BDI in Toronto bei der PDAC dabei

Matthias Wachter bei der PDAC © BDI

Digitalisierung, Energiewende und Elektromobilität haben erheblichen Einfluss auf die Art und Weise, wie wir künftig leben. Diese Herausforderungen sind für die deutsche Industrie eine große Chance für mehr Zukunftstechnologien Made in Germany. Voraussetzung ist eine nachhaltige Rohstoffversorgung. Nicht nur die Nachfrage nach Rohstoffen wird steigen, auch der Bedarf wird sich verändern. Heute nutzt die deutsche Industrie bereits über 80 Prozent der chemischen Elemente des Periodensystems – vor 100 Jahren war es weniger als die Hälfte.

Die Stimmung im Metro Convention Centre bei der weltgrößten Bergbau-Messe, der Prospectors & Developers Association of Canada (PDAC), ist bestens. Der BDI ist in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt bei der PDAC dabei. Im Rahmen der Konferenz haben wir etliche Gespräche mit Minenbetreibern, Investoren und staatlichen Behörden geführt, um die Marktentwicklungen im Rohstoffsektor und deren Auswirkung auf die deutsche Industrie besser zu verstehen. Egal mit wem man spricht, in Toronto stehen die Zeichen auf Aufbruch – es ist fast schon eine neue Goldgräberstimmung. Der globale Boom von Elektromobilität und Digitalisierung verändert den Rohstoffsektor und lässt die Nachfrage nach einzelnen Rohstoffen für Zukunftstechnologien, wie etwa Lithium, in die Höhe schießen.

Es herrscht fast schon eine neue Goldgräberstimmung

Mehr als 1.000 Aussteller, viele sind sogenannte Junior Mining Companies, buhlen bei der PDAC um mehr als 3.800 Investoren und die 24.000 Besucher aus 130 Ländern. Die Firmen heißen Junior, weil sie noch keine Rohstoffe fördern, dies aber in Zukunft vorhaben. Junior Bergbaugesellschaften sind oft spektakuläre Wetten auf potenzielle Rohstofflagerstätten. Treffen die Prognosen zu, werden sie oft von großen Bergbaugesellschaften aufgekauft. Liegen sie falsch, verschwinden sie oft ganz schnell wieder von der Bildfläche. Der größte Run findet im Moment auf Lithium statt.

Lithium ist ein Rohstoff, der aus unserem täglichen Leben nicht wegzudenken ist. Es wird in vielen Produkten verwendet, wie Glas, Schmiermittel oder Keramik. Haupteinsatzgebiet ist jedoch die Kathode eines Lithium-Ionen Akkus. 2017 wurden rund 46 Prozent des weltweit gewonnenen Lithiums in Batterien verwendet. Lithium ist leicht und besitzt elektrochemische Eigenschaften, die in Kombination mit Kobalt in den Akkus zu einer hohen Energie- und Leistungsdichte sowie einer hohen Lebensdauer führen.

Der weltweite Bedarf an Lithium wird bis 2035 um das Vierfache steigen

Lithium wird damit zum entscheidenden Material für die Elektromobilität. Laut Ankündigungen der großen Automobilhersteller sollen 2025 rund 25 Prozent der verkauften Fahrzeuge elektrisch sein. Die Deutsche Rohstoffagentur hat berechnet, dass der weltweite Lithiumbedarf 2035 um das Vierfache höher sein wird, als die gesamte Produktion 2013. Problematisch ist bei Lithium nicht unbedingt die physische Verfügbarkeit. Die weltweit identifizierten Lithiumreserven werden auf über 14,3 Millionen Tonnen geschätzt. Vielmehr sind die Förderkapazitäten aktuell noch gering. Das führte im vergangenen Jahr auch zu Preissteigerungen von bis zu 58 Prozent.

Kritisch ist beim Lithium auch die steigende Abhängigkeit von einigen wenigen Förderländern. Die drei größten Förderländer Australien, Chile und Argentinien sind für über 80 Prozent der gesamten Fördermenge verantwortlich. Auch die Firmenkonzentration könnte zu Engpässen bei der Beschaffung von Lithium führen. Gerade China schließt aktuell umfangreiche und langfristige Lieferverträge mit Lithiumproduzenten ab. Ende 2016 kontrollierten chinesische Unternehmen damit zwischen 50 und 77 Prozent des weltweiten Rohstoffangebots für Kathoden (Lithium, Kobalt und Graphit).

Mehr Recycling – Mehr Innovationen – Mehr internationale Kooperationen

Um den Rohstoffbedarf der deutschen Industrie ging es unter anderem am German Day der Messe. Die Botschaft meiner Rede, um den steigenden Rohstoffbedarf der deutschen Industrie bei Hightech-Rohstoffen zu decken, war: Mehr Recycling, mehr Innovationen, etwa im Tiefseebergbau, und mehr internationale Kooperationen mit rohstoffreichen Ländern wie Kanada.