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#WirMachen Gesundheit

Die Industrie macht Gesundheit besser

Empfehlungen zur Bundestagswahl 2021

Die industrielle Gesundheitswirtschaft ist wie keine andere Industrie in der Lage, Deutschland den Weg aus der wirtschaftlichen Krise zu bahnen. Sie ist eine Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts und als entscheidender Wachstumstreiber und stabiler Jobmotor gerade jetzt erfolgskritisch für den Standort Deutschland. Das Ziel ist, Deutschland und Europa als einen weltweit führenden iGW-Standort zu erhalten und auszubauen – im volkswirtschaftlichen, gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Interesse. Die Politik muss der Gesundheitswirtschaft den Stellenwert einräumen, der der faktischen Bedeutung dieses Industriezweiges für unsere Gesellschaft entspricht. Während der Wert von Fortschritt in anderen Branchen in Deutschland auch wirtschafts- und gesellschaftspolitisch diskutiert wird, steht diese wichtige Diskussion bei der Gesundheitswirtschaft noch am Anfang. Das Verständnis von Gesundheit als „Kostentreiber“ des Sozialwesens ist überholt: Vielmehr müssen diese Kosten als Investitionen in unsere Gesundheit und in unsere Zukunft verstanden werden. Sie schaffen nicht nur einen Mehrwert für das individuelle Wohlergehen und unser gesellschaftliches Zusammenleben, sondern auch für die Gesundheitsbranche als Rückgrat einer stabilen Wirtschaft.

Für die Zukunft der Gesundheitsversorgung braucht Deutschland…

…Versorgungssicherheit

Lieferketten sichern

Die globalisierte Gesundheitswirtschaft braucht politische Unterstützung. Die Herstellung von Arzneimitteln und Medizinprodukten basiert auf diversifizierten Lieferketten, also auf einer sorgfältigen internationalen Arbeitsteilung. Verbesserte Rahmenbedingungen erhöhen hier die Krisensicherheit. Politische Maßnahmen sollen die Infrastruktur vor Ort erhalten, gezielte Kapazitätsreserven schaffen und Lieferbeziehungen zu Herkunftsländern strategisch absichern.

Produktionsbedingungen optimieren

Internationale, diversifizierte Lieferketten sind eine gelebte Realität mit vielen Vorteilen. Stabile, internationale Netzwerke der privaten Gesundheitsforschung und -produktion sind unerlässlich für den medizinischen Fortschritt. Freier Warenverkehr und offene Grenzen ohne Einfuhrzölle bilden dabei eine wichtige Voraussetzung. Die Förderung deutscher und europäischer Produktion gewährleistet eine über die allgemeinen Standards hinausgehende hohe Qualität; gleiches gilt für die finanzielle Entlohnung sowie den Arbeits- und Umweltschutz. Diese Faktoren können in der Zukunft ein wichtiger, differenzierender Wettbewerbsfaktor für die industrielle Gesundheitswirtschaft werden.

Digitale Bestandsplattform versorgungskritischer Arzneimittel und Medizinprodukte errichten

Zu Beginn der Corona-Krise entstand eine Nachfrage-Explosion für einige Medizinprodukte und Pharmazeutika zur Intensivbehandlung. Spontane und multiple Bestellungen führten teilweise zu Lieferengpässen. Zudem kam es zu einer Kettenreaktion durch protektionistische Aktivitäten einiger Staaten. Für über 80 Prozent aller kritischen Produkte gibt es jedoch keinen Mangel, sondern ein Verteilungsproblem. Der BDI schlägt deshalb eine „Digitale Bestandsplattform versorgungskritischer Arzneimittel und Medizinprodukte“ vor. Zu einer smarten Lösung gehört die Nutzung einheitlicher, global eingeführter Produktidentifikations- und Klassifikationsstandards.

Marktzugang erleichtern

An einem attraktiven Leitstandort müssen innovative Produkte und Forschungsleistungen der iGW im deutschen Gesundheitssystem zügig zur Anwendung kommen. Der Markteintritt bis hin zum Versuch, eine Abrechenbarkeit zu schaffen, stellt dabei eine große Barriere dar. Notwendig sind praktikable Lösungen, zum Beispiel auch mit niedrigschwelligen, personell gut ausgestatteten Beratungsangeboten für Fragen der Zulassung und Erstattung.

