Klimaziele 2030 ohne Zwangsstillegungen von Kraftwerken erreichbar

Der BDI-Sektorworkshop Energie („Klimapfade für Deutschland“) liefert in der wieder aufgeflammten Diskussion um Zwangsstillegungen und Doppelregulierung zentrale Antworten: Der Energiesektor wird seinen Beitrag zur Reduktion leisten – auch schon bis 2030. Hierfür sind jedoch erhebliche Mehrinvestitionen im Energiesektor notwendig. Gaskraftwerke könnten außerdem in Zukunft die gesicherte Leistung bereitstellen, und die Netzentgelte treiben zukünftig die Stromsystemkosten nach oben.

Zu diesem Ergebnis kommt die BDI-Studie „Klimapfade für Deutschland“. Demnach kann der deutsche Beitrag, der von Europa im Paris-Abkommen verbindlich zugesagten Treibhausgasminderungen bis 2030 volkswirtschaftlich kosteneffizient erreicht werden. Als Treiber dieser Entwicklung sieht die Studie eine technologieoffene politische Rahmensetzung ohne starre Sektorziele, welche den Handlungsspielraum unnötig einschränken würden. Der BDI erwartet speziell im Bereich Energie, dass das EU-ETS (EU-Emissionshandel) ausreichend marktliche Anreize setzt, um das 80-Prozent-Ziel der Bundesregierung zu erreichen.

An die Kommission für „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ gerichtet, sagt Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer: „Unsere Botschaft ist klar – das EU-ETS hält, was es verspricht. Es senkt die Treibhausgasemissionen treffsicher und setzt wachsende ökonomische Anreize, in emissionsärmere Technologien zu investieren. Nationale Zusatzmaßnahmen, wie Zwangsstillegungen, wirken sich nur kostensteigernd aus und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Der durchschnittliche EU-ETS-Zertifikatspreis lag im Mai mit über 14,50 Euro bereits heute über den Annahmen des 80-Prozent-Klimapfades (elf Euro) für 2020. Damit kann sich die Kommission auf ihre Themen Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung konzentrieren.“

Politisches Umdenken bei den Strompreisen zwingend

Laut Studie kommt auch dem Netzaus- und -umbau eine zentrale Rolle zu. Neben der Erweiterung des Stromnetzes muss ebenso an der Integration flexibler Nutzer gearbeitet werden, um die Versorgungssicherheit zu garantieren und die Kosten unter Kontrolle zu halten. Ohnehin werden in Zukunft steigende Netzkosten der wachsende Treiber des Strompreises sein. Deshalb mahnt Christopher W. Grünewald, Vorsitzender des BDI-Ausschusses Energie- und Klimapolitik: „Die Bundesregierung muss handeln, wenn weiterhin klimafreundlich in Deutschland produziert werden soll. Zudem brauchen wir ein Umdenken, wenn wir die Sektorkopplung voranbringen wollen. Nicht zuletzt deshalb müssen die seit mittlerweile zehn Jahren kontinuierlich steigenden regulierten Bestandteile des Strompreises – und das sind inzwischen rund 75 Prozent – in Zukunft sinken.“

Klimatechnologien bieten Potenziale

Nicht nur in Deutschland schlummern noch versteckte Wachstumschancen. In Folge der Energiewende wachsen die Weltmarktpotenziale von Klimatechnologien bis 2030 auf bis zu zwei Billionen Euro an. Die BDI-Studie „Klimapfade für Deutschland“ beziffert beispielsweise die Potenziale der Netztechnologien auf 320 Milliarden Euro und prognostiziert eine Verdreifachung bei Offshore-Windtechnologien sowie ein 40-mal höheres Potenzial bei der Gebäudeautomation in 2030 als noch 2015. Es bieten sich der deutschen Exportindustrie durch Vermarktung von Klimatechnologien neue Chancen.