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"Wir müssen dringend die Entbürokratisierung vorantreiben"

Was treibt Sie persönlich an, sich als Europaabgeordnete zu engagieren?

Europa ist für mich die Verwirklichung eines Traums, der Menschen über Grenzen hinweg verbindet und vereint. Was mich darüber hinaus motiviert, sind die Menschen, die mich gewählt haben und die Europa als Hoffnung sehen. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass die EU eine Gemeinschaft ist, in der jeder eine Stimme hat und in der jede Entscheidung auf dem Fundament unserer gemeinsamen Werte und Visionen ruht.

Die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, sind global und komplex: Klimawandel, wirtschaftliche Unsicherheiten, Digitalisierung, Migration und soziale Gerechtigkeit. Diese Probleme kennen keine Grenzen und erfordern gemeinsames Handeln und solidarisches Engagement. Und genau hier sehe ich meine Rolle als Europaabgeordnete: Ich möchte aktiv an einer Zukunft zu arbeiten, in der diese Probleme gemeinsam auf Grundlage europäischer Werte gelöst werden.

Gleichzeitig weiß ich, dass unsere Arbeit in Europa oft im Verborgenen bleibt und viele wichtige Themen kaum Beachtung finden. Wir beschäftigen uns aber mit wesentlichen Fragen, die das tägliche Leben der Menschen direkt betreffen – von der Friedenssicherung bis zur Energieversorgung. Als Abgeordnete will ich dazu beitragen, Europa vor Ort für die Bürger erlebbar zu machen.

Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen, denen sich europäische Unternehmen in den kommenden Jahren stellen müssen?

Die größten Herausforderungen für europäische Unternehmen in den kommenden Jahren liegen nicht nur im grünen und digitalen Wandel, sondern auch in der Anpassung an eine multipolare Weltordnung inklusive der Herstellung von Resilienz und Cybersicherheit. Angesichts neuer globaler Machtzentren ist es entscheidend, ein faires „Level Playing Field“ im internationalen Handel zu schaffen. Hohe Arbeits-, Produktions- und Energiekosten belasten europäische Unternehmen zudem genauso erheblich wie der Fachkräftemangel, Rohstoffpreise und -knappheit. Nicht zu vergessen sind die enormen Herausforderungen, die durch Regulierung geschaffen worden sind über beispielsweise Berichts- und Informationspflichten.

Als Abgeordnete sehe ich es daher als meine Verantwortung an, diesen Herausforderungen mit einer entschlossenen Politik zu begegnen. Wir müssen dringend die Entbürokratisierung vorantreiben und die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken. Politik und Wirtschaft müssen dabei an einem Strang ziehen: Es geht darum, einen einfachen, fairen und klaren Regulierungsrahmen zu schaffen, der Innovation ermöglicht und Unternehmen in der Transformation unterstützt. Mit Tatendrang und Optimismus werde ich meinen Teil dazu beitragen, dass europäische Unternehmen auf globaler Ebene wettbewerbsfähig bleiben.

How to #PowerUpEurope: Wie möchten Sie Europa mit Ihrer Arbeit im Industrieausschuss konkret wieder zu einem attraktiven und starken Wirtschaftsstandort machen?

Die neue Legislatur steht in Europa unter dem Ziel der Wettbewerbsfähigkeit. Mit meinen industriepolitischen, umweltpolitischen und arbeitsmarktpolitischen Schwerpunkten in drei Ausschüssen werde ich mich mit voller Kraft diesem Ziel widmen.

Dieses Ziel der Wettbewerbsfähigkeit findet natürlich seinen Rahmen in der übergeordneten Zieldefinition der Förderung des Friedens, der europäischen Werte und des Wohlergehens der Bürger. Dieser Rahmen ist für mich von entscheidender Bedeutung, um die wirtschaftspolitischen Ziele der EU im Detail erreichen zu können.

Die Frage der Wettbewerbsfähigkeit dockt letztlich an der Frage der Realisierung der sozialen und wettbewerbsfähigen Marktwirtschaft, der Wirtschafts- und Währungsunion sowie des Binnenmarkts an. Als Parlamentarierin habe ich dabei drei Hebel, um zu dieser beizutragen: Gesetzgebung, Haushaltskontrolle und parlamentarische Kontrolle der EU-Kommission.

Über all diese Hebel werde ich mich dafür einsetzen, Europa zu einem attraktiven und starken Wirtschaftsstandort zu machen. Als Vollmitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) - betraut insbesondere mit dem Thema Energiepolitik - setze ich mich für die Rückkehr zu einer vertrauensbasierten Regulierung ein, die auf Technologieoffenheit setzt.

Ansprechpartner

Joscha Ritz

Chief Representative Europa, BDI e.V.

Sabrina Waizmann

Assistant BDI/BDA The German Business Representation, BDI e.V.