Erstattung innovationsfreundlich ausgestalten

Die Implementierung von neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) und die Regelung von Abrechnungen (Erstattung/Vergütung) muss kompetent, sachgerecht und adäquat erfolgen, ohne den medizinisch-technischen Fortschritt auszubremsen. Auch in den Auslandsmärkten sollte für eine der nationalen Wertschöpfung angemessenen Honorierung der Innovation geworben und das Thema demgemäß in bilateralen Beziehungen adressiert werden.

EU-Verordnung für In-vitro-Diagnostika (IVDR) verschieben

Die moderne Medizin verändert sich grundlegend – weg von Behandlung der Krankheit hin zu einer frühzeitigen Gesundheitsversorgung mit Prävention, Früherkennung und schneller medizinischer Versorgung. In-vitro-Diagnostika, wie beispielsweise Corona-Schnelltests, sind von essenzieller Bedeutung zur Diagnose von Krankheiten und Steuerung von Therapien. Die Diagnostika-Industrie leistet aktuell gemeinsam mit den medizinischen Laboren in Deutschland einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Covid-19-Krise. Gleichzeitig stehen die Diagnostika-Hersteller vor einer enormen Herausforderung durch die Umstellung auf die neue europäische IVDR bis zum 26. Mai 2022. Zurzeit ist die dafür erforderliche neue Infrastruktur, insbesondere in Form der Benannten Stellen, aber nicht in Sicht – unter anderem, weil Ressourcen vorrangig für die Pandemiebekämpfung eingesetzt werden. Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, muss die Übergangszeit verlängert werden.

…Forschung und Innovationen

Studienstandort Deutschland attraktiver machen

Deutschland hat für forschende Unternehmen der Gesundheitswirtschaft einen hohen Stellenwert als Studienstandort. Doch der internationale Wettbewerb ist deutlich schärfer geworden. Diverse Standortfaktoren bestimmen, wo Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen ausgebaut oder neu errichtet werden. Dazu gehören eine gute Infrastruktur und zielgerichtete Förderprogramme, aber auch exzellente Kooperationspartner, wie Hochschulen oder andere Forschungseinrichtungen und hoch qualifizierte Arbeitskräfte.

Klinische Forschung unterstützen

Bürokratische, teure und langwierige Genehmigungsprozesse verringern die Attraktivität eines Standorts z. B. für klinische Studien. Die Dauer von Genehmigungsverfahren und notwendigen Voten der zuständigen Ethikkommissionen sowie der Umfang und Inhalt der vorzulegenden Unterlagen nimmt in Deutschland stetig zu, während sich gleichzeitig die Personalsituation in den Genehmigungs- und Fachbehörden verschlechtert. In anderen europäischen Ländern erfolgt die Umsetzung der Clinical Trials Regulation (CTR) schneller und zielführender. Hierdurch zeichnete sich in den letzten Jahren eine zunehmende Verschiebung von klinischen Studien in andere europäische Länder und Nicht-EU-Länder ab. Gerade für die durch Patentlaufzeit beschränkten Wertschöpfungszeiträume innovativer Arzneimittel und Medizinprodukte müssen Forschungs- und Entwicklungsprozesse möglichst effizient laufen.

Innovationsoffenheit stärken

Innovationsoffenheit beschreibt die Einstellung zu Innovationen, den Zugang zu Innovationen sowie die Nachfrage nach Innovationen. Bei einigen dieser Faktoren schneiden z. B. die USA und Singapur wesentlich besser ab als Deutschland. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen gemeinsam eine breite Basis für Innovationen schaffen. Deutschland ist das „Land der Ideen“, ein Hochtechnologieland, und seine Wirtschaftskraft wird maßgeblich durch die Innovationskraft bestimmt. Die iGW kann einen wichtigen Beitrag zur Lösung wesentlicher gesellschaftlicher Fragestellungen leisten. Diese starke Position im internationalen Wettbewerb können wir nur behaupten, wenn wir unter günstigen Rahmenbedingungen weiterhin die Produkte von morgen entwickeln.

