Skyline von Nairobi
Artikel

„Zwischen geopolitischen Umbrüchen und kontinentaler Wachstumsdynamik: Wie die USA die Aussichten Afrikas für 2026 beeinflussen“

Der öffentliche Rückzug der Vereinigten Staaten aus der Entwicklungszusammenarbeit und ihr Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben zu einem erheblichen Abbau der Gesundheitsprogramme in Afrika geführt – mit drastischen Folgen für die Bevölkerung. Die am „Liberation Day“ angekündigten Zölle, die auch für afrikanische Länder gelten und die Zollbefreiungsbestimmungen des African Growth and Opportunity Act (AGOA) außer Kraft setzen, vollendeten den Doppelschlag gleich zu Beginn von Trumps Amtszeit.

Das Ende von AGOA, der Startschuss für AfCFTA?

AGOA, das nach der Einführung der Zölle faktisch ausgesetzt wurde, läuft im September 2025 offiziell aus. Zwar wird 2026 im US-Kongress über eine Verlängerung verhandelt werden, doch ist es höchst fraglich, ob eine Einigung über eine Verlängerung letztendlich von Präsident Trump unterzeichnet wird.
Das Ende von AGOA könnte für die afrikanischen Länder jedoch auch der Auslöser für eine energischere Marktliberalisierung sein. Denn dadurch wächst der Druck auf die Regierungen, die Umsetzung der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) voranzutreiben, um die Auswirkungen externer Schocks auf den Kontinent abzufedern und den innerafrikanischen Handel zu stärken.
Ende letzten Jahres erreichte der Rat der afrikanischen Handelsminister mit der Einigung über Ursprungsregeln für Automobilprodukte einen weiteren Meilenstein. Gemäß der Vereinbarung müssen Fahrzeuge und Komponenten einen afrikanischen Anteil von mindestens 40 % aufweisen, wobei bis zu 60 % importierte (Nicht-Ursprungs-)Materialien für die AfCFTA-Handelspräferenzen „Made in Africa“ in Frage kommen. Dieser Rahmen berücksichtigt die derzeitige industrielle Basis Afrikas und ermöglicht gleichzeitig eine stärkere Lokalisierung sowie den Ausbau von Lieferketten in allen Regionen. Der Rat verabschiedete die Obergrenze von 60 % für den Wert der Materialien ohne Ursprungseigenschaft (VNOM), die nach fünf Jahren überprüft werden soll, und erkannte dies als vorübergehende Maßnahme zur Förderung des Wachstums der Lokalisierung und der industriellen Bereitschaft in allen Vertragsstaaten an.
Dennoch gibt es weit verbreitete Kritik am langsamen Tempo der Umsetzung der Freihandelszone. Im Jahr 2026 müssen die AfCFTA-Mitglieder ihre Anstrengungen verstärken, um ihre Märkte weiter zu integrieren. Nichttarifäre Handelshemmnisse, die auf eine unzureichende (digitale und physische) Infrastruktur zurückzuführen sind, erhöhen die Transportkosten und verlangsamen den regionalen Handel.

Afrikanischer Solarboom gewinnt an Fahrt

Eine weitere interessante Entwicklung, die man in Afrika im Jahr 2026 im Auge behalten sollte, ist der Ausbau der Solarstromproduktion. Der Kontinent profitierte vom Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China, der dazu führte, dass China seine Solarmodule auf afrikanischen Märkten verkaufte. Die Gesamtleistung der im September 2025 aus China importierten Solarmodule lag bei knapp 1.983 Megawatt – Tendenz steigend.
Sind die Netze staatlicher Energieversorger in afrikanischen Ländern unzuverlässig, könnten netzunabhängige oder Mininetz-Lösungen auch für private Haushalte interessant sein.
Der Ausbau der Solarenergie gewinnt insbesondere in Algerien, Sambia, Ruanda, Senegal, der Elfenbeinküste und Nigeria an Dynamik – Ländern, die zu den Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen gehören. Eine verbesserte Energieverfügbarkeit in diesen Ländern erhöht auch deren Attraktivität als Standorte für deutsche Unternehmen: Laut einer DIHK-Unternehmensbefragung haben Energiedefizite in afrikanischen Ländern den Marktzugang in der Vergangenheit oft erschwert.

Wachstum nicht durch Rohstoffe getrieben – sondern durch Rohstoffe

ermöglicht Der Rohstoffsektor wird auch eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie sich die afrikanische Wirtschaft im Jahr 2026 entwickelt. Im vergangenen Jahr kam es zu einem dramatischen Preisanstieg bei kritischen Rohstoffen wie Kobalt, Kupfer, Platin und Lithium, die auf dem afrikanischen Kontinent in großen Vorkommen zu finden sind. Bislang wurde das afrikanische Wirtschaftswachstum in erster Linie von den Rohstoffpreisen angetrieben. Rohstoffgetriebene Wachstumsschübe sind jedoch selten nachhaltig. Viele afrikanische Länder führen daher Exportverbote und „Local-Content“-Vorgaben ein, um nachgelagerte Wertschöpfungsstufen im Land zu etablieren. Der Aufbau von Verarbeitungskapazitäten könnte potenziell als Blaupause für die allgemeine Industrialisierung in afrikanischen Ländern dienen. Der Betrieb von Raffinerien, Verarbeitungsbetrieben und Produktionsstätten schafft Qualifikationen, die in anderen Industriezweigen genutzt werden können. Ebenso kann die einmal geschaffene industrielle Infrastruktur von einer Vielzahl von Sektoren genutzt werden.

Afrikanische Länder als Partner in einer zunehmend isolierten Welt

In einer Zeit, die von tiefgreifenden geopolitischen Umbrüchen geprägt ist, ist die Erschließung neuer Märkte im Globalen Süden für Deutschland und die EU von entscheidender Bedeutung, um wirtschaftliche Abhängigkeiten zu verringern, strategische Lieferketten zu stabilisieren und langfristigen politischen und wirtschaftlichen Handlungsspielraum zu sichern.
Eine vertiefte Partnerschaft mit afrikanischen Ländern eröffnet zudem erhebliches Wachstums- und Innovationspotenzial: Sie ermöglicht den Zugang zu dynamischen Absatzmärkten, fördert die gemeinsame Wertschöpfung und stärkt gleichzeitig die geopolitische Position Deutschlands und der EU in einer zunehmend volatilen Weltordnung.

Ansprechpartner

Jonathan Kaupenjohann

Referent Internationales
BDI e.V.