Wer soziologische Mittelschicht mit unternehmerischem Mittelstand verwechselt, kann keine nachhaltige Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik machen. Der Mittelstand schafft – jenseits international nachgefragter Produkte und Dienstleistungen – auch Arbeitsplätze, private Einkommen sowie Aufkommen für Steuer und Sozialsysteme. Er übernimmt in der Förderung von Kultur, Sport und Ehrenamt auch gesellschaftliche Verantwortung. Dafür braucht es Rückenwind auch aus der Politik.

Aktuelles zum Thema
Et­was rat­los vor der po­li­ti­schen Pra­xis in Eu­ro­pa

Als Familienunternehmer in sechster Generation und als Vorsitzender des BDI/BDA-Mittelstandsausschusses ist Hans-Toni Junius ein überzeugter Europäer. Ein Jahr vor der Europawahl beschreibt er, was er von Brüssel wahrnimmt und von dort erwartet. Gleichzeitig fordert er Mittelständler dazu auf, die Vorteile der EU auch in den Betrieben klar zu benennen und sich beherzt für Europa zu engagieren.

Groß­stadt­bril­le ab­neh­men, länd­li­che Räu­me stär­ken

Mittelstand und Familienunternehmen wurzeln oft seit Generationen in ländlichen Räumen. Mangelhafte Infrastrukturen und fehlende Fachkräfte setzen Unternehmen, Beschäftigte und deren Familien vor Ort unter Druck. Die Rahmenbedingungen müssen spürbar attraktiver werden – für Arbeiten, Wohnen und Leben. Es lohnt auch gesellschaftlich, ländlichen Räumen neuen Schub zu geben und neue Anreize zum Bleiben und Kommen zu setzen.

Un­nö­ti­ge Bü­ro­kra­tie ab­bau­en – Bes­se­res Recht set­zen

Bürokratie belastet Unternehmen aller Größen im Alltag spürbar. Nicht zuletzt der Mittelstand braucht einen effizienten und einheitlichen Rechtsrahmen. Wer den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken will, sollte unternehmerisches Praxiswissen frühzeitig in den Gesetzgebungsprozess einbeziehen, unnötige Bürokratie abbauen und eine digitale Verwaltung aufbauen.

Mid Caps – Be­deu­tung des grö­ße­ren Mit­tel­stands für die deut­sche Wirt­schaft

Die EU geht in ihrer Wirtschaftspolitik von einer klaren Trennung des Unternehmensbestandes zwischen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Großunternehmen aus. Gerade die Industrie ist aber durch größere Mittelständler geprägt. Dieser Umstand sollte durch die Einbeziehung von Mid Caps in die KMU-Definition stärker berücksichtigt werden, meint Klaus-Heiner Röhl, Senior Economist des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.

Eu­ro­päi­sche KMU-De­fi­ni­ti­on und Mid-Caps zu­kunfts­fest ma­chen

Die EU-Definition von kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wird in aktueller Form den Besonderheiten von Mittelstand und Familienunternehmen am Standort Deutschland nicht gerecht. Es ist überfällig, relevante Größenordnungen bei den Schwellenwerten für Personal und Finanzen zu setzen und qualitative Kriterien zu berücksichtigen. Hilfreich wäre auch, „Mid-Caps“ als ergänzende Kategorie zu sehen und mittelstandspolitisch zu berücksichtigen.