinsam mit Gästen aus Wirtschaft und Politik. Neben Bundesminister Dobrindt, Landesminister Wissing und die Bundestagsabgeordneten Kauder und Heil stellten sich Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und der wirtschaftspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Dieter Janecek, den Fragen des Publikums. Der Luftfahrtkongresses 2017 bot damit eine Plattform für den gemeinsamen Dialog und richtete den Blick auf luftfahrtpolitische Positionen im Wahljahr 2017.