Entwicklungsländer: Potenzial durch Handelsbarrieren gehemmt

Entwicklungsländer nehmen eine zunehmend große Rolle im Welthandel ein. Allerdings wird das wachstumsfördernde Potential des Freihandels durch hohe Handelsbarrieren noch stark gehemmt.

Der internationale Handel hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Der Anteil von Entwicklungsländern an den globalen Exporten ist zwischen 2000 und 2012 von 18 Prozent auf 28 Prozent gestiegen. Seitdem stagniert der Exportanteil von Entwicklungsländern jedoch. Dies kann vor allem auf den Einbruch von Rohstoffpreisen sowie die langsamere wirtschaftliche Entwicklung Chinas zurückgeführt werden. Neben schlechter Regierungsführung schränken Import- und Exportbarrieren den Handel vieler Entwicklungsländer noch wesentlich ein.

Anteil am Weltexport: Entwicklungländer holen auf

Prozentualer Anteil am globalen Handel mit Waren und Dienstleistungen nach Ländergruppen

Je ärmer ein Land, umso höher sind in der Tendenz die Zölle und technischen Handelsbarrieren. Zudem gibt es wesentlichen Verbesserungsbedarf bei handelsbezogenen Institutionen und Infrastruktur. Hohe Importkosten schwächen Produktivität und Exporte. Dies gilt umso mehr, als dass intermediäre Güter mehr als zwei Drittel des globalen Handels ausmachen.

Ärmere Länder nach wie vor hohen Exportbarrieren ausgesetzt

Gerade ärmere Länder sind trotz eines bevorzugten Marktzugangs in den meisten Industrieländern nach wie vor hohen Exportbarrieren ausgesetzt. Arme Entwicklungsländer produzieren oftmals Güter, auf die besonders hohe Zölle angewandt werden – zum Beispiel Textilien und Agrarprodukte. Zudem exportieren Entwicklungsländer inzwischen mehr Waren in andere Entwicklungs- als in Industrieländer. Die Handelsbarrieren zwischen Entwicklungsländern liegen jedoch deutlich höher als die für Exporte von Entwicklungs- in Industrieländer.

Mit dem Abkommen über Handelserleichterungen und Entscheidungen der WTO-Ministerkonferenz 2015 in Nairobi zu Ursprungsregeln, Agrarexportsubventionen sowie Baumwolle hat die WTO bereits wichtige Schritte für eine verbesserte Integration ärmerer Entwicklungsländer in den Welthandel unternommen. Jedoch schränken Rechtsunsicherheit, hohe Importkosten sowie Marktzugangsbarrieren in anderen Entwicklungsländern Handelsgewinne und Wirtschaftswachstum immer noch wesentlich ein. Das Abkommen für Handelserleichterungen wird in Kraft treten, wenn es durch zwei Drittel der (zurzeit 162) WTO-Mitglieder ratifiziert wurde. Insgesamt  haben bisher 81 Länder das Abkommen unterzeichnet. Derzeit sind 34 der 48 am wenigsten entwickelten Ländern (LDCs) Mitglied in der WTO. Von den 34 LDCs haben acht das TFA bereits ratifiziert.