eHealth: Future starts now

Während die Gefahren der Digitalisierung unseres Gesundheitssystems noch kritisch diskutiert werden, ist sie bereits Lebenswirklichkeit. HealthApps finden sich auf vielen Smartphones. Antworten auf medizinische Fragen finden wir im Internet.

Es gibt diese wunderbare Weisheit, die besagt, dass eine Hummel aus Sicht der Physik unmöglich fliegen kann. Der Hummel ist das aber ziemlich egal. Sie fliegt nämlich trotzdem. So ähnlich verhält es sich mit der Digitalisierung der Gesundheit. In Deutschland wird rege darüber diskutiert, ob eine elektronische Patientenakte mit dem Datenschutz vereinbar ist. Es gibt Zweifel, ob Telemedizin mit dem Fernbehandlungsverbot vereinbar ist – das im Übrigen aus der Zeit der Wählscheibentelefone stammt. Und wenn nach zehn Jahren Vorarbeit endlich die elektronische Gesundheitskarte eingeführt wird, ist dies in der Ära von Datenwolken eine im Grunde bereits wieder veraltete Technologie.

Während all dieser Diskussionen in Deutschland ist die Digitalisierung der Gesundheit andernorts schon selbstverständlich geworden. Trends wie „gesund Altern“ und „quantified self“ wirken bei der Digitalisierung der Gesundheit als Innovationstreiber. Andere Länder sind uns bereits weit voraus. Innovative Gründer forcieren die Entwicklung mit neuen Ideen und unternehmerischer Risikobereitschaft. Die rasant steigende Nachfrage im Bereich der privat finanzierten Gesundheit (zweiter Gesundheitsmarkt) demonstriert, was möglich und gewünscht ist: neue Versorgungsmöglichkeiten und mithin Geschäftsmöglichkeiten. Die Verbreitung von E-Health und IKT-Anwendungen sollte genauso wie der Aufbau einer leistungsfähigen Gesundheitstelematikinfrastruktur zur sektorübergreifenden Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen führen, um die Versorgung der Patienten effizient zu verbessern. Fakt ist aber derzeit: Die offizielle Einführung einer elektronischen Patientenakte in der medizinischen Versorgung bleibt umstritten und in weiter Ferne, während privat Krankheiten und Symptome gegoogelt, MRT-Aufnahmen auf Facebook gepostet und Diagnosen getwittert werden. HealthApps und quantified self sind im privat finanzierten Bereich bereits eine Selbstverständlichkeit, in der Erstattung der Krankenkassen hingegen noch die Ausnahme. Internet und Smartphones verändern die Lebensrealität der Menschen. Und selbstverständlich suchen die Menschen im Internet auch nach Antworten auf medizinische Fragen. Die Technik ist längst da – wir dürfen davor nicht die Augen verschließen und müssen lernen, sie auch im Gesundheitssystem zu nutzen.