Pressemeldung

Umfrage von Allensbach und BDI: Unternehmen investieren in Resilienz – strukturelle Risiken bleiben

Datum
15.06.2026

Die deutsche Industrie steigert angesichts geopolitischer Spannungen und struktureller Veränderungen ihre Resilienz. Das gilt für das Risikobewusstsein ebenso wie für konkrete Maßnahmen. In einer Befragung gaben 77 Prozent der Unternehmen an, bereits eine eigene Strategie zu haben, um ihre wirtschaftliche Resilienz zu stärken, weitere 16 Prozent bereiten eine solche vor. Gleichzeitig schätzen mehr als acht von zehn Unternehmen ihre Widerstandsfähigkeit als hoch ein. Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) hat im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) Entscheider in 154 Unternehmen des produzierenden Gewerbes mit mindestens 500 Mitarbeitern oder 100 Millionen Euro Jahresumsatz in Deutschland befragt.
„Die Unternehmen handeln längst und bauen ihre Resilienz systematisch aus“, sagte BDI-Präsident Peter Leibinger. „Wir sehen eine Industrie, die sich auf den Weg gemacht hat, in einer von Krisen geprägten Welt handlungsfähig zu bleiben.“

Unternehmen suchen eigene Lösungen, stoßen jedoch an systemische Grenzen
Die Unternehmen setzen breit an: Mehr als vier von fünf betreiben systematisches Risikomanagement oder diversifizieren ihre Bezugsquellen, rund zwei Drittel investieren in neue Produkte und Verfahren, mehr als die Hälfte baut gezielt höhere Lagerbestände auf. Diese Maßnahmen sind mit erheblichem Aufwand verbunden. Eine Mehrheit der Unternehmen bewertet die Aufwendungen, die die Unternehmen tragen, um ihre Resilienz zu stärken, als hoch.
Gleichzeitig bleiben strukturelle Risiken bestehen: Rund die Hälfte der Unternehmen sieht große Gefahren durch Störungen bei Energieversorgung, Lieferketten und Transportwegen. „Unternehmen können viel leisten, aber nicht im Alleingang. Gerade bei Energie, Infrastruktur und globalen Abhängigkeiten stoßen sie an systemische Grenzen“, so Leibinger.

Multikrisen erhöhen den politischen Handlungsdruck
Resilienz ist für die Industrie mittlerweile eine kontinuierliche Herausforderung, die immer neue Maßnahmen notwendig macht und Flexibilität erfordert. Gleichzeitig betreffen einige der größten Risiken zentrale Standortfaktoren, die teils oder gänzlich außerhalb des direkten Einflusses der Unternehmen liegen. „Wir reden nicht mehr über einzelne Krisen, sondern über eine neue Normalität von Störungen“, sagte Leibinger. „Deshalb umfasst unternehmerisches Handeln heute mehr denn je die konkrete Planung und Umsetzung von Widerstandsfähigkeit.“

Unternehmen sehen Nachholbedarf bei staatlichem Handeln
Aus Sicht der Unternehmen besteht insbesondere dort Handlungsbedarf, wo es um übergreifende Rahmenbedingungen geht. Viele Maßnahmen existieren bereits, greifen aber nicht ausreichend ineinander. „Es fehlt ein transparenter strategischer Handlungsrahmen und Plan, der die verschiedenen Instrumente bündelt und wirksam steuert“, so Leibinger. „Die Industrie handelt. Jetzt müssen auch die Akteure in der Politik wirtschaftlicher Resilienz nicht nur Priorität einräumen, sondern konkret Voraussetzungen schaffen, damit wir uns in Deutschland und Europa zu einem resilienten Wirtschaftsstandort entwickeln. Wir benötigen einen umfassenden Plan und eine konsequente Umsetzung.“

Wie politische Rahmenbedingungen zu resilienteren Unternehmen beitragen können, ist aus Sicht der Industrie klar. Größter Hebel sind Maßnahmen, die Unternehmen insgesamt entlasten: ein spürbarer Rückbau von Bürokratie, schnellere Verfahren sowie eine verlässliche Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen. Zudem sehen sie den Staat insbesondere bei Aufgaben gefordert, die Unternehmen nicht selbst leisten können, etwa, um umfassende Analyse strategischer Abhängigkeiten bereitzustellen oder den Aufbau von Frühwarn- und Krisenwarnsystemen und einen strukturierten Informationsfluss zwischen staatlichen Stellen und Unternehmen sicherzustellen.

Ansprechpartner

Andrea Stahl

Referentin Kommunikation
BDI e.V.