Handel mit Australien: Abkommen ist Signal – jetzt Tempo bei weiteren Handelsabkommen erhöhen
Wolfgang Niedermark, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung:
„Der BDI begrüßt den zu erwartenden Verhandlungserfolg zwischen der Europäischen Union und Australien über ein Freihandelsabkommen ausdrücklich. Das Abkommen ist wirtschaftlich und strategisch bedeutsam, auch wenn derzeit nur knapp ein Prozent der deutschen Exporte nach Australien gehen: Es stärkt den Marktzugang für europäische Unternehmen, insbesondere in den Sektoren Automobil, Maschinenbau, Konsumgüter und eröffnet konkrete Potenziale für deutsche Schlüsselindustrien, z. B. Batteriewertschöpfung, erneuerbare Energien, Infrastruktur. Es bindet Australien als wichtigen Partner im Indo-Pazifik wirtschaftlich eng an die EU und verstärkt die Annäherung der EU an die trans-pazifische Freihandelszone CPTPP.
Die Übereinkunft verbessert insbesondere den Zugang zu strategisch bedeutsamen Mineralien und Rohstoffen wie Lithium, Kobalt, Seltenen Erden, Wasserstoff. Australien ist aktuell der weltweit größte Produzent von Lithium und verfügt außerdem mit über die größten Kupferreserven der Welt. Das Abkommen sorgt für Planbarkeit auf beiden Seiten, Investitionen in höherwertige Wertschöpfung und einer Stabilisierung der Lieferketten.
Europa hat verstanden, dass es flexibler agieren muss – es besteht die Notwendigkeit für Mittelmächte sich zusammenzuschließen. Das Abkommen mit Australien zeigt: Die EU kann auch unter geopolitisch schwierigen Bedingungen schnell und erfolgreich Handelsabkommen abschließen. Dieses Tempo muss jetzt gehalten werden. Die EU sollte die laufenden Verhandlungen mit Malaysia, Thailand und den Philippinen zügig vorantreiben, um neue Marktchancen für die europäische Industrie zu erschließen. Das bereits ausverhandelte Freihandelsabkommen mit Indonesien muss auf EU-Seite nun zügig ratifiziert werden.
Erfolgreiche Abkommen mit weiteren ASEAN Staaten wie sie bereits mit Singapur und Vietnam bestehen wären ein wichtiger Schritt hin zu einem EU ASEAN Freihandelsabkommen und ein starkes Signal für offene Märkte.“
