Druckmaschinen in Heidelberg: Kann der Mittelstand seinen starken Platz in Deutschland und in der Welt behaupten?

Wo das Herz der deutschen Wirtschaft schlägt

Der Mittelstand wird oft als das Herz der deutschen Wirtschaft bezeichnet. Zu Recht: Mittelständische Unternehmen stemmen den größten Teil der Wirtschaftsleistung, beschäftigen die meisten Mitarbeiter, bilden aus und tragen erheblich zum unternehmerischen Steueraufkommen in Deutschland bei.

Sennheiser, Rimowa, Otto Bock – hinter diesen Namen stehen mittelständische Unternehmen, deren Produkte viele kennen. Eher weniger bekannt sind Kirchhoff, C. D. Wälzholz oder Schubert & Salzer – aber ohne sie führe kaum ein Auto, könnte kaum ein Ski durch den Schnee schneiden, säße kaum ein Passagier sicher im Flugzeug. Dahinter stehen mittelständische Familienunternehmen, die in Netzwerken mit großen Unternehmen erfolgreich Werte schaffen und Märkte entwickeln. Es gibt wohl keine Branche, in der Mittelständler nicht vertreten sind. Auch viele Firmen, die heute als Großunternehmen an der Börse sind, haben als familiengeführte Mittelständler angefangen. Manche sind es auf je eigene Weise bis heute geblieben – oder verstehen und fühlen sich zumindest so.

Trotz aller Erfolge gilt: Wachsender internationaler Wettbewerb, zunehmende Digitalisierung oder der demografische Wandel üben genauso wie komplexe Regulierung, immer mehr Bürokratie oder ein unübersichtliches Steuersystem Druck auf die deutschen Mittelständler aus. Den mittelständischen Unternehmen entstehen Risiken, Fesseln und Kosten, die unternehmerische Freiheiten nehmen und Wachstumspotenziale kosten. Laut „Mittelstandspanel“ ist im Moment nur eine Minderheit der befragten mittelständischen Unternehmen der Meinung, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland seien gut oder sehr gut. Und die Tendenz ist fallend. Dies widerspricht der aktuellen betriebswirtschaftlichen Situation der meisten mittelständischen Unternehmen. Sie haben gut gefüllte Auftragsbücher und die finanzielle Liquidität ist solide. So beschreibt im Panel fast die Hälfte der befragten Unternehmen ihre Lage als gut oder sehr gut und lediglich rund 15 Prozent als schlecht oder sehr schlecht.

Dennoch investieren nach Angaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nur 28 Prozent aller mittelständischen Unternehmen in neue Produkte, mit sinkender Tendenz. Das bedeutet aber nicht, dass etwa Dreiviertel der Mittelständler davon ausgehen, ihr Vorsprung trage auf absehbare Zeit. Vielmehr kommt es zum hohen Wettbewerbsdruck und zu bürokratischen Hürden durch das Fehlen einer klaren politischen Vision für die Zukunft des deutschen Mittelstands. Geopolitische Auseinandersetzungen oder die instabile Entwicklung des Euroraums können Mittelständler zwar nicht beeinflussen, doch diese haben große Auswirkungen auf ihr Handeln. Für viele stellt sich die Frage, wie sie in einer unsicheren Zukunft ihren starken Platz in Deutschland und in der Welt behaupten können. Sie sind bei der Beantwortung dieser Frage weitgehend auf sich alleine gestellt.

Die Politik wiederum hat sich zunehmend dem Verwalten des Wohlstands verschrieben. Sie scheint von sich selbst getrieben, anstatt die Herausforderungen der Zukunft anzugehen. Es fehle grundsätzlich eine klare Vision, konstatiert der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Die deutsche Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahr habe wichtige Weichenstellungen verpasst, etwa bei zukunftweisenden Technologien, Innovationen und Investitionen. Defizite in den genannten Bereichen greifen vor allem jene Unternehmen an, denen finanzielle und personelle Mittel fehlen, um alles aus eigener Kraft zu stemmen.

Sie belasten das Herz der Wirtschaft, den Mittelstand. Dabei sind es gerade die Mittelständler, die globale Fragen pragmatisch beantworten. Für „think global, act local“ haben sie die notwendige Flexibilität. Sie haben das Ohr direkt am Markt. Sie kennen ihre Kunden oft persönlich und deren Bedürfnisse genau. Die Mittelständler haben oft flache Hierarchien und bauen auf den engen Austausch auch mit allen Marktpartnern. Die Unternehmen werden von kreativen, engagierten und geduldigen Menschen in langfristiger Perspektive geführt, Wege sind kurz und Kontakte verbindlich. Der Chef, der regelmäßig in Fertigung, Forschung und Vertrieb vorbeischaut und Ideen bespricht – das lässt sich als Klischee abtun und ist dennoch bei vielen Mittelständlern gelebte Realität.

Politiker werden nicht müde, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Mittelstands lobend zu erwähnen. Recht haben sie. Doch viele Mittelständler erleben das eher als Lippenbekenntnis und weniger als Handlungsmaxime. Sie vermissen in der Politik zumeist jene Leidenschaft, Verbindlichkeit und Risikobereitschaft, mit denen sie selbst ihren Aufgaben und Geschäften nachgehen. Sie spüren meist nicht jenen Atem des Unternehmertums, das im Heute handelt und dabei ans Morgen denkt. Sie erleben vielmehr, dass auf viele Worte wenig Taten folgen. Das wäre dann gut, wenn freies Unternehmertum auch passende Freiräume bekäme. Aber Freiräume werden zunehmend eingeschränkt, das Herz der Wirtschaft wird eingeschnürt. Mit allen Gefährdungen für die Gesundheit der Unternehmen mit allen Arbeitsplätzen sowie für den Wirtschaftsstandort insgesamt.

Ansprechpartner

  •  Fabian  Wehnert

    Fabian Wehnert

    Abteilungsleiter Mittelstand und Familienunternehmen
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    Grundsatzfragen nationaler und europäischer Mittelstandspolitik, BDI/BDA-Mittelstandsausschuss