
AI Act Omnibus: KI als Baustein für Souveränität, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit
Am 7. Mai 2026 haben sich EU-Kommission, Rat und Europäisches Parlament auf ein Omnibus-Paket zum AI Act verständigt. Die Debatte um den AI Act ist mehr als eine reine Regulierungsfrage. Es geht um die Fähigkeit Europas, KI-Technologien in industrielle Anwendungen zu überführen und damit Wertschöpfung, Resilienz und technologische Souveränität nachhaltig zu sichern. Gerade vor dem Hintergrund globaler Wettbewerbsdynamiken kommt es darauf an, dass Europa regulatorische Ziele mit einer starken industriellen Basis verbindet. Der BDI setzt sich dafür ein, dass Unternehmen in Deutschland und Europa KI nicht nur entwickeln, sondern auch skalieren und in die Breite bringen können.
Konkrete Entlastungen für die Industrie
Die Fristen für Hochrisiko-Anwendungen werden auf Dezember 2027 (Anhang III) und August 2028 (Anhang I) verschoben. Das schafft mehr Realismus in der Umsetzung und gibt Unternehmen die notwendige Planungssicherheit – auch angesichts unfertiger harmonisierter Normen auf europäischer Ebene.
Zugleich wurde im Bereich der industriellen KI ein zentraler Zielkonflikt adressiert: KI-Systeme im Kontext der Maschinenverordnung werden künftig nicht mehr automatisch als Hochrisiko eingestuft. Damit wird eine wesentliche Doppelbelastung für Unternehmen reduziert. Auch die stärkere Verzahnung mit bestehenden sektoralen Regelwerken, Präzisierungen beim Hochrisikobegriff sowie Erleichterungen bei Konformitätsverfahren greifen konkrete Rückmeldungen aus der industriellen Praxis auf.
Weiterer Handlungsbedarf bleibt bestehen
Trotz dieser Fortschritte bleiben strukturelle Herausforderungen. In vielen Branchen besteht weiterhin das Risiko kumulativer Anforderungen aus horizontalem AI Act und sektorspezifischem Recht. Entscheidend wird daher sein, wie die neuen Regelungen im Detail ausgestaltet und umgesetzt werden. Genau diesen Prozess wird der BDI weiterhin eng begleiten und sich dafür einsetzen, verbleibende Unsicherheiten im Sinne der Unternehmen auszuräumen. Auch die sogenannten Digital Fitness Checks können dazu beitragen, weitere rechtliche Hürden für Unternehmen zu minimieren.
Physical AI: Nächste Entwicklungsstufe frühzeitig adressieren
Parallel zeigt sich bereits die nächste Entwicklungsstufe: KI entfaltet ihre Wirkung zunehmend direkt in der physischen Welt, etwa in Robotik, autonomen Systemen oder industriellen Anwendungen in Bereichen wie Mobilität, Gesundheit oder Verteidigung. Dieses Zusammenspiel von KI und physischer Infrastruktur („Physical AI“) wird zunehmend zu einem Schlüsselthema für Produktivität, Resilienz und technologischen Fortschritt.
Ausblick: Nächste regulatorische Weichenstellungen stehen an
Die Arbeit am AI Act Omnibus ist damit Teil eines größeren Gesamtbilds. Mit dem weiteren Digital Omnibus und Initiativen im Kontext eines europäischen Tech Sovereignty Package stehen bereits die nächsten Weichenstellungen an.
Polina Khubbeeva
BDI e.V.

Lukas Martin
BDI e.V.
