Die EU will den Anteil der Industrie an der europäischen Wirtschaftsleistung wieder erhöhen. Gleichzeitig steht die Industrie unter massiven Druck. Vor allem staatlich subventionierte Überkapazitäten in China führen zu verzerrtem Wettbewerb und verdrängen europäische Produktion, Unternehmen investieren zunehmend außerhalb Europas, und die Abhängigkeiten bei Rohstoffen, Vorprodukten und Zukunftstechnologien wachsen. Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission im März 2026 den Industrial Accelerator Act (IAA) vorgelegt. Er soll industrielle Produktion in Europa halten und Investitionen in die Dekarbonisierung stärken, unter anderem durch beschleunigte Verfahren.

Dafür setzt der Vorschlag an mehreren Punkten an: Öffentliche Aufträge und Förderprogramme sollen stärker für den Aufbau industrieller Kapazitäten in Europa genutzt werden. Industrieprojekte sollen schneller genehmigt werden. Zudem enthält der IAA neue Vorgaben für große Investitionen aus Drittstaaten sowie Möglichkeiten zur Ausweisung von Industriegebieten mit beschleunigten Verfahren.

Der IAA soll nicht für die gesamte Industrie gelten, sondern für ausgewählte Bereiche: Stahl, Zement, Aluminium, Automobile sowie ausgewählte Nettonulltechnologien. Für diese Sektoren regelt der IAA den Zugang zu öffentlichen Aufträgen und Fördermitteln.

Der BDI unterstützt das Ziel, industrielle Wertschöpfung in Europa zu stärken. Einige der vorgeschlagenen Instrumente können dazu beitragen, strategisch wichtige Produktionskapazitäten aufzubauen oder zu erhalten. Der IAA ersetzt allerdings nicht die Notwendigkeit, grundlegende Standortverbesserungen herbeizuführen. Er kann aber ein Baustein industriepolitischer Flankierung sein. In seiner jetzigen Form droht er allerdings zu einem unübersichtlichen Geflecht aus Nachweis- und Dokumentationspflichten zu werden. Genau diese Bürokratie würde seine Wirkung verpuffen lassen.

Fabian Wendenburg zum Industrial Accelerator Act (IAA)