Wie steht es um Afrikas Zukunft?

Stefan Mair (BDI), Jakkie Cilliers (ISS) und Hanns Bühler (HSS) © BDI

Stefan Mair (BDI), Jakkie Cilliers (ISS) und Hanns Bühler (HSS) © BDI

© AdobeStock/poco_bw

Jakkie Cilliers (ISS), Peter Mathuki (EABC), Heike Bergmann (SAFRI), Hanns Bühler (HSS) © BDI

Vor Ausbruch der Corona-Pandemie galt Afrika als zukunftsträchtiger Ort – mit einer wachsenden Mittelschicht, boomendem Handel und in einigen Ländern überproportional steigenden Wachstumsraten. Doch wird das Corona-Virus Afrikas Potenzial für Wohlstand verändern?

Vieles in Afrika wird – wie im Rest der Welt – nach der Corona-Krise nicht mehr so sein wie vor Ausbruch der Pandemie. Die Wirtschaft Subsahara-Afrikas wird im aktuellen Jahr seine erste Rezession seit einem Vierteljahrhundert erleben und voraussichtlich um zwei bis fünf Prozentpunkte schrumpfen. Das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) warnt davor, dass fast die Hälfte aller Arbeitsplätze in Afrika verloren gehen könnte. Laut Prognosen wird sich der Anteil der in Armut lebenden Bevölkerung in Afrika durch Corona von 33 auf 38 Prozent erhöhen. Das macht deutlich: Wir brauchen dringend eine wirtschaftliche Erholung.

Africa First!

In der Webinar-Reihe „The Future of Africa - Will the Corona virus change Africa's potential to prosper?" diskutieren der BDI, die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) und das Institute for Security Studies (ISS) in Pretoria, Südafrika, mit über 200 Teilnehmern die Folgen der Pandemie. Die zentrale Frage lautet: Wie kann es Afrika trotz Corona gelingen, eine Wachstumsrevolution zu entfachen, um Millionen von Menschen aus der Armut in die Beschäftigung zu führen.

Dazu stellt Jakkie Cilliers, Vorstandsvorsitzender vom ISS, die Ergebnisse seines Buches „Africa First! – Igniting a Growth Revolution” sowie der neuen Studie von ISS und HSS „Impact of COVID-19 in Africa. A scenario analysis to 2030“ vor. Um die bevorstehenden Herausforderungen für Afrika zu meistern, müsse die Frage des Schuldenerlasses für afrikanische Staaten geklärt, Gesundheitsausgaben erhöht und grundlegende Infrastrukturen ausgebaut werden. Zudem sollten die Prioritäten Afrikas auf den folgenden vier Bereichen liegen:

  1. Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft: Afrika muss sich auf die Landwirtschaft und die Produktion von Grundnahrungsmitteln für den Eigenverbrauch konzentrieren.  
  2. Industrialisierung der afrikanischen Wirtschaften („Made in Africa“): Durch Industrialisierung können mehr Arbeitsplätze im formalen Sektor geschaffen und schnelleres Wachstum erreicht werden. Notwendig hierfür ist die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen, Erhöhung der staatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung und der Ausbau der Digitalisierung.
  3. Leapfrogging das Überspringen von Entwicklungsschritten: Im 21. Jahrhundert schreitet die wissenschaftliche Erkenntnis mit hoher Geschwindigkeit voran, siehe Mobile Payment. Das sogenannte „Leapfrogging“ wirkt sich positiv auf die Armutsbekämpfung aus. Technologie ist jedoch keine Wunderwaffe für sich allein. Länder müssen in Menschen und Institutionen investieren.
  4. Afrikanische Freihandelszone (AfCFTA): Wenn die Freihandelszone richtig umgesetzt wird, kann sie mehr als jeder andere Faktor das Wirtschaftswachstum Afrikas ankurbeln. Bis 2050 könnte die AfCFTA die extreme Armut um mehr als sechs Prozent reduziert.

Größere Märkte entscheidend für deutsche Unternehmen

Der BDI sieht in der afrikanischen Freihandelszone eine langfristige Erleichterung für Investitionen und Handel deutscher Unternehmen mit den über 50 afrikanischen Ländern. Denn nach wie vor sind die meisten Nationen – mit Ausnahme von Südafrika, Nigeria und Ägypten – zu klein, um einen attraktiven Markt für deutsche Unternehmen zu bieten.

EU-Afrika-Strategie muss Schwerpunkte setzen

Laut Peter Mathuki, Hauptgeschäftsführer des ostafrikanischen Industrieverbands EABC, sollte die Europäische Union (EU) in ihrer neuen Afrika-Strategie auf die folgenden Bereiche setzen: Schuldenerlass für afrikanische Staaten, Ausbau von Gesundheits- und Infrastruktursektor, Privatsektorförderung und Innovationen. Innovationen, beispielsweise im Bereich E-Commerce, könnten der Schlüssel für den Weg aus der Krise sein.