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Europa im Fokus – die 1950er Jahre

Datum
26.02.2026

Schon vor Gründung der Bundesrepublik stand die europäische Integration für die industriellen Verbände im Mittelpunkt ihrer Bemühungen. Fritz Berg wurde bereits 1948 als deren Vertreter in den Rat der europäischen Industrieverbände (REI) aufgenommen. Der BDI forcierte das zentrale Thema Europa seit seiner Gründung. Nachhaltig setzte er sich für die 1951 gegründete Montanunion (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) ein, die durch den Zusammenschluss mit der 1957 gegründeten EWG und EURATOM in die Europäischen Gemeinschaften 1965-1967 mündete. Ein regelmäßiger Austausch mit dem französischen Conseil National du Patronat Français (CNPF) und bilaterale Industriegespräche mit weiteren europäischen Schwesterverbänden unterstützten diesen Prozess.

Am 1. März 1958 wurde als Untergliederung der REI die „Union der Industrien der Europäischen Gemeinschaft gegründet“ (Union des Industries de la Communauté Européenne, UNICE), der auch der BDI angehörte. Sie sollte eine gemeinsame Haltung der industriellen Spitzenverbände in den EWG-Ländern zu allen Fragen der EWG und EURATOM erarbeiten und diese vor der Europäischen Kommission bzw. den Regierungen vertreten. Dafür richtete der BDI im Herbst 1958 ein offizielles Verbindungsbüro in Brüssel ein. Innerhalb des Verbandes beschäftigte sich der Marshallplan-Ausschuss (1950) mit den drängenden europäischen Fragen. Er wurde 1951 in den Europa-Ausschuss umbenannt.

Doch der Focus der Industrie reichte über Europa hinaus: Um sich auch im Welthandel zu positionieren, intensivierte der BDI in den 1950er Jahren die transatlantischen Beziehungen. Delegationen der USA und Deutschlands besuchten sich gegenseitig, regelmäßig fanden Deutsch-Amerikanische Industriegespräche statt. 1959 eröffnete der BDI in New York das German-American-Chamber of Commerce als offizielle Vertretung in den USA.

Auf bundesdeutscher Ebene beschäftigte den BDI vor allem das Thema Wettbewerb. Für deutsche Unternehmen war eine stabile Wettbewerbsordnung ohne Vereinbarungen von Preisen und Mengen (Kartelle) mehrheitlich unvorstellbar. Das stand in krassem Gegensatz zum Verbotsprinzip von Kartellen, das durch die Bundesregierung vertreten wurde. Die Auseinandersetzungen zwischen dem BDI in Person von Präsident Fritz Berg und Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard in dieser Frage sind legendär. Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) war schließlich ein von beiden Seiten akzeptierter Kompromiss, der Ausnahmen des Verbotes unter bestimmten Voraussetzungen erlaubte. Es wurde 1957 verabschiedet und trat 1958 in Kraft.

Das erste Jahrzehnt des BDI wurde von einer enormen organisatorischen Dynamik geprägt. Viele Institutionen zeugen noch heute davon. So wurde 1951 das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln gegründet (IW Köln, bis 1973 Deutsches Industrieinstitut, DI), 1952 folgten der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft und der Kulturkreis des BDI (seit 1992 Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI). Nicht zuletzt durch die Erfolge der Interessenvertretung der deutschen Industrie ging dieses Jahrzehnt als Epoche des „Wirtschaftswunders“ in die Geschichte ein.