Innovations-Check in der Gesetzesfolgenabschätzung einführen

Politische Rahmenbedingungen sollten Innovationen nicht erschweren oder gar verhindern. So drohen zum Beispiel beim europäisch geregelten Marktzugang für Medizinprodukte und In-vitro Diag-nostika durch die MDR / IVDR (Medical Device Regulation / In-vitro Diagnostic Medical Devices Regulation) – sowie dessen Umsetzung in nationales Recht – rechtlich mehrdeutige Anforderungen und ein Übermaß an Regulierung. Bestehende und künftige Regulierungen sollten stattdessen durch einen Innovations-Check überprüft werden. Daneben müssen ungünstige Auswirkungen sogenannter „Kostendämpfungsgesetze“, wie Zwangsrabatte und Preismoratorium bei Arzneimitteln sowie der Fixkostendegressionsabschlag bei Medizinprodukten, minimiert werden.

Staatliche Förderung ausbauen

Die iGW verändert sich wie kein anderer Wirtschaftsbereich stetig – dies ist für die Branche Antriebskraft und Alleinstellungsmerkmal zugleich. Die FuE-Intensität, also der Anteil der für die Forschung aufgewendeten Ausgaben an der gesamten Bruttowertschöpfung der Branche, liegt bei der iGW mit 15 Prozent deutlich über dem Wert anderer Branchen (zum Vergleich: Maschinenbau 6,9 %; Elektroindustrie 6,0 %).0F[1] Eine gute Innovationskultur in der deutschen Industrie insgesamt braucht die Rückendeckung von Politik und Gesellschaft. Das politische Ziel, bis 2025 den BIP-Anteil der FuE-Ausgaben auf 3,5 Prozent zu erhöhen, ist absolut notwendig.

[1] WifOR Institute: Bedeutung von Forschungs- & Entwicklungsinvestitionen der industriellen Gesundheitswirtschaft, Analyse des F&E-Fußabdrucks der industriellen Gesundheitswirtschaft im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. (BDI), November 2020

…medizinisch-technischen Fortschritt

Innovationen schneller zur Anwendung bringen

Wissenschaftliche und technische Innovationen verbessern Diagnosen und Therapien. In der Grundlagenforschung sowie der angewandten Forschung ist Deutschland stark. Der Weg zum Patienten in die Versorgung ist jedoch häufig langwierig und kostenintensiv. Neue Erkenntnisse und Know-how aus der Forschung müssen für Patienten und die Gesellschaft schnell nutzbar gemacht werden. Eine erfolgreiche Anwendung im Referenzmarkt Deutschland legt auch die Basis für den Exporterfolg. Bei forschungsintensiven Produkten ist es außerdem wichtig, dass sie nicht nur in Deutschland entwickelt, sondern durch die Ansiedlung künftiger Produktionsketten auch hier hergestellt werden. Nur so kann eine standortgebundene Wertschöpfung etabliert und gleichzeitig sichergestellt werden, dass Deutschland nicht aus dem Netzwerk internationaler Lieferketten verschwindet und damit in ungewollte Abhängigkeiten gerät.

Zugang zum Kapitalmarkt gewährleisten

Erfolgreiche Innovation und Industriegründungen erfordern ausreichende Finanzmittel. Forschung und Entwicklung im Bereich der industriellen Gesundheitswirtschaft sind nicht zuletzt aufgrund der hohen regulatorischen Anforderungen kostenintensiv und aufwendig. Öffentliche Förderprogramme sind wichtig, reichen jedoch nicht aus. Deutschland muss als Investitionsstandort für privates Wagniskapital attraktiver werden. Für eine effektive Finanzierung sind einerseits steuerliche, rechtliche und regulatorische Hürden abzubauen und andererseits Anreize für Investitionen in die iGW am Standort Deutschland zu fördern.

Kooperationen etablieren

Das Spektrum der Forschungsdisziplinen ist in der Gesundheitsindustrie so groß wie kaum anderswo. Neben Medizintechnik, Pharmazie, Biologie, Biotechnologie und Informatik zählen dazu auch medizinische Textilien, Bioökonomie, Robotik, Nanotechnologie, Elektroindustrie, Maschinenbau, Materialforschung u.v.m. Interdisziplinäre Zusammenarbeit wird daher immer wichtiger. Die Kooperationen von Unternehmen, Institutionen der Wissenschaft und klinischen Einrichtungen sollten neben der Beauftragung durch die Industrie (Drittmittel) auch direkt staatlich unterstützt werden. Benötigt wird zudem eine gezielte Förderung von europäischen und deutschen Public Private Partnerships (PPP).

