Brasilien: Wichtigster Wirtschaftspartner in Lateinamerika

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Der Agrar- und Rohstoffsektor ist für Brasilien weiterhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das Land muss jedoch seine Industrie modernisieren und ausbauen. Brasilien ist die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas und steht weltweit an siebter Stelle. Das Land verfügt über einen Binnenmarkt von 210 Millionen Einwohnern mit einer stark gewachsenen Mittelschicht und ist reich an natürlichen Rohstoffen, z. B. Bauxit, Eisenerz, Nickel und Zinn.

Das Land will seinen Industriesektor modernisieren und die Verkehrsinfrastruktur sowie den Energiesektor weiter ausbauen. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz spielen hierbei eine wichtige Rolle. Der Bedarf an Technologien und innovativen Lösungen korrespondiert in hohem Maße mit dem Leistungsangebot der deutschen Industrie.

Brasilien befindet sich gegenwärtig in einer wirtschaftlichen Schwächephase. Um wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zu gelangen, sind die Erhöhung von Transparenz und Strukturreformen erforderlich sowie mehr Investitionen in Infrastruktur, Innovationen und Bildung.

Das BRICS-Land Brasilien ist Mitglied im G20 Prozess und für Deutschland ein wichtiger Partner in der internationalen Wirtschaftspolitik. Es ist das einzige Land in Lateinamerika, mit dem die Bundesregierung eine strategische Partnerschaft unterhält und seit 2015 auch bilaterale Regierungskonsultationen durchführt.

Potentiale der bilateralen Zusammenarbeit

Brasilien ist mit Abstand Deutschlands wichtigster Handelspartner und Zielland für Investitionen in Lateinamerika. Umgekehrt ist Deutschland der wichtigste europäische Wirtschaftspartner für Brasilien. Deutsche Unternehmen exportieren Waren im Wert von gut zehn Milliarden Euro nach Brasilien. Hierzu gehören insbesondere chemische Produkte, Maschinen sowie Fahrzeuge und Autoteile. Der Absatz deutscher Unternehmen vor Ort übersteigt die Exporte um ein Vielfaches.

Die deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen basieren auf gemeinsamen Werten und haben eine lange Tradition. Das Fundament dafür wurde mit der deutschen Einwanderung gelegt, die vor fast 200 Jahren in Brasilien begann. Mittlerweile haben ca. zehn Prozent der Brasilianer deutsche Vorfahren. Einige der größten deutschen Unternehmen sind bereits seit über 100 Jahren im Land tätig, so Hamburg Süd seit 1876, Siemens seit 1895 und Bayer seit 1896. VW, BASF und Mercedes-Benz sind seit den 1950er Jahren vor Ort. Deutsche Firmen haben wesentlich zum Aufbau der brasilianischen Industrie beigetragen und besitzen eine strategische Stellung in verschiedenen Sektoren. Sie sind Teil der brasilianischen Gesellschaft und engagieren sich in Bildung, Kultur und in der Innovationskooperation.

Heute sind in Brasilien über 1.400 deutsche Unternehmen aktiv. Sie erwirtschaften ca. zehn Prozent der industriellen Wertschöpfung. Allein in São Paulo befinden sich über 800 deutsche Unternehmen, die mehr als 250.000 Arbeitsplätze geschaffen haben. São Paulo ist damit der größte deutsche Industriestandort außerhalb Deutschlands.

Die mittelfristigen Perspektiven für den Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Brasiliens werden weiterhin positiv gesehen. Die angestrebte Modernisierung der brasilianischen Industrie, der Ausbau der Verkehrs- und Energieinfrastruktur sowie des Gesundheitswesens erfordern den Einsatz von hochwertigen Technologien. Dabei wächst das Interesse an nachhaltigen Lösungen. Die deutsche Industrie ist technologisch führend und bietet Antworten auf anstehende und künftige Herausforderungen. Hierzu gehören z. B. die städtischen Entwicklungen, Umwelt- und Klimaschutz sowie erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Neue Technologien aus den „Industrie 4.0“-Konzepten bieten hierbei besondere Chancen der Zusammenarbeit.

Enge Verbändekooperation

Der BDI setzt sich intensiv für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen zum Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen ein. Hierzu gehören regelmäßige Gespräche mit den entsprechenden Regierungsstellen in Deutschland, der EU und Brasilien sowie die Organisation von Konferenzen und bilateralen Kommissionen.

Neben der guten Zusammenarbeit mit der AHK und den Botschaften vor Ort und in Deutschland pflegt der BDI eine sehr enge Kooperation mit seinem brasilianischen Partnerverband CNI. Bereits seit über 30 Jahren organisieren die beiden Verbände jährlich abwechselnd in Deutschland und Brasilien die Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage.

Gemeinsam setzen sich BDI und CNI ein für:

  • Abbau von Bürokratie und Schaffung von mehr Transparenz
  • Höhere Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Innovationen
  • Strukturreformen z. B. im Steuer- und Arbeitsrecht
  • Abschluss eines EU-Mercosur- Freihandelsabkommens
  • Aufnahme von Verhandlungen zu einem bilateralen Doppelbesteuerungsabkommen.