Neue Wachstumschancen in Brasilien durch Reformkurs

Der BDI fordert einen stärkeren Einsatz für ein EU-Mercosur-Freihandelsabkommen. Chancen zur konkreten Zusammenarbeit ergeben sich auch durch das brasilianische Infrastrukturprogramm.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) setzt hohe Erwartungen in die neue brasilianische Regierung unter Staatspräsident Michel Temer. „Wir sehen gute Chancen, dass der wirtschaftspolitische Kurswechsel Brasilien zurück auf Wachstumskurs bringt“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber am Sonntag in Weimar zum Auftakt der 34. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage. „Zentral ist, die jüngst angekündigten umfassenden Reformen im Steuer- und Arbeitsrecht rasch umzusetzen. Das ist die Voraussetzung für mehr und nachhaltige Investitionen aus Deutschland und Europa in der größten Volkswirtschaft Südamerikas.“  

Nach einer langen Phase der Instabilität warte die Wirtschaft auf Reformsignale, die das Vertrauen in den Standort wiederherstellten: „Brasilien muss seine öffentlichen Finanzen sanieren und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken“, forderte Kerber. „Es wäre ein Trauerspiel, wenn die Volkswirtschaft weiter in der Rezession und unter ihren Möglichkeiten bliebe.“  

Besondere Impulse für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen verspricht sich der BDI vom Abschluss eines EU-Mercosur-Freihandelsabkommens. Die Zölle für Industrieprodukte liegen im Mercosur mit teilweise über 20 Prozent noch immer sehr hoch. Kerber: „Mit mehr Einsatz für ein modernes und ehrgeiziges Freihandelsabkommen schafft Brasilien die Voraussetzung für engere Handelsbeziehungen. Vor allem mit dem Austausch von Waren lassen sich dringend notwendige Wachstumskräfte aktivieren.“  

Für den BDI biete das Land mit mehr als 200 Millionen Einwohnern und einer konsumfreudigen, überwiegend jungen Mittelschicht enorme Potenziale für mehr wirtschaftliche Kooperation. Das im vergangenen Monat von der Regierung vorgestellte Infrastrukturprogramm mit 34 Großprojekten biete Ansatzpunkte für eine konkrete Zusammenarbeit, sagte Kerber. Beispiele sind laut BDI die Flughäfen und Häfen des Landes, zudem Eisenbahn, Energie und Digitalisierung.  

Die jährlich vom BDI und seinem brasilianischen Partnerverband CNI organisierten Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage (DBWT) versammeln mehrere 100 Vertreter aus Wirtschaft und Politik beider Länder. Die Konferenz wird abwechselnd in Deutschland und Brasilien durchgeführt. In diesem Jahr finden die DBWT in Weimar statt, unterstützt durch das Thüringische Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft.  

Brasilien ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in Lateinamerika. Rund 1400 deutsche Unternehmen sind vor Ort aktiv und haben 24 Milliarden US-Dollar im Land investiert. Der deutsche Export lag im vergangenen Jahr bei rund zehn Milliarden Euro. Die brasilianische Wirtschaft schrumpft in diesem Jahr voraussichtlich um mehr als drei Prozent; ab 2017 wird wieder ein leichtes Wachstum erwartet.