Ambitionierter Klimaschutz – Folgen für die Zukunft der Industrie?

Paneldiskussion beim „Klimapfade“-Sektorworkshop Industrie © Christian Kruppa

„Klimapfade“-Sektorworkshop Industrie © Christian Kruppa

Christian W. Grünewald, BDI-Ausschuss Umwelt und Energie © Christian Kruppa

Die Bundesregierung hat bereits für 2019 eine Regelung zum Klimaschutz angekündigt. Entscheidend hierfür ist, um welche Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele es gehen soll. Die Klimapfadestudie des BDI macht hier Vorschläge, die der BDI in einer Reihe von Sektorworkshops öffentlich diskutiert.

Windräder und Dächer mit Solar-Panels sind allgegenwärtig, auch Elektroautos oder Baustellen mit Wärmedämmarbeiten sind schon ein gewohnter Anblick. Doch was heißt ambitionierter Klimaschutz eigentlich für die Industrie? Lassen sich auch die hochtechnisierten Industrieprozesse neu und klimafreundlich organisieren, bei Wahrung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit?

Der BDI möchte hier mehr Klarheit schaffen. Zumal die Bundesregierung in ihrem im Jahr 2016 beschlossenen „Klimaschutzplan 2050“ bereits genaue Festlegungen auch für die künftigen Emissionen der Industrie trifft. Sie plant, dass der Industriesektor seine CO2-Emissionen von 1990 bis 2030 um 49 bis 51 Prozent mindern soll.

Was sagt demgegenüber die BDI-Studie zum Klimaschutz im Industriesektor? Eine Absenkung der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen von 1990 bis 2015 um 80 Prozent könnte nach der Studie für den Industriesektor bei kostenoptimaler Steuerung u. a. die folgenden Änderungen mit sich bringen: Zum einen müsste die energetische Verwendung der Biomasse, die ja derzeit auch z. B. im Verkehr und in Privathaushalten verwendet wird, künftig auf den Industriesektor konzentriert werden. Und zum zweiten sollte der Endenergieverbrauch im Industriesektor um rund 20 Prozent reduziert werden. Dagegen könnte der Großteil der in der Industrie anfallenden Prozessemissionen (vor allem Grundstoffchemie, Metalle, Zement, Kalk, Glas, Keramik) in diesem 80-Prozent Szenario wegen kostengünstigeren Einsparungen in anderen Sektoren weiterhin unverändert anfallen.

95-Prozent-CO2-Minderung nur mit CCS

Erst bei einer Reduzierung der Treibhausgase um 95 Prozent müssten auch die Industrieprozesse selbst dekarbonisiert werden. Dies würde eine Reihe von Innovationen erfordern und wäre technisch und finanziell mit erheblichem Aufwand verbunden. Zudem müsste hier in größerem Ausmaß die Abscheidung und unterirdische Speicherung von CO2(CCS) eingesetzt und hierfür seitens der Politik die gesellschaftliche Akzeptanz hergestellt werden.

Es wird deutlich: Ein „Weiter So“ ist keine Option, es braucht neue Rahmenbedingungen. Darüber hinaus ist Grundvoraussetzung für ein Gelingen von Klimaschutz in der Industrie die verlässliche Sicherung eines umfassenden Carbon-Leakage-Schutzes, da es andernfalls zu einer Verlagerung der Emissionen ins Ausland kommen würde. Des Weiteren müssten die Investitionsanreize erheblich ausgeweitet werden, um tatsächlich zu den notwendigen Effizienzsteigerungen bzw. zu dem Rückgang des Endenergieverbrauchs zu kommen. Viele der für eine Effizienzsteigerung erforderlichen Investitionen sind zwar volkswirtschaftlich sinnvoll, für betriebswirtschaftliche Entscheider aber nicht rentabel, sodass es hier entsprechende Anreize zur Überwindung dieser Hürden bedarf. Denn eines ist klar: Die für 2019 geplante gesetzliche Regelung zum Klimaschutz soll im Ergebnis nicht zu einer Schwächung, sondern zu einer Stärkung des Industriestandorts Deutschland führen.