Schutz geistigen Eigentums absichern

Geistiges Eigentum (Intellectual Property, IP) ist die Basis des Erfolgsmodells der forschenden Gesundheitswirtschaft. Ohne Patentschutz gibt es keine Innovationen. Für hohe Investitionen in oft viele Jahre dauernde Entwicklungsprozesse und einen entsprechenden Return on Investment sind angemessene Patentverwertungszeiten, die Nutzung von ergänzenden Schutzzertifikaten und der Unterlagenschutz entscheidend. Die Beibehaltung eines robusten und verlässlichen Schutzes geistiger Eigentumsrechte ist daher absolut unumgänglich.

…digitale Gesundheitslösungen

Digitalisierung im Gesundheitssystem vorantreiben

Die Digitalisierung ermöglicht eine bessere und individualisierte Versorgung, die effizienter und kosteneffektiver gestaltet werden kann. Für eine erfolgreiche digitale Transformation sind vor allem Investitionen in eine digitale Gesundheitsinfrastruktur, die Vernetzung weiterer Akteure mit der Telematikinfrastruktur (TI) und die vollständige Umsetzung der elektronischen Patientenakte (ePA) entscheidend. Darüber hinaus sollten Vertrauen in und Verständnis für den Nutzen digitaler Lösungen in der Bevölkerung mittels einer Aufklärungskampagne unter Beteiligung von Politik, Industrie und Selbstverwaltung gestärkt werden. Dazu zählt auch die Schaffung von Weiterbildungsangeboten für digitale Kompetenzen.

Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschungszwecke stärken

Die Nutzung von Gesundheitsdaten ist ein zentraler Baustein für eine bessere Versorgung sowie für Forschung und Entwicklung. Die Coronapandemie hat zudem gezeigt, wie wichtig die Erfassung von Gesundheitsdaten, beispielsweise für die Entschlüsselung des Virusgenoms und damit Grundlage für Tests, Impfstoff- und Therapieentwicklung, aber auch für die Nachverfolgung der Infektionsketten ist. Persönliche Gesundheitsdaten erfordern ein besonderes Schutzniveau – gleichzeitig darf der Datenschutz keine Bremse für medizinische Innovationen sein. Voraussetzungen sind neben einer ausreichenden Menge an Daten (z.B. für KI-Anwendungen) eine hohe Datenqualität, die Möglichkeit zum Datenaustausch und eine vernetzte Dateninfrastruktur.

Zugang der privaten Forschung zu anonymisierten oder pseudonymisierten Gesundheitsdaten ermöglichen

Die private Forschung ist derzeit gemäß Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) nicht antragsberechtigt für das Forschungsdatenzentrum. Die Differenzierung zwischen öffentlicher und privater Forschung darf nicht entscheidend für die Antragsberechtigung sein. Der Zugang zu den Daten für Forschungszwecke sollte sich vielmehr am gemeinsamen Ziel des medizinischen Fortschritts orientieren. Die private Forschung als tragende Säule der medizinischen Forschung muss daher in den Kreis der Antragsberechtigten für das Forschungsdatenzentrum aufgenommen werden. Der Ausschluss der privaten Forschung ist auch im europäischen Vergleich ein Wettbewerbsnachteil für den Forschungs- und Entwicklungsstandort Deutschland.

Einheitlichen Rechtsrahmen für Gesundheitsdaten umsetzen

Bund und Länder sollten sich gemeinsam für eine Harmonisierung der Regelungen zur Nutzung von Gesundheitsdaten zu wissenschaftlichen Zwecken engagieren. Mit dem neuen § 287a SGB V für eine federführende Datenschutzaufsicht in der Versorgungs- und Gesundheitsforschung wurde ein wichtiger Anfang gemacht. Die Regelung muss sich in den nächsten Jahren bewähren. Übergreifendes Ziel sollte eine einheitliche Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Deutschland und Europa sein. Ein zentrales Element ist die Entwicklung eines europäischen Code of Conduct (CoC) für die Nutzung von Gesundheitsdaten. Zur Mitgestaltung der Regelungen auf europäischer Ebene sollte Deutschland mit einer starken gemeinsamen Stimme im European Data Protection Board (EDPB) vertreten sein.

