Digitalisierung erhöht Handlungsbedarf bei der Rohstoffsicherung

Lithium Salzkristalle © Fotolia/philphamphoto

Ohne eine sichere Rohstoffversorgung keine Zukunftstechnologien „Made in Germany“ – so lautete die zentrale Erkenntnis des fünften BDI-Rohstoffkongresses. Digitalisierung und Energiewende werde die Nachfrage nach Rohstoffen wie etwa Seltenen Erden oder Lithium deutlich verstärken.

„Ausgerechnet für etliche dieser Rohstoffe ist die sichere Versorgung der Industrie in Gefahr”, machte BDI-Präsident Ulrich Grillo deutlich. Sorge bereiten der Industrie insbesondere die Handels- und Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Eingriffe in die Rohstoffmärkte. Bei einzelnen Rohstoffen ist fast das komplette weltweite Angebot von Ausfuhrbeschränkungen betroffen. So gelten Zölle, Quoten und Exportverbote bei Seltenen Erden, Antimon und Wolfram für mehr als 90 Prozent der Weltproduktion. „Die Bundesregierung muss sich aktiv für den Abbau staatlicher Handelsbeschränkungen auf Rohstoffe einsetzen”, forderte Grillo.

Auf dem fünften BDI-Rohstoffkongress mit dem Fokus auf „Rohstoffsicherung 4.0” diskutierten mehr als 300 Gäste aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über die Herausforderungen bei der Rohstoffsicherung und die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Rohstoffbedarf. Hans-Joachim Welsch, Vorsitzender des BDI-Ausschusses für Rohstoffpolitik, benannte die Digitalisierung und die Umsetzung der „Industrie 4.0“ als die zentralen Herausforderungen in den kommenden Jahren. Diese würden die gesamte Wertschöpfungskette betreffen – auch den Rohstoffbedarf. Es sei daher wichtig, sich frühzeitig mit den daraus resultierenden Chancen und Herausforderungen für die deutsche Industrie auseinanderzusetzen.

Passend dazu hatte das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung im Auftrag der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) im Rahmen einer Studie untersucht, nach welchen Rohstoffen die Nachfrage bedingt durch Zukunftstechnologien steigen wird. Die Ergebnisse der Studie wurden im Rahmen der Diskussion aufgegriffen. So könnte die Nachfrage nach Lithium bis zum Jahr 2035 auf beinahe das Vierfache der heutigen Produktion steigen. Lithium ist ein zentraler Rohstoff für das Gelingen der Energiewende: Es findet Einsatz in leistungsfähigen Batterien in der Elektromobilität und um Strom aus Wind und Sonne zu speichern. Der erwartete Nachfrageboom wirkt sich bereits heute am Rohstoffmarkt aus: Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Lithiumpreis verdreifacht.

Der Mehrbedarf der Industrie an kritischen Rohstoffen lasse sich dabei nicht allein mit mehr Recycling und ressourceneffizienter Produktion auffangen. „In der nationalen Rohstoffstrategie muss die Versorgung der deutschen Industrie mit Primärrohstoffen wieder stärker in den Vordergrund rücken“, betonte Grillo. Dies gelte für Rohstoffe aus dem Inland und dem Ausland gleichermaßen.

Heimische Rohstoffe sind wichtig, aber nicht sexy

Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel hob in seiner Rede ebenfalls die Bedeutung der heimischen Rohstoffgewinnung hervor. Er rief dazu auf, den heimischen Rohstoffen wie Kalisalz, Kies und Sand mehr Beachtung zu schenken, auch wenn diese „nicht so sexy sind wie Seltene Erden“. Diese trügen zum Wohlstand des Landes bei und sicherten tausende Arbeitsplätze. „Der Blick auf die eigene Rohstoffbasis darf uns nicht verloren gehen”, gab Gabriel zu Bedenken. Er mahnte aber auch die „Verantwortung gegenüber Menschen und der Umwelt in den Herkunftsländern“ an, die Deutschlands Importabhängigkeit mit sich brächte. Gabriel sprach dabei explizit den Umgang mit sogenannten Konfliktrohstoffen an, die in der DR Kongo zur Finanzierung von bewaffneten Konflikten beitrügen.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka prognostizierte in ihrer Eröffnungsrede am Vormittag, dass die Digitalisierung nachhaltige Auswirkungen auf den Rohstoffbedarf der Industrie haben werde. Das Bundesforschungsministerium fördere daher etwa im Rahmen des 2012 gestarteten Programms „Wirtschaftsstrategische Rohstoffe für den High-Tech-Standort Deutschland” Forschungsprojekte und Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Rohstoffen. Ziel des Programms ist die effiziente Gewinnung und Nutzung sowie der Ausbau des Recyclings von wirtschaftsstrategischen Rohstoffen.

Abgerundet wurde das Programm des Rohstoffkongresses mit einem vielfältigen Angebot von Ausstellungsständen. Dort konnten sich die Kongressteilnehmer über BDI-Mitgliedsverbände, Unternehmen und weitere Initiativen im Rohstoffbereich sowie ihre jeweiligen Beiträge zur Sicherung der Rohstoffversorgung informieren.