
Potenziale der Zuwanderung nutzen
Deutschland ist eines der ältesten Länder der Welt. Der demografische Wandel ist bereits deutlich spürbar und wird in den kommenden Jahren - wenn nach und nach die sog. Babyboomer in Rente gehen - noch stärkere Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Gut qualifizierte Fachkräfte bilden jedoch eine wichtige Voraussetzung für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland.
Notwendig ist ein in sich stimmiges Gesamtkonzept zur Erschließung aller inländischen Potenziale sowie die Zuwanderung von Fach- und Arbeitskräften auch aus dem EU-Ausland. Denn Migration aus der EU kann das Fachkräfteproblem der deutschen Wirtschaft auf Dauer nicht lösen, da viele EU-Länder selbst vom demografischen Wandel betroffen sind.
Das inländische Arbeitskräftepotenzial, u. a. von Frauen, Älteren, Langzeitarbeitslosen oder Menschen mit Migrationshintergrund, muss noch besser mobilisiert werden. Weitere Fortschritte bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden vor allem Frauen eine vollzeitnähere Tätigkeit ermöglichen. Frühverrentungsanreize und das Ziel, ältere Menschen länger im Arbeitsleben zu halten, passen nicht zusammen.
Mehr Erwerbsmigration nach und weniger Abwanderung aus Deutschland sind weitere Bausteine, um Fachkräfteengpässen zu begegnen. Die gesetzlichen Änderungen in den letzten Jahren gehen an vielen Stellen in die richtige Richtung und können einen Beitrag zur Linderung des Arbeits- und Fachkräfteproblems leisten. Allerdings gilt nach wie vor: Die Erwerbsmigration nach Deutschland steht und fällt mit einer funktionierenden Migrationsverwaltung. Die Reform wird nur wirken können, wenn es gelingt, die praktische Umsetzung deutlich und zügig zu verbessern. Die Verwaltungsverfahren müssen spürbar vereinfacht, beschleunigt und digitalisiert werden. Sonst laufen auch die rechtlichen Neuerungen ins Leere. Für ausländische Fachkräfte muss Deutschland zudem insgesamt ein attraktiver Standort werden. Hierfür ist auch eine gelebte Willkommenskultur entscheidend.
Unabhängig von der arbeitsmarktorientierten Zuwanderung zur Sicherung der Arbeits- und Fachkräftebasis der deutschen Wirtschaft ist die Zuwanderung von Geflüchteten. Sie ist Ausfluss des grundrechtlich geschützten Asylrechts und der Genfer Flüchtlingskonvention. Damit ist sie kein Ersatz für eine gesteuerte Erwerbsmigration als Antwort auf den Fachkräftebedarf deutscher Unternehmen. Dennoch ist es richtig, diejenigen, die ein Bleiberecht in Deutschland haben, möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
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