Einheitlichen europäischen Gesundheitsdatenraum schaffen

Die Bundesregierung sollte die Pläne der EU-Kommission für den European Health Data Space (EHDS) unterstützen und ihre Umsetzung aktiv vorantreiben. Eine bestmögliche Gesundheitsversorgung, zum Beispiel bei seltenen Erkrankungen sowie eine effiziente Forschung und Entwicklung erfordern in Europa strukturell einen gemeinsamen Ansatz für die Nutzung von Gesundheitsdaten. Zu berücksichtigen ist dabei die Entwicklung der europäischen Dateninfrastruktur GAIA-X, um Parallelstrukturen zu vermeiden. Da die voraussichtlich dezentrale Ausgestaltung des EHDS die nationalen Systeme der einzelnen Mitgliedsstaaten für die Verwaltung und Nutzung von Gesundheitsdaten miteinander vernetzt, ist die Anschlussfähigkeit des Forschungsdatenzentrums und der nationalen Initiativen zu Forschungsdaten (NFDI4Health, genomeDE etc.) auf deutscher Seite eine entscheidende Voraussetzung.

…eine Strategie zu globaler Gesundheit

Deutschlands Rolle im Bereich Globaler Gesundheit ausbauen

Für die globale Gesundheitssicherheit sind funktionierende internationale Gesundheitsorganisationen, insbesondere eine starke WHO, erforderlich. Nur so kann die aktuelle Coronapandemie effektiv, gezielt und koordiniert bekämpft und eventuellen zukünftigen Pandemien vorgebeugt werden. Deutschland wird international zunehmend eine Führungsrolle zugeschrieben, die inhaltlich, gestalterisch und politisch noch stärker besetzt werden sollte. Zudem ist es erforderlich, dass Gesundheit konsequent und nachhaltig mit hoher Priorität in der Agenda der multilateralen Foren wie G7 und G20 sowie in der EU verankert wird.

Gesundheit als Kooperationsfeld in bilateralen Beziehungen und in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) stärken

Der Gesundheitssektor ist prädestiniert für eine engere bilaterale Zusammenarbeit und sollte als ein echter Schwerpunkt in der deutschen EZ ausgebaut werden. Die Zahl von zuletzt nur noch zehn Ländern mit Gesundheitsschwerpunkt in der EZ müsste zudem wieder deutlich erhöht werden. Gleichzeitig empfiehlt sich ein weiterer Ausbau des multilateralen Engagements der Bundesregierung. Klar in den Fokus der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gehört dabei die Stärkung der Gesundheitssysteme.

Exportaktivitäten des Wachstumsmotors Gesundheitswirtschaft gezielt unterstützen

Die Gesundheitswirtschaft ist eine der wichtigsten und innovativsten Branchen, sichert und schafft in hohem Maß Arbeitsplätze und bildet mit rund 131 Mrd. € einen Stützpfeiler der deutschen Exportleistung. Für Stabilität und ein weiteres Wachstum des Sektors muss die Politik ihr bestehendes Engagement ausbauen. Notwendig sind vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) fokussierte Maßnahmen zur Markterschließung.

Kohärenten politischen Ansatz gemäß „Health in all Policies“ etablieren

Die aktuelle Pandemie zeigt auf, wie intensiv und unauflösbar Gesundheit mit allen anderen Lebens- und Wirtschaftsbereichen verknüpft ist. Für eine konstruktive soziale und ökonomische Weiterentwicklung sowie für einen möglichst wirksamen Beitrag Deutschlands zu globaler Gesundheit ist ein über die relevanten Ressorts der Bundesregierung hinweg abgestimmter Ansatz („Health in all Policies“) absolut entscheidend. Unter Anerkennung der bedeutsamen Rolle der Gesundheitswirtschaft sollte diesbezüglich ein nachhaltiger, inhaltlich fokussierter Dialog zwischen Politik und Wirtschaft geführt werden.

…smarte Gesundheitspolitik mit Weitblick

Wirtschaftspolitisches Klima verbessern

De facto schafft die iGW eine essenzielle Grundlage für eine gesunde Bevölkerung und eine wachsende Wirtschaft. Dennoch fehlt derzeit eine aktive wirtschaftspolitische Begleitung und Unterstützung der iGW als hochinnovative, spitzentechnologiebasierte und von einem enorm hohen Exportpotenzial geprägten Branche. Die iGW benötigt konkrete Unterstützung, indem verlässliche Rahmenbedingungen Planungssicherheit geben und die Innovationskraft unterstützen. Grundvoraussetzung ist die politische Anerkennung der Gesundheitswirtschaft als Leitbranche, verbunden mit einer politischen Priorisierung und entsprechenden Budgetierung. Dialogformate auf Landes- sowie Bundesebene müssen erweitert und fortgeführt werden.

