Finanzierung der größten Familienunternehmen: Langfristig, stabil und unabhängig

Eigenkapital aufbauen und finanzielles Risiko vermeiden, lautet die Devise der größten Familienunternehmen in Deutschland: Rund 48 Prozent der Familienunternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz haben ihre Eigenkapitalausstattung in den letzten drei Jahren der Niedrigzinsphase erhöht. Dies und mehr zeigen die Ergebnisse der Frühjahrsbefragung 2015 der größten Familienunternehmen in Deutschland.

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn hat dafür im Auftrag des BDI und der Deutschen Bank 400 der rund 4.500 größten Familienunternehmen, also Familienunternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz, befragt. Die größten Familienunternehmen streben bei ihrer Finanzierung nach Sicherheit und Unabhängigkeit. So nennen die Unternehmen als Motive für den Ausbau ihres Eigenkapitals in den letzten drei Jahren den Wunsch nach besserer finanzieller Stabilität (87 Prozent) und mehr Unabhängigkeit (73,7 Prozent).

Familienunternehmer reagieren auf die aktuell niedrigen Zinsen verhalten

Aus Sicht von mehr als der Hälfte (53,1 Prozent) der Befragten sind die Finanzierungsmöglichkeiten in den letzten drei Jahren insgesamt gestiegen. Rund 50,7 Prozent der größten Familienunternehmen meinen, der Wettbewerb zwischen den Kreditanbietern habe zugenommen. Auf eine Ausweitung des Investitionsvolumens als Reaktion auf die niedrigen Zinsen haben rund 55 Prozent der größten Familienunternehmen aber verzichtet.

Sie begründen ihre Zurückhaltung damit, dass sie den Verschuldungsgrad nicht erhöhen wollten und damit, dass es an attraktiven Investitionsobjekten mangelte. Die niedrigen Zinsen wirken sich auch auf die Pensionslasten der Unternehmen aus. Um ihren Verpflichtungen nachzukommen, sind die Beiträge für Pensionsrückstellungen in den letzten drei Jahren für rund ein Drittel der größten Familienunternehmen gestiegen.

Die größten Familienunternehmen

Sechs von zehn befragten Familienunternehmen sind in der Industrie tätig, gut ein Viertel im Handel und rund jedes siebte im Dienstleistungssektor. Die untersuchten Unternehmen erreichten 2014 einen durchschnittlichen Jahresumsatz von 369 Millionen Euro. Jedes zweite große Familienunternehmen erzielte einen Umsatz von 120 Millionen Euro und mehr. Knapp vier von zehn Unternehmen erwirtschaften weniger als 100 Millionen Euro Jahresumsatz. Ihre Wirtschaftslage sehen die größten Familienunternehmen positiv. Zwei von drei Familienunternehmen (66,1 Prozent) erwarten in den nächsten zwölf Monaten eine gute bis sehr gute Wirtschaftslage. Knapp jedes dritte rechnet mit befriedigenden Geschäftsaussichten.

Neben Finanzierung wurden die Familienunternehmen zu Internationalisierung und Risikomanagement befragt.

Konsequenzen aus der Niedrigzinsphase in den letzten drei Jahren