Elektroauto – die Zukunft kann kommen

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Elektromobilität ist ein Baustein zu einem nachhaltigen und ressourcenschonenden Mobilitätssystem – und bietet enorme Chancen für den Standort Deutschland.

Bis Ende 2017 wurden rund 131.000 Elektroautos neu in Deutschland zugelassen, Tendenz steigend. Damit weist Deutschland für 2017 mit 54.617 Neuzulassungen, weltweit prozentual die höchste Wachstumsrate von 117 Prozent auf. Und allein im August 2018 beliefen sich die Neuzulassungen von batterieelektrischen Fahrzeugen und Plug-in-Hybriden auf rund 5.900 Elektrofahrzeuge.

Auch international gewinnt die Elektromobilität immer weiter an Bedeutung – sie ist ein Schlüssel zu einem nachhaltigen und ressourcenschonenden Mobilitätssystem. Die Vorteile liegen auf der Hand. Mit Strom betriebene Fahrzeuge verbinden Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz auf intelligente Weise. Verglichen mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor wird durch den Antrieb mit Strom der Ausstoß von Kohlendioxid oder Stickoxiden vollständig vermieden. Elektroautos brauchen keinen Partikelfilter und keine Abgasuntersuchung.

Innovative Fahrzeug- und Antriebstechnologien

Damit weisen Elektrofahrzeuge den Weg in eine nachhaltigere Mobilität. Am Markt durchgesetzt haben sich aktuell drei verschiedene Antriebsformen. Gemeinsames Merkmal ist, dass die Batterien der Fahrzeuge direkt über das Stromnetz wieder aufgeladen werden können. Bei einem rein batteriebetriebenen Fahrzeug („BEV“) kommt die Energie für den Antrieb ausschließlich aus der Batterie. Hybridfahrzeuge kombinieren dagegen einen verbrennungs- und einen elektromotorischen Antrieb. Hierzu zählen Plug-in-Hybride („PHEV“), die eine Batterie beim Fahren über den Motor aufladen und die Batterie auch als Speicher von Bremsenergie nutzen. Beim Range Extended Electric Vehicle („REEV“) erzeugt ein Verbrennungsmotor bei Bedarf mittels eines Generators Strom für den Elektromotor und kann so die Reichweite deutlich verlängern. Daneben zählen auch Brennstoffzellenfahrzeuge („FCEV“) zu den Elektrofahrzeugen, die direkt an Bord die chemische Energie von Wasserstoff in elektrische Energie umwandeln.

Modellvielfalt – Symbol für einen Politikwandel

Die deutschen Hersteller zählen mit 33 elektrischen Serienmodellen im ersten Quartal 2018 zu den internationalen Leitanbietern. Keine andere Automobilnation weist eine vergleichbare Vielfalt über alle Fahrzeugsegmente hinweg auf. Jedes dritte Patent weltweit im Bereich Elektromobilität stammt aus Deutschland. Die Investitionen in die Weiterentwicklung der Elektromobilität durch die Bundesregierung - 2,2 Milliarden hat die Bundesregierung dafür bis September 2017 ausgegeben - und Automobilindustrie und Zulieferer - bis 2020 rund 40 Milliarden Euro - zahlen sich aus.

Um die Verbreitung zu erhöhen, Innovationen zu beschleunigen und Marktbarrieren zu überwinden, unterstützt die Bundesregierung die Elektromobilität mit einer Reihe von Maßnahmen. Damit Deutschland als starkes Exportland auch bei der Elektromobilität seine weltweite Spitzenposition behauptet, haben Industrie, Wissenschaft, Gewerkschaften, Zivilgesellschaft und Politik ihre Kompetenzen seit 2010 in der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ (NPE) gebündelt. Im September 2018 hat die NPE ihren Fortschrittsbericht 2018 vorgelegt. Die Arbeit der NPE wird künftig in der "Nationalen Plattform 'Zukunft der Mobilität'" weitergeführt.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor

