Brancheninsights
Deutschlands industrielle Kernbranchen stehen unter enormem Transformationsdruck. Die Steuerpolitik wird zunehmend zum entscheidenden Standortfaktor. Unternehmen aus Automobilindustrie, Chemie und Pharmasektor sowie Maschinenbau müssen gleichzeitig massiv in neue Technologien investieren, globale Wettbewerbsnachteile ausgleichen und immer komplexere steuerliche Vorgaben erfüllen. Die Faktenlage ist eindeutig: Die steuerliche Belastung in Deutschland bleibt im internationalen Vergleich hoch und strukturelle Hürden bremsen Innovationen aus. In den folgenden drei Deep Dives zeigt sich, wie stark die Auswirkungen in den einzelnen Branchen ausfallen und warum eine moderne, investitionsfreundliche Steuerpolitik zur Voraussetzung dafür wird, dass die industrielle Basis in Deutschland ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit behält.
Automobilindustrie
Die Automobilindustrie ist die Schlüsselbranche in Deutschland und leistet mit rund 725.000 direkt Beschäftigten und einem Gesamtumsatz von 528 Mrd. Euro im Jahr einen essenziellen Beitrag für Wohlstand und Beschäftigung. Um auch unter schwierigsten konjunkturellen Umständen und in einer Zeit multipler internationaler Krisen und Risiken weiter am Standort Deutschland erfolgreich sein zu können, brauchen die Unternehmen gerade im steuerlichen Bereich die bestmöglichen Rahmenbedingungen.
Die Standortschwäche ist keine Schwäche der deutschen Automobilindustrie. Im Gegenteil: Hersteller und Zulieferer stellen sich den Herausforderungen und investieren von 2026 bis 2030 weltweit 320 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung sowie 220 Mrd. Euro in Sachinvestitionen, insbesondere in die Werke. Alarmierend ist jedoch, dass inzwischen über die Hälfte dieser Investitionen auf Engagements der deutschen Unternehmen im Ausland zurückzuführen ist. Die Steuerpolitik ist daher mehr denn je gefordert, die Standortqualität für die Unternehmen in Deutschland zeitnah und substanziell weiter zu verbessern sowie strukturelle Vereinfachungen und Entlastungen insbesondere im Bereich der Unternehmensbesteuerung umzusetzen.
Chemie- und Pharmaindustrie
Trotz einer angespannten Ertragslage hat die Chemie- und Pharmaindustrie ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren weiter erhöht – auch wenn die Dynamik zuletzt, insbesondere in der Chemie, etwas nachgelassen hat. Der überwiegende Teil dieser Investitionen wird von den Unternehmen selbst finanziert und intern umgesetzt, ein starkes Zeichen für Eigeninitiative und langfristiges Innovationsengagement. Geforscht wird dabei über die gesamte Breite der Zukunftstechnologien hinweg, mit besonders hoher Forschungsintensität in der Pharmabranche. Insgesamt arbeitet bereits jeder zehnte Beschäftigte in Forschung und Entwicklung. Der Standort Deutschland bleibt damit ein zentraler Innovationsmotor. Damit das so bleibt, dürfen hohe Steuerlasten und bürokratische Hürden diese Stärke nicht ausbremsen – vielmehr braucht es international wettbewerbsfähige, verlässliche und zügig verbesserte steuerliche Rahmenbedingungen.
Maschinenbau
Der Maschinenbau bleibt ein zentraler Innovationstreiber: Mit einer Forschungs- und Entwicklungsquote von 4,4 % investiert die Branche kontinuierlich in neue Technologien und Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig zeigt der internationale Vergleich Nachholbedarf bei der staatlichen Unterstützung. Während in Deutschland nur rund 3,5 % der FuE-Ausgaben staatlich gefördert werden, liegt der Anteil in der EU bei etwa 5,7 %. Die steuerliche Forschungszulage wird bereits intensiv genutzt – 75 % der Maschinenbauunternehmen greifen darauf zurück, und zwar über alle Größenklassen hinweg. Das unterstreicht die hohe Innovationsbereitschaft der Branche. Damit Deutschland seine Position als Innovationsstandort sichern kann, braucht es jedoch bessere steuerliche Rahmenbedingungen und einen konsequenten Ausbau der steuerlichen Forschungsförderung.





















