Artikel

Zur Zukunft des transatlantischen Verhältnisses

Datum
23.11.2015
von
Julia Callies (BDI), Joscha Ritz (BDI)

Eingangs betonte Engel die Bedeutung des transatlantischen Verhältnisses für die deutsche Wirtschaft. Allein auf deutsche Unternehmen entfielen in der US-Industrie mehr als 600.000 überdurchschnittlich gut bezahlte Jobs. Auch für die Chemieindustrie seien die USA mit Abstand das attraktivste Land der Welt. 130 deutsche Unternehmen produzierten in Amerika und erwirtschafteten dabei zuletzt einen Jahresumsatz von fast 50 Milliarden Euro.

Nachfolgend erinnerte Engel an die gemeinsame Geschichte und den amerikanischen Einfluss in Europa, insbesondere auch in Deutschland: „Ohne Amerika wäre der Wiederaufbau unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft nicht so zügig und erfolgreich verlaufen.“ Gleichzeitig verwies er auf das wachsende Interesse der USA für Asien und den pazifischen Raum nach Ende des Kalten Krieges. Das Transpazifische Handelsabkommen TPP zwischen Amerika und Asien stehe stellvertretend für diese Annäherung. Er forderte die Europäer deshalb auf, sich mittelfristig darauf vorzubereiten, eigene außen- und sicherheitspolitische Interessen durchzusetzen und Zuständigkeitskonflikte zu überwinden. „Entscheidend ist, dass Europa nach außen hin mit einer Stimme spricht“, so Engel. Er appellierte an Europa und dabei besonders an Deutschland, trotz der gegenwärtigen Spannungen Russland nicht weiter in die Isolation zu treiben. Russland müsse im Haus Europa ein großes Zimmer bekommen, so der Gastredner.

Mit Blick auf die Zukunft der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen stellte Engel die verbindenden Gemeinsamkeiten in den Vordergrund: „In Nordamerika ebenso wie in Europa leben und arbeiten wir in verlässlichen und demokratisch legitimierten Rechtsstaaten.“ Er forderte mehr Verständnis und Toleranz für politische, kulturelle und religiöse Unterschiede und eine verstärkte Berücksichtigung der gemeinsamen Herausforderungen und Interessen. Auch sprach er sich für eine sachliche öffentliche Diskussion zu TTIP aus und stellte klar: „Für einen plumpen Anti-Amerikanismus, der in dieser Debatte gerade auch in Deutschland immer wieder durchklingt, haben wir überhaupt keinen Raum!“ Das große Ganze dürfe nicht aus dem Blick verloren werden, dazu zählten „unsere gemeinsamen Interessen, unser Aufeinander-Angewiesen-Sein und unser gemeinsamer Wunsch, dass unsere fundamentalen Werte auch in der Welt der Zukunft Bestand haben werden.“