Familienunternehmen – wer sie sind und was sie ausmacht

Im Familienunternehmen ist der Chef meist auch Eigentümer. © Fotolia/industrieblick

Als traditionsbewusste Innovatoren und attraktive Arbeitgeber prägen Familienunternehmen die deutsche Wirtschaft. Rund 95 Prozent aller Unternehmen in Deutschland liegen – auf die eine oder andere Weise – in der Hand von Familien. Langfristigkeit prägt ihr wirtschaftliches Handeln. Sie denken nicht in Quartalen, sondern planen für Generationen. Ziel ist, das Unternehmen gut aufgestellt an die nächste Generation zu übertragen.

Mit Blick auf Unternehmen in der Hand einzelner oder mehrerer Familien unterscheidet die Wissenschaft zwischen familien-kontrollierten und familien-geführten Unternehmen. In familienkontrollierten Unternehmen halten bis zu zwei natürliche Personen oder ihre Familienangehörigen mindestens 50 Prozent der Anteile eines Unternehmens. In familiengeführten Unternehmen gehören diese natürlichen Personen darüber hinaus der Geschäftsführung an.

Diese nüchterne Betrachtung macht auf zwei – durchaus auch emotional relevante – Aspekte aufmerksam:

  1. Die Eigentümerstruktur ist von zentraler Bedeutung, und
  2. die Geschäftsführung ist häufig durch den Inhaber geprägt.

Diese Besonderheiten führen zu einer Reihe typischer Charakteristika. Viele Familienunternehmen in der Industrie werden bereits in zweiter oder dritter Generation geführt. Das, was über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte aufgebaut wurde, gilt es für die Gesellschafter zu halten und auszubauen. Langfristige Stabilität steht für Familienunternehmer daher vor kurzfristiger Rendite – durchaus im Unterschied zu mancher Publikumsgesellschaft.

Das Streben danach, den Unternehmensbestand auf lange Sicht zu sichern, ist ein zentrales Kennzeichen von Familienunternehmen und macht sie langfristig erfolgreich. So erwirtschaften allein die rund 4.500 größten Familienunternehmen in Deutschland mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz ein Fünftel der Gesamtumsätze aller deutschen Unternehmen. Der unternehmerische Erfolg schlägt sich auch gesellschaftlich nieder. Denn Familienunternehmen bieten einem Sechstel aller Beschäftigten einen attraktiven Arbeitsplatz mit verlässlichem Einkommen.

Eine weitere Besonderheit ist die Einheit von Risiko und Haftung. Sie zwingt Familienunternehmen, stets mit Umsicht zu handeln, denn sie sind für unternehmerische Entscheidungen auch persönlich verantwortlich. Nachhaltigkeit steht daher vor kurzer Gewinnmaximierung. Gleichzeitig gilt: Befinden sich Eigentum und Leitung in einer Hand, können Entscheidungen flexibler und verlässlicher getroffen werden. Für Manche ist das ein guter Grund, mittelständische Familienunternehmen als Arbeitgeber zu bevorzugen.

Anteile der Familienunternehmen in Deutschland

An allen Unternehmen, an der Gesamtbeschäftigung und am gesamten Umsatz

Quelle: Stiftung Familienunternehmen; ZEW © Statista 2018