Die Circular Economy ist für die deutsche Industrie mehr als ein Nachhaltigkeitskonzept. Sie ist ein strategischer Hebel, um die Resilienz des Industriestandorts zu stärken. Hohe Importabhängigkeiten, wachsende geopolitische Risiken und absehbare Angebotsengpässe bei kritischen Rohstoffen erhöhen die Verwundbarkeit linearer Wertschöpfungssysteme. Gerade für Zukunftstechnologien wird Rohstoffsicherheit damit zu einem zentralen Wettbewerbs- und Stabilitätsfaktor.
Nahezu vollständige Importabhängigkeit bei Schlüsselrohstoffen
Die deutsche Industrie ist bei Schlüsselmaterialien für Zukunftstechnologien hochgradig von Importen abhängig. Bei Rohstoffen wie Lithium, Nickel, und Seltenen Erden liegt die Importquote bei nahezu 100 Prozent. Dabei sind sie Schlüsselmaterialien für Batterien, Halbleiter, Windturbinen, Elektrofahrzeugen oder die Verteidigungsindustrie.
Bei seltenen Erden lag der Importanteil aus China im Jahr 2024 bei 66 % und damit deutlich über dem EU‑Durchschnitt. Diese Rohstoffe sind tief in industrielle Produktionsprozesse integriert – häufig bereits in Zwischenprodukten – und ihr Einsatz nimmt weiter zu. Auch in kleinen Mengen können sie Produktionsprozesse maßgeblich beeinflussen und sind für viele industrielle Anwendungen unverzichtbar, etwa für Permanentmagnete in der Fahrzeugindustrie.
Kritische Abhängigkeit von ausgewählten Schlüsselrohstoffen
Nahezu vollständige Importabhängigkeit bei Lithium, Nickel und Seltene Erden – Seltene Erden zu zwei Drittel aus China.

Importabhängigkeit gefährdet den Industriestandort
Der industrielle Wohlstand der Exportnation Deutschland basiert wesentlich auf einem sicheren, wettbewerbsfähigen Zugang zu Rohstoffen. Gleichzeitig zählt Deutschland mit einem Importanteil von rund 40 % am Bruttoinlandsprodukt zu den offensten Volkswirtschaften der Welt und weist im europäischen Vergleich eine der höchsten Importquoten unter großen Industrieländern auf.
Diese starke Importabhängigkeit geht mit zunehmenden Risiken einher. Volatile Rohstoffpreise erhöhen die Kapitalbindung und erschweren Investitions- und Produktionsplanung. So stiegen die Preise für Kupfer und Aluminium in den vergangenen fünf Jahren um rund 60 %; der Kupferpreis schwankte zwischen 2020 und 2024 um bis zu 2.500 Euro pro Tonne. Vergleichbare Volatilitäten zeigen sich bei Lithium und Nickel. h
Zugleich gewinnt die geopolitische Dimension der Rohstoffversorgung an Bedeutung. Kritische Rohstoffe werden zunehmend zum politischen Machtfaktor, etwa durch Exportrestriktionen oder neue Zollregime. Die EU hat hierauf mit dem Critical Raw Materials Act reagiert, der kritische und strategische Rohstoffe definiert und Unternehmen verpflichtet, Lieferkettenrisiken systematisch zu bewerten.
Angebotsengpässe verschärfen den Handlungsdruck
Die strukturellen Risiken werden sich weiter verschärfen. Die Nachfrage nach kritischen und strategischen Rohstoffen steigt deutlich – getrieben durch Energiewende, Digitalisierung, Elektromobilität und geopolitische Sicherheitsanforderungen. Bereits heute bezieht Deutschland jährlich mehr als 8 Mio. Tonnen kritische Rohstoffe.
Gleichzeitig stößt das Primärrohstoffangebot zunehmend an Grenzen. Die Kombination aus steigender Nachfrage, begrenzten Förderkapazitäten, geopolitischen Spannungen und langen Vorlaufzeiten für neue Projekte erhöht das Risiko, dass der Bedarf an kritischen Mineralien perspektivisch nicht mehr durch das Primärangebot gedeckt werden kann. Diese Entwicklung verschärft bestehende Abhängigkeiten und erhöht die Krisenanfälligkeit linearer Wertschöpfungsmodelle.
Take-away
Deutschlands nahezu vollständige Importabhängigkeit bei Schlüsselrohstoffen wird angesichts geopolitischer Risiken, Preisschwankungen und steigender Nachfrage zu einem strukturellen Standortrisiko. Ohne Gegenmaßnahmen drohen wachsende Versorgungsengpässe, die Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie spürbar schwächen.
