Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist für die deutsche Industrie gefährlich

Welthandel in Gefahr: Handelskonflikt zwischen den USA und China - BDI

Hanna Müller im BDI Büro in Peking © BDI

China tritt zunehmend als Verfechter des freien Welthandels auf, ohne sich tatsächlich als Treiber einer liberalen weltweiten Handelsordnung hervorgetan zu haben. Die Konfrontation zwischen US-Regierung und China birgt verschiedene Risiken für die deutsche Industrie, sagt Hanna Müller, Vertreterin des BDI in Peking.

Während US-Präsident Donald Trump aus seiner Skepsis gegenüber multinationalen (Handels)abkommen keinen Hehl macht, gefällt sich China zunehmend in der Rolle des Verfechters für Freihandel und Globalisierung. In Ankündigungen und Verlautbarungen macht sich die chinesische Regierung gegen den sich weltweit ausbreitenden Protektionismus stark. China würde jedoch an Überzeugungskraft gewinnen, wenn es den Ankündigungen im eigenen Land Taten folgen lassen würde – Optimierungsbedarf beim Abbau von Asymmetrien bei Handel und Investitionen ist ausreichend vorhanden.

„America first“ trifft auf „China first“

US-Präsident Trump lässt seinen chinakritischen Worten nun auch Taten folgen und ergreift Maßnahmen, die in seinen Augen zu einem Abbau des US-amerikanischen Handelsdefizits mit China führen. China reagierte darauf anfangs noch abwartend, lässt nun aber verlautbaren, dass man die eigenen Interessen mit allen Mitteln verteidigen werde. Donald Trump verfolgt seinen harten Kurs gegenüber China und nimmt dabei auch in Kauf, dass er eine Vielzahl von Handelspartnern vor den Kopf stößt.

Bei aller berechtigten und nötigen Kritik an Donald Trump, die besonders nach der Verkündung von hohen Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte laut wurde, sollte jedoch nicht der Eindruck entstehen, dass alleine die USA dem Welthandel schaden. Während die USA in besorgniserregender Art und Weise dem Freihandel den Rücken kehren, mutet es schon komisch an, dass gerade China von einem Angriff auf die weltweite Handelsordnung spricht. Schließlich liegen die durchschnittlichen Einfuhrzölle in China laut Welthandelsorganisation (WTO) bei 9,9 Prozent und damit weit höher als in den USA (3,5 Prozent) oder der EU (5,2 Prozent). Außerdem hat sich China bislang nicht erkennbar als Verfechter der weltweiten Handelsordnung hervorgetan, was auch durch die zahlreichen Anti-Dumping-Streitfälle gegen China bei der WTO deutlich wird.

Handelskrieg hätte Folgen für die deutsche Industrie

Eine Protektionismuswelle würde die Handelsnation Deutschland hart treffen. Etwa jeder vierte Arbeitsplatz hierzulande hängt am Export, in der Industrie sogar mehr als jeder zweite. Deutsche Unternehmen weisen enge wirtschaftliche Verflechtungen mit den USA und China auf. Neben den Auswirkungen, die schon jetzt durch die Erhebung der Zölle für die deutsche Industrie spürbar sind, besteht das Risiko, dass bei einer Verschärfung und Ausweitung des Konflikts zwischen China und den USA eine der beteiligten Parteien die Frage stellt: Auf welcher Seite steht eigentlich die deutsche Industrie? Sie sollte alles daran setzen, dass es nicht so weit kommt. Vor allem aber sollte sie sich nicht von einer Seite gegen die andere instrumentalisieren lassen, sondern an beide Partner appellieren, Konflikte im Rahmen der WTO beizulegen.

Hanna Müller ist Chief Representative der Vertretung des BDI in Peking.