Europäische KMU-Definition zukunftsfest machen

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Die EU-Kommission plant, die Definition von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu reformieren. Der BDI wirbt für eine Orientierung an relevanten Größenordnungen bei Personal und Finanzen sowie für die Einführung qualitativer Kriterien. Geprüft werden soll auch, ob kleine, mittelgroß kapitalisierte Unternehmen (Small-Mid Caps) berücksichtigt werden sollten.

Die EU-Kommission kündigte im Juli 2017 eine Reform der KMU-Definition an. Aktuell gilt eine Empfehlung mit rein quantitativen Kriterien: Ein Unternehmen zählt zu den KMU, wenn es nicht mehr als 249 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro erwirtschaftet oder eine Bilanzsumme von maximal 43 Millionen Euro aufweist. Die Schwellenwerte gelten für Einzelunternehmen. Ist ein Unternehmen Teil einer Gruppe, sind je nach Höhe der Beteiligung auch Mitarbeiterzahl und Umsatz bzw. Bilanzsumme der Gruppe zu berücksichtigen.

Eine Reform steht an, weil die finanziellen Schwellenwerte seit 2005 unverändert sind und Unternehmen rein inflationsbedingt aus der europäischen KMU-Politik herausfallen. Zusätzlich führt die aktuelle Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs zu rechtlicher Unsicherheit, die gerade mittelständische Unternehmen besonders belastet. Zudem wurde die KMU-Förderung z.B. durch den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) weiterentwickelt.

Für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der EU sowie für Investitionen, Arbeitsplätze und Wachstum vor Ort, bietet eine praxisnahe und zukunftsfeste KMU-Definition vielfältige Chancen. Um den Kreis der Begünstigten stärker an die Besonderheiten des deutschen Mittelstands anzunähern, wirbt der BDI dafür, die quantitativen Kriterien deutlich zu erhöhen, deren enge Verknüpfung zu lösen und künftig auch qualitative Kriterien – etwa mit Blick auf Eigentum, Führung und Kontrolle – einzubeziehen.

Sollte keine klare Reform der KMU-Definition gelingen, könnten ergänzend zu KMU auch kleinere Unternehmen mit mittelgroßer Kapitalisierung („Small-Mid Caps“) und bis zu 500 Mitarbeitern als Kategorie etabliert und in ausgewählte EU-Politiken – etwa in der Umwelt-, Klima oder Außenwirtschaftspolitik –berücksichtigt werden.

Der BDI unterstützt damit inhaltlich die Bundesregierung, die im Koalitionsvertrag (Zeilen 2884-2887) eine angemessene Abgrenzung für KMU bei bis zu 500 Mitarbeitern sieht, „damit mehr Unternehmen von europäischen Berichtspflichten entlastet werden“.