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Resilienz braucht Strategie – nicht nur Einzelmaßnahmen

Unternehmen investieren bereits erheblich in ihre eigene Widerstandsfähigkeit. Doch viele Risiken lassen sich nicht allein auf betrieblicher Ebene bewältigen. Eine aktuelle Allensbach-Studie im Auftrag des BDI zeigt: Aus Sicht vieler Unternehmen fehlt eine klare Vorstellung, wie ein resilienter Wirtschaftsstandort aussehen sollte ebenso wie eine übergreifende Strategie für den Weg dorthin. Gefragt sind klare Ziele, bessere Rahmenbedingungen und ein Staat, der dort handelt, wo Unternehmen an Grenzen stoßen.

Einzelne Maßnahmen wirken – ein Gesamtkonzept fehlt

Resilienz ist eine Gemeinschaftsaufgabe: die Rolle von Politik und staatlichen Institutionen sehen Unternehmen dabei differenziert: Sie bewerten einzelne staatliche Unterstützungsleistungen durchaus positiv. Aus Sicht vieler Betriebe fehlt jedoch eine übergeordnete Strategie, die unterschiedliche Instrumente bündelt und auf ein gemeinsames Ziel für den Wirtschaftsstandort ausrichtet. Das ist das zentrale Ergebnis der Umfrage „Wirtschaftliche Resilienz und Maßnahmen zu ihrer Stärkung“ des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag des BDI.

Besonders positiv beurteilen die Unternehmen Maßnahmen zur Erschließung neuer Bezugsquellen und Absatzmärkte – etwa durch internationale Partnerschaften oder Freihandelsabkommen. Mehr als die Hälfte der Befragten bescheinigt dem Staat hier gute Arbeit. Auch Förderprogramme werden anerkannt: Knapp die Hälfte bewertet die finanzielle Unterstützung durch nationale oder europäische Programme positiv, und mehr als ein Drittel nutzt entsprechende Förderinstrumente bereits.

Zudem funktioniert die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen dort, wo sie stattfindet, überwiegend reibungslos. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen arbeiten regelmäßig mit Ministerien oder Behörden zusammen – bei sehr großen Unternehmen ab 3.000 Beschäftigten sind es sogar fast zwei Drittel. Über 80 Prozent dieser Betriebe bewerten die Kooperation als gut oder sehr gut.

Defizite bei Risikoanalysen und Frühwarninformationen

Deutlich kritischer fällt die Bewertung dort aus, wo Unternehmen auf staatliche Informations- und Analyseleistungen angewiesen sind. Nur knapp ein Drittel der Befragten stellt dem Staat bei der Bereitstellung von Frühwarn- und Kriseninformationen ein gutes Zeugnis aus. Bei umfassenden Analysen wirtschaftlicher und technologischer Abhängigkeiten – etwa zu Länder-, Technologie- oder Exportkontrollrisiken – sinkt die Zustimmung sogar auf rund ein Viertel.

Gerade hier sehen viele Unternehmen eine originäre staatliche Aufgabe. Betriebe können Risiken in ihren eigenen Lieferketten analysieren. Die Synthese von Informationen verschiedener (staatlicher) Stellen zu Lagebildern, umfassende Bewertungen geopolitischer Entwicklungen, globaler Abhängigkeiten oder strategischer Risiken übersteigt ihre Möglichkeiten. Der Staat sollte diese Informationen erheben und teilen, denn sie sind für die Wirtschaft von hoher Bedeutung, aber nur begrenzt verfügbar.

Unternehmen erwarten bessere Rahmenbedingungen

Auf die offene Frage nach den wichtigsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen antworten die Führungskräfte mit klaren Prioritäten:

  • Gut ein Drittel fordert Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungsverfahren und Deregulierung.
  • Knapp 30 Prozent verlangen energiepolitische Korrekturen – allen voran die Senkung der Energiepreise (rund 20 Prozent) sowie mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit.

Resilienz entsteht nicht allein durch zusätzliche Regulierung oder neue Förderprogramme. Mindestens ebenso wichtig sind Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen, Innovationskraft stärken und unternehmerische Anpassungsfähigkeit fördern.

Regulierung kann Resilienz stärken – oder belasten

Die Studie zeigt ein klares Spannungsfeld. Einerseits sehen rund drei Viertel der Unternehmen ihre Resilienz durch mindestens eine der abgefragten deutschen oder europäischen Regelungen gestärkt. Beispiele sind etwa die KRITIS-Gesetzgebung zum Schutz kritischer Infrastrukturen oder Regelungen zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft.

Andererseits sieht fast die Hälfte der Unternehmen in staatlichen Resilienzmaßnahmen auch Risiken für den eigenen Betrieb. Dazu zählt vor allem zusätzlicher betrieblicher Aufwand durch komplexe Regelungen sowie steigende Kosten, beispielsweise durch höhere Anforderungen an die Lagerhaltung oder eine Rückverlagerung der Produktion. Besonders sehr große Unternehmen berichten überdurchschnittlich häufig von solchen Belastungen.

Politische Rahmenbedingungen, die Resilienz stärken wollen, sollten daher vor allem klare Ziele setzen, praktikabel umsetzbar sein und die Wettbewerbsfähigkeit nicht unnötig belasten.

Resilienz braucht ein gemeinsames Zielbild

Unternehmen übernehmen bereits heute Verantwortung und investieren erheblich in ihre eigene Widerstandsfähigkeit. Viele zentrale Risiken – von geopolitischen Konflikten über Energieversorgung bis hin zu kritischen Abhängigkeiten – können sie jedoch nicht allein beherrschen. Staatliches Handeln kann einen echten Mehrwert schafft für einen resilienten Standort schaffen: bei strategischen Risikoanalysen, verlässlichen Frühwarnsystemen, wettbewerbsfähigen Energiepreisen und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen.

Die Umfrage zeigt jedoch auch: Es fehlen Antworten auf grundlegende Fragen. Welche Abhängigkeiten sollen in den kommenden Jahren gezielt reduziert werden? Welche Kapazitäten müssen Deutschland und Europa langfristig sichern? Welche Risiken sind akzeptabel – und welche nicht?

Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben und eine übergeordnete politische Strategie fehlt, können einzelne Maßnahmen ihre volle Wirkung nicht entfalten. Gefragt ist daher kein kleinteiliges Mikromanagement und ein Sammelsurium einzelner Maßnahmen, sondern eine strategische Klammer: ein gemeinsames Zielbild für einen resilienten Wirtschaftsstandort, klare Prioritäten auf dem Weg dorthin und eine Politik, die ihre Instrumente konsequent darauf ausrichtet.

Schlechtes Zeugnis für die politischen Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz des Wirtschaftsstandorts

Frage: "Wenn Sie einmal an die Maßnahmen denken, die die Politik in Deutschland und der Europäischen Union zur Stärkung der Resilienz des Wirtschaftsstandorts getroffen hat: Wie wirksam sind diese Maßnahmen aus Ihrer Sicht?"

© Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 10202
Ansprechpartner

Andrea Stahl

Referentin Kommunikation
BDI e.V.