Elektromobilität ist marktreif. In keinem anderen Land steht den Kunden dabei eine solche segmentübergreifende Fahrzeugvielfalt zur Auswahl. Auch das Stromtankstellennetz wird zunehmend dichter. Rund 13.500 öffentlich zugängliche Ladepunkte stehen bundesweit zur Verfügung, vor allem in und um Ballungsgebiete. Schritt für Schritt formiert sich ein junger, noch kleiner Markt mit einer hohen Marktdynamik. Elektromobilität ist dabei ein Bestandteil eines sich neu entwickelnden modularen Mobilitätskonzeptes. Dennoch bleibt bis zum Jahr 2020 / 2022 viel zu tun.

Deutschland schließt zu den internationalen Leitmärkten für Elektromobilität auf. Das Ziel von 1 Million Elektrofahrzeugen wird nach aktuellen Prognosen der an der NPE beteiligten Expertinnen und Experten voraussichtlich im Jahr 2022 erreicht. Im Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität hatte die Bundesregierung bereits im Jahr 2009 das Ziel definiert, dass bis zum Jahr 2020 1 Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren sollen. Die tatsächliche Marktentwicklung zeigt jedoch, dass sich diese Zielerreichung bei einem Fortbestehen der derzeitigen Marktdynamik voraussichtlich auf das Jahr 2022 verschieben wird. Für die Abweichung im Hochlaufmodell der NPE gibt es verschiedene Gründe. Dazu zählen unter anderem die mangelnde breitere zeitnahe Verfügbarkeit von Fahrzeugmodellen, die spätere Umsetzung des Förderprogramms zum Aufbau der Ladeinfrastruktur, fehlende rechtliche Rahmenbedingungen und die zeitliche Verzögerung bei der Implementierung des Umweltbonus. Darüber gilt es, die Kunden künftig stärker von der Attraktivität des Gesamtsystems Elektromobilität zu überzeugen.

Neue Regeln für die Wertschöpfung

Für Deutschland bedeutet Elektromobilität die Herausforderung, seine Spitzenposition als Industrie-, Wissenschafts- und Technologiestandort zu sichern und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Chancen ergeben sich in den Industriesegmenten, die entsprechendes Wissen über die künftigen Schlüsseltechnologien wie zum Beispiel Batterieentwicklung, Fahrzeugbau oder innovative Werkstofftechnologien im Unternehmen verankern. So tragen zum Beispiel Verbundwerkstoffe im Leichtbau zur Gewichtsreduzierung – sei es bei der Fahrzeugkarosserie, Felgen oder im Interieur – und somit zur Reichweitenverlängerung bei Elektrofahrzeugen bei.

Die sich daraus ergebenden Wertschöpfungsketten zeichnen sich heute wie künftig durch die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Industriebranchen aus: von Automobil, Stahl, Metalle, Chemie und Energie über Elektronik und Elektrotechnik bis hin zu Informations- und Kommunikationstechnologie, Textil und Glas. Darüber hinaus liefert die Elektromobilität wichtige Impulse für weitere Branchen. Batteriebetriebene Fahrzeuge benötigen eine eigene Ladeinfrastruktur, für Brennstoffzellenfahrzeuge müssen Wasserstofftankstellen bereitstehen. Hinzu kommen neue digitale Serviceangebote rund um die Elektromobilität. Deshalb empfiehlt der Industriekreis Elektromobilität - ein Zusammenschluss relevanter Branchen für die Wertschöpfungskette Elektromobilität in Deutschland - in seinen "Empfehlungen der Wirtschaft zur Elektromobilität an den 19. Deutschen Bundestag" flankierende Rahmenbedingungen für den Innovationsstanort Deutschland, für die Energiepolitik, zur Zell- und Batterieproduktion, für Deutschland als Leitmarkt, für den öffentlichen und prvaten Ladeinfrastrukuraufbau sowie für den öffentlichen Personennah- und Wirtschaftsverkehr.