Viel vorgenommen – die Themen und Ziele der deutschen B20-Präsidentschaft

Stormy-Annika Mildner © BDI

Die deutsche B20-Präsidentschaft hat sich viel vorgenommen. In sieben Arbeitsgruppen erarbeiten jeweils rund 100 Unternehmens- und Verbandsvertreter Empfehlungen an die G20 zu vielfältigen Wirtschaftsthemen. Die Abstimmungen sind nicht immer einfach. Doch die Erfolge der B20 in den vergangenen Jahren zeigen: Es lohnt sich, wie BDI-Außenwirtschaftsexpertin Stormy-Annika Mildner im Interview konstatiert.

Wie muss man sich die B20 vorstellen?

Seit 2010 ist die B20 (Business 20) der offizielle Wirtschaftsdialog der G20, der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Das weltweite Beratungsgremium unterstützt die G20-Staaten bei der Lösung globaler Herausforderungen. Koordiniert wird die aufwändige und international vernetzte Arbeit der B20 jeweils von den Wirtschaftsvertretern des Landes, das die G20-Präsidentschaft innehat. Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, der BDI, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutscher Industrie- und Handelskammertag, haben die Leitung der B20 für das Jahr der deutschen Präsidentschaft von den Vertretern der chinesischen Wirtschaft übernommen. Von der Industrie bis zum Finanzsektor, große wie kleine Unternehmen – die B20 vertritt mit einer Stimme die Interessen der Wirtschaft der G20-Länder. Mehr als 700 Unternehmens- und Verbandsvertreter nehmen jedes Jahr an der B20 teil. Auf die Empfehlungen, die schließlich an die G20 gerichtet sind, einigen sich die Mitglieder der B20 im Konsens.

Welche Themen stehen auf der Agenda der B20?

Unter Leitung des B20-Präsidenten und renommierten Unternehmers Jürgen Heraeus steht die deutsche B20-Präsidentschaft im Jahr 2017 unter dem Motto „Resilience, Responsibility, Responsiveness – Towards a Future-oriented, Sustainable World Economy“.

Wir haben uns viel vorgenommen, denn die Herausforderungen sind groß. Der politische Handlungsbedarf in den klassischen B20-Themen Handel, Investitionen und Finanzmärkte ist gewaltig. Auf der Agenda der deutschen B20-Präsidentschaft stehen aber auch neue Themen, die durch die globalen Entwicklungen in den Vordergrund gerückt sind. Dazu gehören neben der Digitalisierung auch der Klimawandel und Gesundheitsfragen. Zudem wird sich die B20 intensiv mit Afrika auseinandersetzen.

Kann man mit der B20 etwas bewirken?

Es ist schon ein Wert an sich, dass sich Wirtschaftsvertreter aus der gesamten G20 regelmäßig austauschen, Interessen konsolidieren und sich gemeinsam für Positionen einsetzen. Die B20 trägt so zu Verständigung und Vernetzung bei. Oft merkt man erst durch diesen intensiven Austausch, dass Interessen und Ziele ähnlicher sind als man denkt. Für die G20 ist es wichtig und überaus hilfreich, eine konsolidierte Wirtschaftsposition zu haben anstatt einer Kakophonie aus Stimmen einzelner Länder. Zudem ist die G20 auf die Expertise und die praktischen Erfahrungen der Wirtschaft angewiesen, um die richtigen Maßnahmen zu identifizieren.

Einem großen Teil der B20-Empfehlungen wird in G20-Beschlüssen entsprochen. Die Internationale Handelskammer, ICC, führt dazu jährlich Analysen durch. Zudem werden regelmäßig die Empfehlungen der B20 explizit in G20-Erklärungen erwähnt. Wir haben den Eindruck, dass die B20 beispielsweise dazu beigetragen hat, dass sich die G20 nun dem Thema digitaler Handel widmet und dass es zahlreiche G20-Initiativen für eine verbesserte Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen gibt.

Knallt es auch manchmal in der B20?

Unsere Arbeit ist auf den G20-Gipfel im Juli in Hamburg ausgerichtet. Dort werden die Staats- und Regierungschefs der 20 Staaten und der EU über die anstehenden globalen Herausforderungen diskutieren und sich mit unseren Empfehlungen beschäftigen. Bis dahin arbeiten wir in internationalen und branchenübergreifenden Arbeitsgruppen unter Hochdruck an konkreten Handlungsempfehlungen für die verschiedenen G20-Themen.

Es ist selbstredend, dass es – wie auch in der G20 – zum Teil schwierige Verhandlungen und auch hitzige Diskussionen gibt. Diese sind auch erwünscht, denn die B20 soll ja gerade dazu beitragen, einerseits Interessenüberschneidungen zu identifizieren, andererseits aber auch zu kreativen Lösungen und Kompromissen zu kommen. Es herrscht bei allem intensiven Austausch aber immer eine angenehme Diskussionskultur. Wir teilen ja dieselben Ziele: ein nachhaltiges, inklusives und dynamisches Wachstum einer immer näher zusammenwachsenden Welt.

Braucht die Welt die G20 wirklich?

Die großen Chancen der Weltwirtschaft können einzelne Staaten längst nicht mehr im Alleingang nutzen. Und genauso wenig können sie alleine die großen Herausforderungen meistern. Nationale Alleingänge sind zum Scheitern verurteilt. Deshalb ist die G20 nicht nur wichtig, um wirtschaftspolitische Impulse zu setzen. Sie ist wichtig, um die Agenda der internationalen Wirtschafts- und Ordnungspolitik zu gestalten. Sie hilft, die Regeln für die Weltwirtschaft weiterzuentwickeln. Zwar hat die G20 keine feste Geschäftsstelle wie der Internationale Währungsfonds oder die Welthandelsorganisation. Im Gegensatz zu den genannten Organisationen kann sie auch keine völkerrechtlich bindenden Beschlüsse fassen. Aber gerade weil sie nicht auf starre Strukturen angewiesen ist, hat sie in Krisenzeiten die notwendige Flexibilität bewiesen, um wichtige Leitplanken in der globalen Ordnungspolitik zu verankern.

Stormy-Annika Mildner ist seit 2014 Abteilungsleiterin Außenwirtschaftspolitik beim BDI und Sherpa der B20. Davor war sie Mitglied der Institutsleitung der Stiftung Wissenschaft und Politik.