Bahlsen: „Mein Glaube ist das Fundament für meine tägliche Arbeit“

Werner Michael Bahlsen, Vorstandsvorsitzender der Bahlsen GmbH & Co KG © Bahlsen GmbH & Co KG

Im Portrait spricht Werner Michael Bahlsen, Vorsitzender der Geschäftsführung Bahlsen GmbH & Co. KG und ständiger Gast im BDI-Präsidium, über seinen Glauben und die Bedeutung für sein unternehmerisches Handeln. Im Rahmen des Evangelischen Kirchentags 2017 trug er bei einem Empfang des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer dazu vor.

„Meinen Großvater Hermann Bahlsen habe ich zwar nicht persönlich kennengelernt, er verstarb bereits 1919, aber er ist für mich bis heute ein Vorbild. Er hat nicht nur den Keks erfunden und den Grundstein für eines der bekanntesten deutschen Familienunternehmen gelegt. Er hat mit seinem Streben nach Innovation und Qualität, mit seinem sozialen Engagement und Mäzenatentum unsere Unternehmensphilosophie begründet, die mit den nachfolgenden Generationen zur Tradition und zum Maßstab wurde. Für ihn leitete sich aus seiner Rolle als Unternehmer eine Verpflichtung ab: „Der Kern muss der äußeren Schale entsprechen“, das war sein Credo.

Teil der Energie für die Allgemeinheit einsetzen

Er ging täglich durch sein Unternehmen. So war er nah dran am Leben seiner Arbeiter und Angestellten und kannte deren Sorgen und Nöte. Es gab bei Bahlsen sehr früh eine eigene Betriebskrankenkasse, Wasch- und Duschräume für die Fabrikarbeiter, Näh- und Kochkurse, einen Werksarzt, ein Musikzimmer und sogar eine Bücherei. Um die Jahrhundertwende waren solche Maßnahmen alles andere als üblich und ein Segen für die Mitarbeiter, die zum Teil unter sehr beengten Wohnverhältnissen litten. Mein Vater hat mir beigebracht – und so hat es ihm auch sein Vater vorgelebt –, dass man als Unternehmer einen Teil seiner Energie für die Allgemeinheit einsetzen soll. Das ist mir sehr wichtig.

Als Unternehmen unterstützen wir seit Jahrzehnten soziale Projekte, die einen engen Bezug zu Bahlsen, zu unserer Tradition, unseren Werten und zu unseren Standorten haben. Dazu gehört für mich auch, sorgsam mit der Schöpfung umzugehen. Besonders beim Bezug unserer Rohstoffe achten wir darauf, dass sie nachhaltig produziert und faire Preise dafür gezahlt werden. Ich persönlich fahre regelmäßig zu unseren Kakao- und Palmöllieferanten, um mir ein Bild von den Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort zu machen.

„Mein Vater hat mir beigebracht, dass man als Unternehmer einen Teil seiner Energie für die Allgemeinheit einsetzen soll.“

Mein Glaube ist das Fundament für meine tägliche Arbeit. Ich bin überzeugt: Die Soziale Marktwirtschaft ist die Gesellschaftsordnung, die dem christlichen Menschenbild am besten entspricht. Der Glaube lehrt uns, dass alle Menschen Abbild Gottes sind. Und Gott ist Schöpfer. Menschsein im christlichen Sinn bedeutet die Freiheit und auch die Verpflichtung, diese Welt zu gestalten. Thomas von Aquin sagt: „Für Wunder muss man beten, für Veränderungen muss man arbeiten.“ Als Unternehmer will ich Ideen verwirklichen, Werte schaffen, Arbeitsplätze bereitstellen und so dazu beitragen, die Grundlagen für Einkommen und Wohlstand für alle zu legen. Das gilt genauso für meine Mitarbeiter. Es ist meine Aufgabe, die Talente meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern, damit sie ihre Erfahrung, Kreativität und fachliche Kompetenz einbringen können.

Als Unternehmer sind wir oft „Macher“. Wir tragen große Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für unsere Produkte, die Bewahrung der Schöpfung und auch für das gesellschaftliche Miteinander. Wir wollen die Welt gestalten und Dinge bewegen. Damit legen wir die Grundlagen für ‚Wohlstand für alle‘. Das ist großartig! Der Glaube hilft mir, dieser Verantwortung gerecht zu werden, aber trotzdem nicht abzuheben. Ich weiß auch um meine eigenen Grenzen, ich bin kein „Alleskönner“. Von Gott bin ich angenommen so, wie ich bin. Ich muss mir seine Liebe nicht verdienen. Das ist ungemein befreiend, gerade in einer Zeit, in der Menschen oft nur daran gemessen werden, was sie leisten. Mein Glaube an Gott und an seine uneingeschränkte Liebe gibt mir Kraft in erfolgreichen und in weniger erfolgreichen Zeiten. Oder um es mit Luther zu sagen: „Arbeiten soll und muss man. Aber des Hauses Fülle soll man nicht seiner Mühe, sondern allein der Güte Gottes zuschreiben.“

Zwischen Gewinnorientierung und christlichem Glauben sehe ich keinen grundsätzlichen Widerspruch. Gewinn ist der Lohn für unternehmerische Leistung. Nur ein erfolgreiches Unternehmen, das Gewinn erwirtschaftet, ist in der Lage, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, Investitionen zu tätigen, neue Produkte zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen. Ich freue mich über unternehmerischen Erfolg und er ist für mich zugleich Ansporn und Pflicht zur nachhaltigen Sicherung dieses Erfolges. Als Familienunternehmen ist unser Ziel die dauerhafte Erzielung stabiler Gewinne und nicht eine kurzfristige Maximierung. Als Christ findet Gewinnstreben allerdings dort seine Grenze, wo es unethisches Handeln fordert. Richtschnur ist für mich dabei der ehrbare Kaufmann.

„Gute Unternehmensführung stellt die Würde des Menschen vor jede Rentabilitätsüberlegung.“

Entscheidend ist für mich, dass sich Unternehmer an Werten orientieren. Für mich leiten sich diese Werte aus unserem christlichen Fundament ab. Aber selbstverständlich können das auch die Werte des Humanismus sein, philosophische Gedanken oder Überzeugungen anderer Religionen. Gute Unternehmensführung stellt die Würde des Menschen vor jede Rentabilitätsüberlegungen.

Paulus schreibt in seinem Brief an die Römergemeinde: „Du sollst wissen, dass nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich.“ Die Wurzeln oder auch die Fundamente, auf denen unser Unternehmen heute ruht, reichen weit in die Vergangenheit zurück. Es sind die Säulen, an denen Generationen von Mitarbeitern gebaut haben, auf denen Bahlsen heute steht. Darauf bin ich stolz. Und ich empfinde Dankbarkeit für das, was die Generationen vor uns geleistet haben. Zugleich bedeutet das auch Verantwortung. Ich mache mir bewusst, gerade auch in schweren Zeiten, dass es an uns liegt, dieses Erbe nicht nur zu bewahren, sondern es weiterzuentwickeln und für die kommenden Generationen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Daraus schöpfe ich meine Kraft und Motivation.“

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Dieser Beitrag konnte freundlicherweise mit Genehmigung des Verlags und Herrn Bahlsen folgendem Buch entnommen werden: „Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften. Protestantische Führungskräfte sprechen über ihren Glauben.“ Herausgegeben von Peter Barrenstein, Wolfgang Huber und Friedhelm Wachs edition chrismon, Leipzig 2016.