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Industrielle Gesundheitswirtschaft als Zukunftsindustrie verankern

Datum
21.01.2025

In Zeiten trüber Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft gilt die iGW als überdurchschnittlich widerstandsfähig und weniger anfällig von Konjunkturzyklen – das hat zuletzt die BDI-Transformationspfade-Studie belegt und der iGW als Zukunftsbranche gute Wachstumschancen am Standort Deutschland in Aussicht gestellt. Umfangreiche Investitionen haben in den letzten Monaten deutlich gemacht, dass die Gesundheitsindustrie dem Standort Deutschland nach wie vor großes Potenzial beimisst. Vor allem die exzellente Grundlagenforschung, die Forschungsinfrastruktur sowie die Fachkräfteaus- und Weiterbildung werden als Fundament einer starken iGW geschätzt.

Um dieses Standortpotenzial abzusichern und auszubauen, braucht es die wirtschaftspolitische Betrachtung der gesamten iGW: Denn wenngleich sich die Produkte sowie Marktzugangs- und Erstattungsanforderungen von Medizintechnik, Biotechnologie, Arzneimittel und Health-IT zum Teil erheblich unterscheiden, sind für die Branche viele dieser strukturellen Herausforderungen – wie eine steigende Regulierungsdichte, komplizierte Forschungsfördersysteme, eine schleppende Digitalisierung, mangelnde Technologieoffenheit und fehlende Fachkräfte – eine Gemeinsamkeit.

Um die iGW zu stärken, sind folgende Maßnahmen zentral:

iGW-Strategie als Zukunftsanker ausarbeiten: Eine holistische iGW-Strategie sollte Vorschläge für langfristig angelegte Maßnahmen zur Sicherung und Stärkung des Forschungs-, Produktions- und Gesundheitswirtschaftsstandortes Deutschland entwickeln und dabei auch Aspekte der finanziellen Förderung und Kosten berücksichtigen. Dabei gilt es, die iGW ganzheitlich mit ihren vier Sektoren zu betrachten.

Austausch mit politischen iGW-Akteuren institutionalisieren: Die iGW braucht eine klare Zuständigkeit und politische Führung im BMWK. Ein institutionalisierter Austausch zwischen den Ressorts der Bundesregierung und der Gesundheitsindustrie zu den wirtschaftspolitischen Anliegen der iGW, beispielsweise über die Fortführung des BMWK Round Table Gesundheitswirtschaft, sollte auch weiterhin angestrebt werden. Die Erweiterung des Dialogformats mit den Länderregie-rungen würde für eine verbesserte Koordination zwischen Bund und Ländern sorgen.

Digitalisierung als Hebel für Qualität und Effizienz nutzen: Der Aufbau eines interoperablen Gesundheitsdatenökosystems ist entscheidend, um Innovationen und den Einsatz von KI im Sinne des Patientenwohls voranzutreiben und Fachkräftemangel sowie die Herausforderungen des demografischen Wandels abzumildern. Um den Digitalisierungsrückstand im Gesundheitswesen aufzuholen und Effizienzreserven zu heben, benötigt die Forschung strukturierte und qualitativ hochwertige Daten. Die iGW spielt hier eine wesentliche Rolle und sollte eingebunden werden, z. B. bei der Mitgestaltung von Interoperabilität und internationalen Standards.

Strategische Partnerschaften in der globalen Gesundheit knüpfen: Deutschland sollte strategische Partnerschaften in der globalen Gesundheit über die Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit hinaus ausbauen, um sich als starker Akteur in der globalen Gesundheitsarchitektur zu positionieren und Gesundheitssysteme weltweit zu stärken. Eine bessere Verzahnung von politischen Maßnahmen mit (außen-)wirtschaftlichen Aktivitäten ist dabei entscheidend, um ein Ökosystem zu schaffen, in dem Unternehmen eigenständig agieren können.

EU als Standort für innovative Gesundheitstechnologien ausbauen: Die Gesundheitsindustrie ist ein zentraler Wirtschaftssektor und unabdingbar für die Resilienz europäischer Gesundheits-systeme. Daher sollte die Stärkung der europäischen Gesundheitswirtschaft im Vordergrund stehen, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und China zu sichern. Ein intensiverer Austausch zwischen den Mitgliedstaaten zu den wirtschaftspolitischen Anliegen der iGW sollte genauso angestrebt werden wie harmonisierte europäische Standards, um die Innovationskraft und Resilienz der Branche zu stärken.

Weitere Handlungsempfehlungen und konkrete Vorschläge zur Stärkung der iGW finden sich in der BDI-Position "Industrielle Gesundheitswirtschaft als Zukunftsindustrie verankern". Das Papier bietet eine umfassende Analyse der Herausforderungen und Chancen der Branche und zeigt, wie Wirtschaft und Politik gemeinsam die Grundlagen für eine innovative und resiliente Gesundheitswirtschaft schaffen können. Lesen Sie das gesamte Positionspapier hier:

Gesundheitswirtschaft - Beiträge zur industriellen Gesundheitswirtschaft | BDI

Ansprechpartner

Maria Kusmina

Senior Referentin Innovation, Sicherheit und Technologie, BDI e.V.