
Das war die #MSC2026
Industrielle Stärke ist eine entscheidende Grundlage unserer Handlungsfähigkeit. Ohne sie verlieren wir Freiheit, Souveränität und Sicherheit.
Diese klare Botschaft brachte BDI-Präsident Peter Leibinger mit zur 62. Münchner Sicherheitskonferenz. Die aktuelle sicherheitspolitische Lage fordert Europa heraus: Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, wachsende geopolitische Spannungen und eine transatlantische Beziehung, die von Volatilität geprägt ist, verstärken den Druck auf Deutschland und Europa, seine Handlungs- und Verteidigungsfähigkeit aus eigener Kraft zu stärken.
Wie schon im vergangenen Jahr rückte die MSC die zentrale Frage in den Mittelpunkt, ob Europa bereit ist, die dafür nötige Geschwindigkeit, Prioritätensetzung und Entschlossenheit aufzubringen. Sicherheit ist nicht allein eine militärische, sondern eine industrielle Frage ist. Schlüsseltechnologien wie Raumfahrt, KI, Sensorik, Robotik und moderne Kommunikationssysteme, BioTech und MedTech entstehen überwiegend im zivilen Sektor – und müssen, ebenso wie Verteidigungsgüter, für Europas Verteidigungsfähigkeit schnell und im industriellen Maßstab verfügbar werden. Europas Fähigkeit, eigene Sicherheit herzustellen, hängt von einem leistungsfähigen industriellen Fundament ab, das im Krisenfall trägt. Das gilt insbesondere im Rüstungsbereich: Stärke in der Forschung reicht nicht, wenn es an Serienfertigung auf Grund zu geringer beauftragter Stückzahlen, verlässlichen Aufträgen und klaren politischen Entscheidungen fehlt.
Gleichzeitig unterstrichen die Gespräche in München die zunehmende Bedeutung diversifizierter internationaler Partnerschaften und globaler Resilienz. Entwicklungspolitik, wirtschaftliche Kooperation und sicherheitspolitische Stabilität greifen heute unmittelbar ineinander. Investitionen in Energieversorgung, Infrastruktur, Digitalisierung und lokale Wertschöpfung in Afrika, Lateinamerika und Asien tragen nicht nur zur Stabilität dieser Regionen bei, sondern stärken Europas eigene Widerstandsfähigkeit. Wer globale Verwundbarkeiten verringert, schützt letztlich auch die eigene Souveränität.
Besonders sichtbar wurde in diesem Jahr erneut die sicherheitspolitische Bedeutung des Weltraums – als Sicherheits- und Innovationsfaktor. Raumfahrt ist keine Nische mehr, sondern strategisches Handlungsfeld. Europas Rekordbeiträge zur ESA, die wachsenden Investitionen in militärische Weltraumfähigkeiten und Deutschlands erste Nationale Weltraumsicherheitsstrategie markieren einen neuen Anspruch. Die Branche wächst dynamisch und ist entscheidend für Kommunikation, Aufklärung und Resilienz. Der Blick richtet sich dabei zunehmend auf den Mond – ein Ort, der sich vom Symbol der Forschung zu einem geopolitisch relevanten Raum industrieller und technologischer Konkurrenz entwickelt.
Sicherheitspolitik reicht heute weit über klassische Verteidigungspolitik hinaus. Sie entsteht in Forschungsabteilungen, in Produktionshallen, in globalen Partnerschaften und in der Umlaufbahn. Die deutsche Industrie steht bereit, diesen umfassenden Sicherheitsbegriff mit Leben zu füllen. Damit Europa seine Freiheit schützen kann, braucht es den Mut zu klaren Entscheidungen – und eine übergeordnete Strategie, die industrielle Stärke, technologische Souveränität und internationale Kooperation zusammenführt.