Handelsabkommen spezifizieren

Zunehmende Spannungen, die Androhung und das tatsächliche Auflegen immer neuer Zölle belasten nicht nur zwischenstaatliche Beziehungen, sondern auch den internationalen Warenverkehr. Entscheidend sind Warenverkehrsfreiheit, offene Grenzen und Solidarität. Europa muss eine Lösung finden, die auf gute Standortbedingungen statt auf Protektionismus setzt. In zukünftigen Freihandelsabkommen mit Ländern außerhalb Europas sollten explizite Kapitel zur Erbringung von Leistungen in der Gesundheitswirtschaft formuliert und die Einhaltung globaler Standards festgeschrieben werden. Handelsabkommen sollten zudem auch die Standards für klinische Studien und Marktzulassung sowie Regelungen zu Digital Health und Interoperabilität festschreiben.

Höhe der Steuern und Ausgaben beschränken

In Deutschland gab es seit über zwölf Jahren weder nennenswerte Steuerstrukturreformen noch Entlastungen für die Unternehmen. Im internationalen Vergleich hat sich Deutschland mittlerweile mit einer Gesamtsteuerbelastung für Unternehmen i. H. v. rund 31 Prozent zum Höchststeuerland entwickelt. Zahlreiche EU-Staaten haben mittlerweile den Steuersatz für die Unternehmensbesteuerung auf 25 Prozent und darunter gesenkt; im EU-Durchschnitt liegt die tarifliche Belastung von Kapitalgesellschaften 2020 bei 20,7 Prozent des Gewinns. Damit ist Deutschland im internationalen Standortwettbewerb nicht mehr zukunftsfähig. Ein Konzept für eine zeitgemäße Steuerpolitik ist dringend erforderlich. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich um mittelständische Familienunternehmen oder um börsennotierte Konzerne handelt. Der erfolgte Einstieg in eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung (Forschungszulage) ist ein wichtiger Schritt, um die Rahmenbedingungen für mehr Forschung, Entwicklung und Innovation in Deutschland zu verbessern – dies muss aber durch Deckelanhebung oder gar Deckelaufhebung weiter ausgebaut werden.

Arbeitskräfte sichern

Bereits jetzt können in der Gesundheitswirtschaft viele Stellen nicht adäquat besetzt werden. Die fortschreitende Spezialisierung in Prävention, Diagnose, Therapie und Rehabilitation machen eine bessere Aus- und Weiterbildung der Ärzte, Pharmazeuten, Naturwissenschaftler und Techniker in der Gesundheitsversorgung sowie der weiteren Angehörigen der Pflege- und Heilberufe auf dem jeweils wissenschaftlichen Höchststand notwendig. Dabei könnten neue Berufsbilder, die den heutigen Anforderungen gerecht werden, hilfreich sein. Idealerweise sollte die entsprechende Ausbildung schon in den Schulen beginnen. Ergänzend muss das medizinische Personal digital geschult werden, um die neuen Technologien am Patienten anwenden zu können.

Energiekosten stabilisieren

Die Energiekosten sind in den vergangenen Jahren ein immer stärkerer Standortfaktor geworden. Mit der Energiewende hat Deutschland sich das ambitionierte Ziel gesetzt, die Energieversorgung zum Wohle des Klimaschutzes weitgehend umzubauen. Als Branche, die Verantwortung für gegenwärtige und folgende Generationen übernimmt, unterstützen die Unternehmen der industriellen Gesundheitswirtschaft generell Maßnahmen und Initiativen, die sich für den Klimaschutz einsetzen. Um sich mit aller Kraft dafür einsetzen zu können, braucht die Industrie jedoch eine nachhaltige Energie- und Klimapolitik aus einem Guss.

Covid-19 und globale Wertschöpfungsketten in der industriellen Gesundheitswirtschaft

Mit einer leistungsfähigen Gesundheitswirtschaft hat Deutschland die Coronakrise bisher sehr gut bewältigt. Doch als Apotheke der Welt verliert Deutschland an Boden. Die Krisenanfälligkeit muss weiter gesenkt, die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Abschottung ist keine Option, denn die Globalisierung geht trotz Corona weiter.

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