Tanja Gönner bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz des BDI 2026
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Deutschland bleibt beim Wachstum zurück

Deutschland bleibt beim Wachstum zurück

„Die Außenwirtschaft wird das Wachstum in diesem Jahr erneut bremsen. Deutschland bleibt im EU-Vergleich unter dem Wachstum anderer Länder", warnt BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner in ihren Ausführungen zur Konjunktur. Die Weltwirtschaft wächst voraussichtlich um drei Prozent, die USA um zwei Prozent, China um 4,5 Prozent.

Zur Vertiefung dessen, was Herr Leibinger ausgeführt hat: Ein Indikator zeigt besonders deutlich, wie angespannt die Situation in der Industrie weiterhin ist: Die Produktionskapazitäten waren zu Beginn des vierten Quartals 2025 nur zu gut 78 Prozent ausgelastet. Das waren 5,4 Prozentpunkte weniger als im langjährigen Durchschnitt. Und das ist keine Momentaufnahme: Wir stecken derzeit in der bisher längsten Phase der Unterauslastung. Das bedeutet konkret: Maschinen stehen still, Produktionspotenzial bleibt ungenutzt, Investitionen werden aufgeschoben, Beschäftigung wird abgebaut.

2025 ist Deutschlands Bruttoinlandsprodukt mit 0,2 Prozent ein wenig gewachsen. Dass die Wirtschaft nicht das dritte Jahr in Folge geschrumpft ist, obwohl Investitionen in Ausrüstungen das dritte und Bauinvestitionen das fünfte Jahr in Folge gesunken sind und wir auf den Exportmärkten starken Gegenwind hatten, verdanken wir der relativ starken Binnennachfrage.

Für 2026 erwarten wir ein Anziehen des Wachstums auf ein Prozent, wie Herr Leibinger schon sagte. Vorausgesetzt, dass die angedrohten US-Zölle nicht kommen. Im Detail werden die Konsumausgaben und die Investitionen in sonstige Anlagen – also in Forschung und Entwicklung und Patente - voraussichtlich zulegen. Bei den Ausrüstungsinvestitionen zeichnet sich nach zwei Jahren Flaute ein Wachstum von 4 Prozent ab. Das sind aber zunächst vor allem Ersatzinvestitionen, weniger wachstumsstärkende Erweiterungsinvestitionen. Bei den Bauinvestitionen deutet sich nach vier Jahren Schrumpfung eine allmähliche Erholung von plus 3 Prozent an, gestützt durch die staatlichen Investitionsprogramme und erste Anzeichen einer Belebung im Wohnungsbau.

Aber: Die Außenwirtschaft wird das Wachstum in diesem Jahr erneut bremsen. Auch hier schon: ohne die nun im Raum stehenden neuen Zölle. Die Exporte dürften nur um etwas mehr als ein halbes Prozent zulegen, während die Importe mit plus 2,5 Prozent deutlich stärker wachsen. Die Weltwirtschaft wird nach unserer Einschätzung dieses Jahr voraussichtlich um drei Prozent und damit relativ schwach wachsen, der Euroraum voraussichtlich um 1,1 Prozent und die EU insgesamt um 1,4 Prozent. Wir bleiben also auch im EU-Vergleich unter dem Wachstum andere Länder, rücken aber zumindest in das untere Mittelfeld auf. Für die USA rechnen wir mit 2 Prozent Wachstum, getragen unter anderem durch Investitionen in KI. China dürfte mit 4,5 Prozent zulegen.

Die leichten Aufwärtsbewegungen, die wir sehen, sind kein Grund zum Aufatmen. Sie sind ein Signal, dass wir uns langsam in die richtige Richtung bewegen, aber nur, wenn wir jetzt konsequent unsere strukturellen Probleme angehen, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Denn letztlich geht es auch darum, dass Vertrauen entsteht, dass es hier vorangeht. Dann werden langsam auch wieder private Investitionen erfolgen.

Tanja Gönner bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz des BDI 2026
©Christian Kruppa
Ansprechpartner

Jonas Rautenberg

Referent Kommunikation, BDI e.V.